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WWF warnt vor tickenden Zeitbomben in der schwedischen Ostsee

22. August 2006

30 Fässer Quecksilber gefährden Meeresumwelt

 

Stralsund/Hamburg, 22.08.2006: 30 Fässer mit hochgiftigem Quecksilber wurden vor einigen Tagen in der Ostsee vor der schwedischen Industriestadt Sundsvall entdeckt. Die Fässer mit dem gefährlichen Stoff wurden als Abfall einer Papierfabrik in den 50er und 60er Jahren des vergangenen Jahrhunderts in der Ostsee versenkt. "Diese Fässer sind tickende Zeitbomben", warnt WWF-Experte Jochen Lamp." Wenn das Quecksilber austritt, kann dies verheerende Auswirkungen auf die Umwelt haben, ganze Fischpopulationen können vergiftet werden." Der WWF fordert die schwedischen Behörden auf, die Fässer schnellstmöglich zu bergen und die gefährlichen Substanzen fachgerecht zu entsorgen.

 

Insgesamt rosten rund 21.000 Fässer mit Quecksilber in diesem Teil der schwedischen Ostsee auf dem Meeresgrund. Sie enthalten, vermischt mit Beton, 9.000 Kilogramm reines Quecksilber. Es ist nur eine Frage der Zeit, wann die giftige Substanz austritt. Das Quecksilber im Meer wandelt sich mit der Zeit durch Bakterien in das hochgiftige Methylquecksilber um das die größte Gefahr von allen Quecksilberverbindungen für Menschen und Tiere darstellt.

 

Quecksilber und Methylquecksilber können sich über die Nahrungskette im Körper von Menschen und Tieren anreichern und bereits in geringen Konzentrationen das Nerven-, Herz-Kreislauf- und das Fortpflanzungssystem schädigen. Zusätzlich kann Methylquecksilber über das Blut ins Gehirn gelangen und dieses schädigen. Durch den Verzehr von verseuchtem Fisch sind schwangere Frauen und kleine Kinder besonders gefährdet. Die Ostsee zwischen Schweden und Finnland ist ein fischreiches Gebiet, das Quecksilber kann besonders Fische wie Hecht, Zander und Hering belasten.

 

Welche Auswirkungen die Belastung mit Quecksilber haben kann zeigt eine der weltweit größten Industriekatastrophen in Japan. Die Firma Chisso, ein Düngemittelhersteller, hatte in den Jahren 1932-1968 quecksilberhaltigen Abfall in der Bucht von Minamata versenkt. 3000 Menschen, die belasteten Fisch aus dem See gegessen hatten, erlitten Quecksilbervergiftungen oder erkrankten an der so genannten Minamata Krankheit, die für viele tödlich war. Weil die verantwortlichen Behörden die Einleitung trotz Kenntnis nicht untersagte, hat Japans Oberstes Gericht diese im vergangenen Jahr zu einer Strafe von 71.5 Millionen Yen (ca. 480.000 €) verurteilt.

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