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Wildwest auf hoher See

19. Mai 2006

WWF-Studie: Internationale Abkommen versagen im Kampf gegen Plünderung der Meere

 

Hamburg, 19. Mai 2006: Die internationalen Fischereiabkommen, mit denen die Überfischung auf hoher See gestoppt werden soll, haben bislang weitgehend versagt. Zu diesem Ergebnis kommt eine neue WWF-Studie, die die Praxis der insgesamt 16 regionalen Fischereiabkommen untersucht. Diese Abkommen regeln die Fischerei auf den Weltmeeren außerhalb der nationalen 200 Seemeilen-Zonen. 'Die Hochsee bedeckt nahezu die Hälfte der Erdoberfläche. Trotz aller Abkommen handelt es sich jedoch nach wie vor um ein weitgehend rechtsfreies Gebiet. Im Wilden Westen der Meere bedienen sich kriminelle und von den Regierungen beauftrage oder geduldete Plünderer nahezu nach Belieben', so WWF-Fischereireferentin Heike Vesper.

 

 

 

Selbst wenn man das gigantische Problem der illegalen Fangpraxis in den Griff bekäme, garantierten die Regionalen Fischereiabkommen heute keine nachhaltige Fischerei. 'Die Überfischung der Hochsee nimmt sogar noch zu, weil die Küstengewässer leer gefischt sind', sagte die WWF-Expertin. 90 Prozent aller großen Fische wie Tunfisch, Marlin, Schwertfisch, Haie, Kabeljau oder Heilbutt seien bereits verschwunden. Zwar gebe es bei einigen Abkommen Fortschritte - eine Trendwende sei aber nicht in Sicht, kritisiert der WWF.

 

 

 

Viele Staaten hielten sich nicht an die Vereinbarungen. So würden beispielsweise Länder der Nordwest-atlantischen Fischereiorganisation die vorgegebenen Fangquoten ignorieren und ihre eigenen Mengen festlegen. Das Abkommen über den stark gefährdeten Blauflossentunfisch würde von einigen Teilnehmerstaaten regelmäßig gebrochen. Auch im Kampf gegen den Einsatz von zerstörerischen Bodenschleppnetzen in der Tiefseefischerei haben die Staaten bislang versagt. Viele Tiefseefischbestände wie der Granatbarsch sind zusammen gebrochen. Die Regierung Australiens hat in diesen Tagen empfohlen, den Granatbarsch auf die Rote Liste der gefährdeten Arten zu setzen.

 

 

 

Das Dilemma sei, so der WWF, das die Internationalen Fischereiorganisationen trotz ihrer katastrophalen Bilanz heute die einzige Möglichkeit bieten, die Hochseefischerei zu kontrollieren. Die gemeinsam mit dem Artenhandels-Netzwerk TRAFFIC erstellte Studie weist deshalb auf einige positive Ansätze für die Entwicklung der Abkommen hin. So seien einige Länder dabei, ihre bisherige Praxis zu überdenken und Pläne für eine bestandserhaltende Fischerei zu entwickeln. 'Die internationale Staatengemeinschaft muss endlich ein nachhaltiges Management der Hochsee-Fischbestände und der betroffenen Fanggebiete etablieren. Sonst verschwindet ein Fisch nach dem anderen aus den Ozeanen und damit auch von unserem Speiseplan', betonte Heike Vesper.

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