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TV-Doku im Detail - Thema: Indigene Rechte

Die aufgeführten Vorwürfe beziehen sich auf die Erstausstrahlung der Doku im Juni 2011.

Vorwürfe:

  • Der WWF missachtet die Rechte von indigenen Gruppen und ist an Zwangsumsiedelungen beteiligt.

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  • Mit Unterstützung des WWF werden in Papua großflächige Palmöl-Plantagen auf dem traditionellen Land der indigenen Gruppen wie der Kanume angelegt.

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  • Der WWF vertritt einen nicht partizipativen Ansatz.

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© Adam Oswell / WWF
© Adam Oswell / WWF

Vorwurf: Der WWF missachtet die Rechte von indigenen Gruppen und ist an Zwangsumsiedelungen beteiligt

Film:
Off: Der Tiger-Boulevard wird von Menschen gefegt, die einst die Herren des Waldes waren, freie Adivasi. Jetzt sind sie Servicekräfte der Tourismusindustrie.
Sammeln auf dem Frühstücksplatz. Hier gab es, bis vor wenigen Jahren, ein Dorf der Adivasi. Sie wurden umgesiedelt, weil sie angeblich die Ruhe des Tigerwaldes stören.
[…]
Wir besuchen den Stamm der Honigsammler im Nationalpark Nagahole. Sie weigern sich ihren Wald zu verlassen. Um den Widerstand zu brechen, hat die Forstverwaltung ihnen verboten, Honig im Wald zu sammeln und der WWF Indien unterstellt den Adivasi, sie würden Tiger töten, um sie dann an chinesische Geschäftsleute zu verkaufen
[…]
J.K. Thimma: Die Behörden und der WWF sagen, nehmt eine Million Rupien Entschädigung und geht weg von hier. Warum? Wir leben hier seit ewigen Zeiten in Harmonie mit der Natur. Wenn wir verjagt werden, wird auch der Wald bald verschwunden sein.

 

Richtigstellung:
Der WWF lehnt Zwangsumsiedelungen strikt ab. Der WWF und die Weltnaturschutzunion IUCN haben seit 1996 gemeinsame „Principles and Guidelines on Indigenous Peoples and Protected Areas“ (hier) . Siehe auch: “Indigenous Peoples and Conservation: WWF Statement of Principles” (hier), oder die deutsche Fassung der Grundsatzerklärung (hier).

 

Der WWF arbeitet mit vielen indigenen Völkern und ihren Organisationen zusammen. Im Management von Naturschutzgebieten, bei der nachhaltigen Nutzung natürlicher Ressourcen und der politischen Interessenvertretung, wenn es um gemeinsame Anliegen geht. Die Unterstützung von indigenen und lokalen Gemeinschaften im Rahmen der WWF-Naturschutzprojekte zielt auf die Stärkung ihrer Selbsthilfefähigkeit und Handlungskompetenz. In diesem Zusammenhang übernimmt der WWF auch eine vermittelnde Rolle zwischen diesen Gemeinschaften und staatlichen Akteuren, so dass ihre traditionellen Rechte und Ansprüche gegenüber Verwaltung und Politik Gehör finden. Andere Projekte zielen direkt auf die Verbesserung der Lebensbedingungen der indigenen und lokalen Gemeinschaften, zum Beispiel durch den Aufbau von Ökotourismus, Fischzucht und verbesserter Landwirtschaft.

 

Eine Umsiedlung von Adivasi aus dem Tigerreservat Kanha fand im Jahre 1973/74 statt – allerdings ohne Beteiligung des WWF. „Zwangsumsiedlungen sind in Indien gesetzlich verboten und werden außerdem vom WWF nicht unterstützt“, sagt Ravi Singh, Geschäftsführer des WWF Indien. Jede Umsiedlung, die heute durchgeführt wird, muss die Vorgaben des Indian Wildlife Protection Act (Quelle) von 1972, unter Beachtung des Zusatzes 38V (5) (Quelle) von 2006, sowie des Forest Rights Act aus dem Jahr 2006 erfüllen. Alle Umsiedelungen müssen freiwillig stattfinden. Nicht der WWF bietet in Indien Kompensationszahlungen bei freiwilliger Umsiedlung an, sondern die Indische Regierung entscheidet über die Politik und deren Ausführung.

