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WWF-Sommertipps, Teil III: Bikinifigur auf Kosten der Natur

09. Juli 2008

Boom der Schlankmacher-Pflanze Hoodia bringt illegal geerntete Produkte in die Regale – WWF warnt vor Kauf im Internet

 

Frankfurt - Für den Traum vom schlanken Körper greifen immer mehr Frauen und Männer zu Tabletten, die Hoodia enthalten. Das kaktusähnliche Gewächs aus dem Süden Afrikas hat eine Hunger stillende Wirkung, weshalb es seit Jahrhunderten von den Bewohnern der kargen Kalahari-Steppe genutzt wird. Seit der Westen den Appetitzügler für sich entdeckt hat, wird Hoodia für die Herstellung von Diätmitteln schonungslos geplündert. „Eigentlich fällt Hoodia wie mindestens 350 andere Medizinalpflanzen unter den strengen Schutz des Washingtoner Artenschutzübereinkommens“, erklärt WWF-Heilpflanzenexperte Frank Barsch. Inzwischen würden aber immer mehr Präparate aus illegal geernteter Hoodia hergestellt. Käufern rät Barsch: „Fragen Sie bei Ihrem Händler nach den amtlichen Einfuhrpapieren und kaufen Sie Hoodia nicht im Internet.“ Dort sei es für Konsumenten besonders schwer, Herkunft und Qualität von pflanzlichen Präparaten nachzuvollziehen. Oft enthielten die dort angebotenen Präparate zu wenig oder gar keine Hoodia.   

 

Unwissenheit schützt jedoch nicht vor teils empfindlich hohen Strafen. „Wer Hoodia ohne behördliche Genehmigung aus dem Exportland und eine weitere Genehmigung aus Deutschland kauft, macht sich strafbar“, warnt WWF-Experte Barsch. Die Papiere sind als Handelskontrolle gedacht und sollen helfen, die Pflanze vor dem Aussterben zu bewahren.  

 

Denn Hoodia ist mittlerweile wie viele der rund 75.000 Heil- und Medizinalpflanzen der Welt bedroht. Betroffen sind vor allem die Pflanzen, die nicht kommerziell angebaut werden oder werden können – und das sind 80 Prozent. Auch die Speck-Weg-Pflanze Hoodia ist noch nicht in großem Stil aus Anbau erhältlich und stammt deshalb meist aus den bedrohten natürlichen Vorkommen.  

 

Der WWF macht auf einen weiteren problematischen Aspekt der Hoodia-Präparate aufmerksam: die Biopiraterie. „Während Pharmakonzerne Millionengewinne machen, werden die indigenen Völker an den Einnahmen, die die Verwertung ihres traditionellen Wissens und die Ausbeutung ihrer Ressourcen bringt, nur spärlich beteiligt“, kritisiert Barsch. Das Volk der San, die Entdecker der besonderen Hoodia-Wirkung, erhielten erst nach jahrelangem Rechtsstreit eine geringe Entschädigung von dem Forschungsinstitut in Südafrika, das sich Hoodia hatte patentieren lassen. Vom großen Gewinnkuchen bekommen die San nach wie vor zu wenig ab – und selbst nutzen können sie Hoodia auch kaum noch, weil die Bestände völlig dezimiert sind.

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