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WWF: Neues Nachhaltigkeitssiegel für Zuchtfisch

27. Januar 2009

Aquakultur häufig ein „ökologisches Desaster“. Rasant steigende Nachfrage.

 

Der WWF will ein neues Nachhaltigkeitssiegel für Zuchtfisch auf den Weg bringen. Der „Aquaculture Stewardship Council“ (ASC) soll nach dem erfolgreichen Vorbild des „Marine Stewardship Council“ (MSC) entwickelt werden. Das MSC-Siegel wird nur für nachhaltige Meeresfischereien, nicht aber für Zuchten vergeben. „Aquakultur ist nur dann eine Alternative zu Wildfisch, wenn sie umweltfreundlich betrieben wird. Darum bringt der WWF ein neues Gütesiegel auf den Markt“, erläutert WWF-Fischereiexpertin Catherine Zucco. Das Siegel soll hohen Umwelt- und Sozialstandards genügen und von einer unabhängigen Organisation vergeben werden. „Der ASC soll kein neues Nischenprodukt sein, sondern den Fischmarkt nachhaltig verändern“, so Zucco.

 

Weltweit boomen die Fischzuchten mit zweitstelligen Zuwachsraten. 2005 wurden nahezu 48 Millionen Tonnen Fisch und Meeresfrüchte in Süßwasser- und Meereszuchten erzeugt. Fast 47 Prozent des von Menschen konsumierten Fisches stammt aus Aquakulturen. Der rasante Ausbau führt zu teils massiven Umweltproblemen. Typisch sind die Zerstörung küstennaher Lebensräume wie Mangrovenwälder, der Eintrag von Chemikalien oder Antibiotika ins Meer oder die Verdrängung einheimischer Arten. Zudem trägt die Aquakultur zur Überfischung der Weltmeere bei. So werden für ein Kilo Lachs oder Kabeljau bis zu vier Kilo wild gefangener Fisch verfüttert.

 

Das vom WWF angeschobene ASC-Siegel könnte schon in zwei Jahren auf den Markt kommen. Derzeit moderiert der WWF weltweite „Aquakultur-Dialoge“. In diesem Prozess entwickeln 2000 Fischzüchter, Umweltschützer, Regierungsvertreter und andere Interessengruppen gemeinsame Standards. Schon im nächsten Jahr sollen Umwelt- und Sozialstandards für neun typische Zuchtfische wie Shrimps, Lachs, Pangasius und Forelle vorliegen. Diese Regeln könnten die Grundlage für das ASC-Label bilden.

 

Eine WWF-Untersuchung aus dem Jahr 2008 hatte gezeigt, das keines der heute gängigen Gütesiegel für Zuchtfisch alle erforderlichen Nachhaltigkeitsstandards erfüllt. „Wir brauchen ein global gültiges Siegel, dem Züchter, Fischverarbeiter, Handel und Verbraucher vertrauen können, um die nachhaltige Aquakultur durchzusetzen“, so Zucco. Beim WWF-Test hatten die in Deutschland gängigen Siegel von „Bioland“ und „Naturland“ vergleichsweise gut abgeschnitten. In seinem neuen „Einkaufsratgeber Fische und Meeresfrüchte“ empfiehlt der WWF Dorade, Lachs und Tilapia aus Bio-Zuchten.

 

 

 

1997 hatte der WWF gemeinsam mit Unilever den „Marine Stewardship Council“ auf den Weg gebracht. Die heute unabhängige Organisation hat derzeit 140 Fischereien mit einer jährlichen Fangmenge von fünf Millionen Tonnen im Programm. Allein in Deutschland werden bereits über 350 MSC-Produkte angeboten. Auf eine ähnliche Erfolgsstory hofft der WWF auch mit dem neuen ASC-Siegel.

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