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WWF: „Ohne Naturschutz wirtschaftliche Nutzung der Meere gefährdet“

07. Juni 2011

Zum Internationalen Tag der Ozeane am 8. Juni

 

Hamburg - Siebzig Prozent unseres Planeten sind von Wasser bedeckt. Die Meere beeinflussen unser Klima und liefern die  Ernährungsgrundlage für Millionen Menschen. Die Faszination, die vom Meer ausgeht, ist ungebrochen. Der morgige Internationale Tag der Ozeane ist dem Schutz der Meere und seiner Bewohner gewidmet. Aus diesem Anlass drei Fragen zum Zustand der Meere an  Karoline Schacht, Expertin für Meeresschutz und Fischerei beim WWF Deutschland:

 

Worin bestehen die größten Bedrohungen für die Weltmeere?

 

Das Meer droht zum Gewerbegebiet zu werden: Immer mehr Nutzungen wie Schifffahrt, Windkraftanlagen oder der Rohstoffabbau streiten um Platz und Ressourcen. Dazu gehören auch die Fische. Die industrielle Fischerei ist heute für die Gesundheit unserer Meere die größte Bedrohung. Mit immer ausgefeilteren Techniken verfolgen wir die Fischbestände, da bleiben Kontrollen und Augenmaß zu oft auf der Strecke. Überfischung kann das ganze ökologische Gefüge im Meer beeinflussen und verändern, aber wohin führt das? Der Lebensunterhalt von 540 Millionen Menschen weltweit ist heute von Fischfang und Fischproduktion abhängig, während mittlerweile acht von zehn Fischbeständen überfischt oder bis an ihre Grenzen genutzt sind.

 

Fischerei ist ein globales Geschäft - ist denn eine Kehrtwende noch zu schaffen?

 

Hier sehen wir auch die Europäische Union stark in der Verantwortung: Sie ist der weltweit größte Importmarkt für Fisch und Fischprodukte und hat gleichzeitig einen überdurchschnittlich hohen Anteil überfischter Bestände in den eigenen Gewässern. Jetzt wird die Fischereipolitik in Europa reformiert, der neue Kurs muss heißen: Vom Raubbau zum Wiederaufbau der Fischbestände. Als Herzstück der aktuellen Reform brauchen wir Erholungs- und Bewirtschaftungspläne für alle EU-Fischereien. Wir müssen die skandalöse Verschwendung von 38 Millionen Tonnen ungewollt gefangener Fische und Meerestiere weltweit beenden und sicherstellen, dass EU-Schiffe auch außerhalb europäischer Gewässer - beispielsweise vor Afrikas Küsten - fair fischen.

 

Was wird denn getan, um die Meere zu schützen? 

 

Lediglich 1,2  Prozent der globalen Meeresfläche stehen unter Schutz – an Land sind es immerhin 15 Prozent. Zudem ist die Umsetzung von Schutzmaßnahmen für bedrohte Arten und ihre Lebensräume auf dem Meer mangelhaft. Meist existieren sie nur auf dem Papier. Auch in den ausgewiesenen deutschen Schutzgebieten in Nord- und Ostsee findet beispielsweise Fischerei seit Jahren ungehindert statt. Zumindest die Hälfte der Gebiete sollte aber fischereifrei sein, damit sich Fischbestände erholen können. Ohne Naturschutz wird es keine dauerhafte wirtschaftliche Nutzung der Meere geben.

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