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WWF-Expedition entdeckt „Sumpfschimpansen“ im Kongo-Becken

15. September 2010

Erste Ergebnisse der Forschertour heute in Berlin vorgestellt / 15 Millionen Hektar Schutzgebiet geplant

 

 Berlin -  Überraschung im Regenwald: Ein WWF-Forscherteam ist in der Demokratischen Republik Kongo auf einige hundert Schimpansen gestoßen, die einen Teil des Jahres fast komplett auf Bäumen verbringen. In der Regenzeit, wenn das Gebiet in der Lac Tumba-Region im Westen des Kongo-Beckens überflutet ist, verlagern die Schimpansen ihr Leben auf die Baumwipfel. „Wir hatten keine Ahnung, dass in dieser Gegend überhaupt Schimpansen vorkommen“, sagt WWF-Projektleiter Inogwabini Bila-Isia.  „Dass die Tiere es so lange  in den Bäumen aushalten, hat uns die Sprache verschlagen.“ Er  ist sicher, dass dies nicht die einzige Überraschung  bleiben wird: „Das Gebiet war bisher quasi unerforscht und wir werden noch über Monate dort unterwegs sein.“ Die ersten Ergebnisse der Expedition stellt der WWF heute auf einer Biodiversitäts-Konferenz des Bundesministeriums für Entwicklung in Berlin vor.  

 

Der WWF prüft derzeit in der demokratischen Republik Kongo im Auftrag der Regierung und mit finanzieller Unterstützung der KfW, welche Gebiete sich als Schutzgebiete eignen. Sieben Prozent der Demokratischen Republik Kongo stehen bereits unter Schutz, 15 Prozent sollen es werden – insgesamt 15 Millionen Hektar Schutzgebiet, die das Land wie ein Netz überziehen sollen. Ziel ist es, die biologisch vielfältigsten Gebiete zu bewahren, in denen unzählige Tier- und Pflanzenarten leben. Dank der Expedition  ist es dem WWF bereits gelungen, die Regierung der Demokratischen Republik Kongo zu überzeugen, den Sumpfwald auf über 7.000 km2 unter Naturschutz zu stellen – eine Fläche von der dreifachen Größe des Saarlandes.  

 

„Zudem spielt Wald im Klimaschutz eine große Rolle, aus zwei Gründen“, erläutert Johannes Kirchgatter, WWF-Afrikaexperte. „Erstens sind Bäume Kohlenstoffspeicher, die das Klimagas Kohlendioxid in Kohlenstoff umwandeln und in ihrer Biomasse binden. Zweitens wird genau dieser gespeicherte Kohlenstoff bei der Waldvernichtung frei. Bäume zählen für den Klimaschutz also gleich doppelt.“  

 

Das Zuhause des „Sumpfschimpansen“, die Lac Tumba-Region, ist vermutlich das größte Sumpfwaldgebiet der Erde. Die Sumpfwälder sind ein wertvoller Wasserspeicher für das Kongo-Becken: Wie ein Schwamm saugen sie in der Regenzeit von September bis Mai die Wassermengen auf und puffern Überschwemmungen ab, um anschließend das Wasser langsam wieder abzugeben. „Ohne diese Wasserspeicherfunktion der Kongo-Wälder hätte die Region mit Trockenheit und Wüstenbildung zu kämpfen“, sagt WWF-Experte Johannes Kirchgatter. „Diese Bedeutung wird sich durch den menschgemachten Klimawandel noch verstärken.“

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