 

Im Film wird der WWF mit Vorgängen im Nagahole National-park in Verbindung gebracht. Weder ist der WWF ist in diesem Nationalpark tätig, noch am Vorgehen der örtlichen Forstverwaltung beteiligt. Auch gab es kein Angebot seitens des WWF an die Adivasi, ihrer Umsiedlung gegen eine Geldzahlung zuzustimmen.

© James Morgan / WWF International
© James Morgan / WWF International

Vorwurf: Mit Unterstützung des WWF werden in Papua großflächige Palmöl-Plantagen auf dem traditionellen Land der indigenen Gruppen wie der Kanume angelegt.

Film:
Off: Er [der WWF] darf mitbestimmen, wo die Plantagen hinkommen.
[…]
Ronny: „Wir werden sie informieren, damit sie erfahren, was dort gemacht werden soll, sonst geben sie ihr Land nicht her. Das würde zu Konflikten führen. Wir müssen sie aufklären, weil sie noch nicht offen sind für die Entwicklung. Manche machen sich Sorgen: Wenn ich mein ganzes Land verkaufe, wo soll ich dann leben? Sie können sich nicht vorstellen, auch auf einer Plantage zu arbeiten. Andere denken dagegen, wenn ich für eine Milliarde Rupien verkaufe, kann ich 50 Jahre davon leben. Die haben es verstanden.“

Off: Wir besuchen einen Punkt auf der Landkarte des WWF. Hier sollen eine Million Hektar Ölpalmen hinkommen, ins Stammesgebiet der Kanume. Sie wissen noch nicht, dass ihre Zeit abgelaufen ist. Kasimirus Sangara, Häuptling:

”Es waren Landvermesser hier, von Soldaten begleitet. Aber sie können uns den Wald nicht wegnehmen. Denn ich habe hier die Macht und lasse es nicht zu. Die Soldaten haben Waffen, aber sie respektieren mich. Wenn ich will, kann ich sie mit einem Zauber belegen. Im Wald leben die Götter und unsere Ahnen, der Wald ist die Quelle des Lebens. Niemand darf ihn zerstören.”

Richtigstellung:
Der Film verbindet diese beiden Aussagen mit den beiden eingeschnittenen Interviews (Ronny & Chief Kasimirus). Damit behauptet der Film, der WWF würde aktiv die Planung und spätere Anlage von großflächigen Palmöl-Plantagen auf dem traditionellen Gebiet der indigenen Gruppen, insbesondere der Kanume, unterstützen. Diese Aussage ist falsch.

 

Der im Beitrag gezeigte Chief Kasimirus Sangara lebt mit seinem Volk innerhalb eines Nationalparks (Wasur-Nationalpark) auf Papua, der keineswegs von einer Plantagenumwandlung betroffen ist (siehe Annex 1: Belege für die Zusammenarbeit des WWF mit indigenen Völkern und Annex 3: Karte der Zonierung des Wasur Nationalparks, Distrikt Merauke, Papua). Die im Film aufgestellte Behauptung, „… dass ihre Zeit abgelaufen ist“, ist daher falsch. Die Anlage einer Palmölplantage mit  1 Mio. ha Ölpalmen im Wasur Nationalpark (Flächengröße 413.810 ha), der sich mit dem Stammesgebiet der Kanume deckt, ist durch dessen ge-setzlichen Schutz ausgeschlossen.

 

Darüber hinaus setzt sich der WWF seit den 90er Jahren für den Schutz dieses Nationalparks und die Rechte der dort le-benden Völker ein. Niemals würde der WWF einer industriellen Nutzung in einem Nationalpark zustimmen. Der Nationalpark wurde 1990  eingerichtet und hat eine Zonierung, die es der lokalen Bevölkerung erlaubt, ihre traditionellen Nutzungen fortzuführen. Der WWF hilft der lokalen Bevölkerung zusätzlich dabei, alternative Einnahmequellen zu erschließen und Absatz für die lokal hergestellten Fair-Trade-Produkte zu schaffen. Zugleich bietet der Status als Nationalpark Schutz gegen die Anlage industrieller Plantagen.

