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WWF-Protest mit Fisch-Müllwagen

18. Dezember 2008

„Meerestiere sind kein Müll“ – WWF fordert EU-Aktionsplan gegen Beifang

 

Aus einem großen, orangefarbenen Müllwagen ragt eine riesige Fisch-Schwanzflosse. „Meerestiere sind kein Müll! Stoppt Beifang!“ prangt als Motto auf dem LKW. Damit protestiert der WWF in Brüssel gegen das millionenfache Töten von Fischen, Walen, Seevögeln und anderen Bewohnern des Meeres, die als sinnloser Beifang in der europäischen Fischerei verenden. Laut eines WWF-Berichtes werden allein in der Nordsee pro Jahr eine Million Tonnen Fisch wie Müll wieder über Bord geworfen. „Diese Rückwurf-Praxis muss beendet werden. Wir fordern einen europäischen Aktionsplan gegen die gigantische Verschwendung von Meerestieren“, so WWF-Expertin Karoline Schacht.  

 

Während die Aktivisten vor den Türen des Brüsseler Ratsgebäudes demonstrieren, beraten dahinter die EU-Fischereiminister über die neuen Fangquoten in Nordsee und Nordostatlantik. Das Thema Beifang steht ganz oben auf der Tagesordnung. Den Ministern liegt eine Vereinbarung zwischen der EU und Norwegen vor, mit der ab 2009 in der Nordsee eine besonders schädliche Praxis verboten werden soll – das so genannte „high-grading“. Fischer, die zum Beispiel auf Kabeljaufang gehen, dürfen dann nicht mehr wie bisher marktfähigen Fisch über Bord werfen, nur um für noch größere Exemplare Platz zu schaffen. Zudem sollen zeitlich und räumlich flexible Schutzzonen den jungen Kabeljau davor bewahren, noch vor seiner Fortpflanzungsfähigkeit als Beifang zu enden. Erstmals werden die Fischer auch darauf verpflichtet, selektivere Netze einzusetzen, die den Kabeljau-Beifang drastisch senken.    

 

„Damit würde einer alltäglichen Variante der sinnlosen Plünderung ein Riegel vorgeschoben“, so WWF-Expertin Schacht. Weil mit dem Aktionsplan jeder gefangene Kabeljau angelandet werden soll, will die EU gleichzeitig die Fangquote um 30 Prozent anheben. Dies sei im Prinzip in Ordnung, so der WWF – wenn die Industrie die neuen Maßnahmen wirklich umsetze. „Das ist derzeit noch ein riskantes Spiel. Denn der Beifang-Aktionsplan ist noch nicht erprobt. Am Ende könnten wir schlimmstenfalls beides haben – eine höhere Quote und viel Kabeljau-Rückwurf. Das wäre dramatisch“, so Schacht. Wichtig sei, dass das Schonprogramm für den Kabeljau konsequent umgesetzt werde, denn der Bestand erhole sich gerade von einem historischen Tiefstand.  

 

Die Umweltschützer fordern weitere Schritte, um die Rückwurf-Praxis in allen EU-Fischereien komplett zu unterbinden. Durch einen intelligenten Aktionsplan könnten die Beifangraten um bis zu 90 Prozent gesenkt werden. Spätestens bis zur Fischereireform 2012 müsse das Rückwurf-Verbot auf den Weg gebracht werden, so der WWF. „Angesichts des desolaten Zustandes der europäischen Meere dürfen wir im Grunde keinen Tag mehr verlieren“, appelliert Schacht an die Fischereiminister.

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