Content Section

WWF kritisiert verschleiertes CO2

29. Januar 2007

Energieversorger versagen an transparenten CO2-Antworten und gefährden Werte ihrer Investoren

 

Frankfurt a. M. - Zwei vom WWF beauftragte und heute in London vorgestellte Studien konzentrieren sich auf die zukünftige Rolle von Energieversorgungsunternehmen (EVU) unter verschärfter CO2-Regulierung. EVUs stellen den CO2-intensivsten Sektor und spüren bereits heute diese Effekte, haben aber kaum zukunftsfähige Klimastrategien, um langfristig die Werte Ihrer Anteilseigner zu erhalten und zu mehren.  

 

Der heute vorgestellte, erste sektorspezifische Bericht des Carbon Disclosure Projects (CDP) fokussiert auf Risiken und Daten bzgl. der Klimarisikosituation globaler EVU. Weniger als die Hälfte der befragten Unternehmen antworteten in höchst unterschiedlicher Qualität, nicht einmal 30Prozent  machen quantifizierte Angaben zu Daten, die ohnehin weitläufig Regulierungsbehörden zugänglich gemacht werden müssen. Ein weiteres bedeutendes Ergebnis war, nach genauerer Analyse von 25 Unternehmen, dass kaum ein EVU für die Gesellschaft Wert generiert. Auf der Basis einer TruEVA-Methodik können nur sechs von 25 nach Zurechnung der verursachten Schäden durch z.B. CO2 einen positiven Beitrag ausweisen. Dies ist ein weiteres Zeichen für die Konsequenzen aus zukünftig zunehmender Treibhausgasregulierung für Investoren. „Die Industrie mit dem größten Beitrag zu den CO2-Emissionen versagt großflächig an dem Investorenverlangen nach Informationen“, kommentiert James Cameron, Chairman des CDP.

 

Die zweite vorgestellte Studie von WWF und SAM-Group kalkuliert für RWE ein Wertrisiko von bis zu 17 Prozent, sollte die Unternehmensstrategie die Bedeutung zukünftiger klimapolitischer Maßnahmen und Kohlendioxid- Regulierung nicht angemessen berücksichtigen. Zu diesem Ergebnis kommen der unabhängige Sustainability Investment Manager, SAM Group, und der WWF in einer gemeinsamen Studie.  

 

Die Untersuchung „Carbonizing Valuation” analysiert die finanziellen  Auswirkungen des Klimawandels auf Unternehmenswerte. Den Ausstoß von Treibhausgasen zu begrenzen ist das Schlüsselelement im Kampf gegen den Klimawandel. Unternehmen mit einem hohen Ausstoß an CO2 werden die Folgen einer nachhaltigen CO2-Regulierung besonders spüren.

 

SAM Group und WWF analysierten deshalb, wie sich diese Entwicklung auf RWE, den größten europäischen CO2-Emittenten, auswirken wird. Im Fokus der Untersuchung standen die zukünftigen Zahlungsströme (Cash Flows) eines Kraftwerksportfolios von RWE. Die Bedeutung des CO2-Risikos für RWE wird dabei sehr deutlich: In einer Zukunft, in der CO2 gemäß wissenschaftlicher Vorgaben im Sinne der Begrenzung des Klimawandels reduziert wird, führt die bisher zu erkennende Investitionsstrategie zu einem potenziellen Wertverlust bei RWE von bis zu 17 Prozent.  

 

“In einer Welt mit steigenden CO2- Preisen müssen Energieversorger und insbesondere Stromerzeuger die langfristigen Konsequenzen für den Unternehmenswert im Auge haben“, so Bjørn Tore Urdal von der SAM Group. “In 2006 hat die EU-Kommission neun von zehn Nationalen Allokationsplänen (NAPs) für die zweite Phase des europäischen Emissionshandelssystems zu Nachbesserungen zurückgewiesen. Langfristig wird eine stringente Klimapolitik CO2 zu einem knappen Gut werden lassen und Investoren und Unternehmen müssen dies in ihren strategischen Überlegungen berücksichtigen”.  

 

Der Klimawandel stellt eine einzigartige Herausforderung für Unternehmen dar: der ehemalige Chefökonom der Weltbank, Nicholas Stern, wies bereits im Oktober in seinem Bericht zu den volkswirtschaftlichen Kosten des Klimawandels für die britische Regierung darauf hin, dass hier das größte Marktversagen beobachtet werden kann. “Dieses Marktversagen stellt Unternehmen zunehmend weltweit vor große Risiken”, sagt Matthias Kopp, Projektleiter Finanzsektor des WWF. “CO2-minimierende Unternehmens- und Investitionsentscheidungen können dieses korrigieren und eröffnen gleichermaßen demjenigen große Gelegenheiten, der sie als erster nutzt.”

  • Facebook
  • Twitter
  • Google Plus
  • Pinterest
  • drucken