Mitarbeiter des WWF Indonesien haben sich am 02.07.2011 mit Chief Kasimirus getroffen und ein Gespräch über die Intention seiner Aussagen geführt. Ein Mitschnitt des Gesprächs ist auf wwf.de zu sehen.


Chief Kasimirus sagt über den WWF:
„WWF itu tidak melarang, yang melarang itu masyarakat adat. Saya sudah ulang tiga kali . jadi itu yang bapak sampaikan, bapak juga ini.... melihat situasi yang ada di sini, bahwa belum pernah WWF melarang kita. Wwf belum pernah melarang kita  berburu, tebang kayu... yang larang itu Saya..ketua polisi adat. Aman dan tidaknya ditangan saya. Kalau mau ijin, ijin saya. Itu larangannya gitu.. mungkin karena pengertiannya salah....tanggapan orang Jerman begitu, jadi saya minta mohon maaf.“

„Es ist nicht der WWF, der hier irgendetwas verbietet. Verboten wird das durch die Einheimischen. Der WWF hat uns noch nie verboten zu jagen oder Holz zu fällen. Ich bin das Stammesoberhaupt und damit für die Einhaltung der Stammesgesetze zuständig. Ob Frieden herrscht oder nicht, liegt in meiner Hand. Wer eine Erlaubnis will, bekommt sie bei mir. So ist das mit den Verbotsregeln. Sollte ich mich missverständlich in anderen Interviews ausgedrückt haben, bitte ich um Entschuldigung.“

Das weiter oben wiedergegebene Interview mit unserem WWF-Mitarbeiter Ronny stammt aus einem Film, der im Jahre 2007 erstmals in dem Format „Auslandsreporter“ im SWR-Fernsehen ausgestrahlt wurde. Die Filmemacherin Inge Altemeier beschäftigt sich unter dem Titel „Die Biosprit-Lüge“ mit den Auswirkungen des Expansionsdrangs der Palmölindustrie auf die Wälder Indonesiens.

 

Die Aussagen des WWF-Mitarbeiters wurden fehlerhaft übersetzt. Tatsächlich macht sich Ronny nicht mit der Sache der Plantagenbetreiber gemein, sondern schildert die Problemlage aus der Sicht der von Umsiedlung Betroffenen.


Der WWF Indonesien hat Ronnys Aussage wie folgt rekonstruiert: “They are to be informed, because they are the customary right holders, if they do not know about this, potential conflict among communities could occur. There are groups among communities who are prepared to accommodate the (palm oil expansion) plan, but there are also groups who are saying if I sell my land to the palm oil plantation, where I would go then, how our children and grandchildren’s future, we have to live. They are are more open-minded already. (...)”


Ronny spricht also im Original davon, dass die lokalen Gemeinschaften über die Pläne informiert werden sollten und nicht, dass der WWF sie darüber informiert. Die Aussage ist demnach eine völlig andere, als die im Film suggerierte: der WWF ist keinesfalls eine treibende Kraft im Umsiedlungsprozess. Auch die unserem Mitarbeiter unterstellte Formulierung im letzten Satz drückt keine Bewertung der Einstellung gegenüber den betroffenen Gruppen aus.

Vorwurf: Der WWF vertritt einen nicht partizipativen Ansatz.

Film:
Der WWF und die Regierung sagen, Mensch und Tiger können nicht koexistieren.

Richtigstellung:
Diese Aussage ist falsch, der WWF vertritt eine andere Philosophie. Unsere Devise: Schutz der Natur mit den Menschen. Dies ist belegt durch zahlreiche Projekte. Weitere Informationen gibt u.a. diese Quelle: WWF Report 2006: Species and People: Linked Futures. A report, with case studies, on the contribution of wildlife conservation to rural livelihoods and the Millennium Development Goals.

(Siehe auch Annex 1: Belege für die Zusammenarbeit des WWF mit indigenen Völkern)

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