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TV-Doku im Detail - Thema: Landnutzung

Die aufgeführten Vorwürfe beziehen sich auf die Erstausstrahlung der Doku im Juni 2011.

Vorwürfe:

  • Der WWF hat kein Problem mit Monokulturen, sonst würde er nicht den RTRS  und den RSPO unterstützen. Der WWF ist an Nachhaltigkeit nicht interessiert.

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  • Der WWF empfiehlt die Rodung so genannter „minderwertiger Wälder“.

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  • Der WWF trägt dazu bei, dass die Wälder Borneos zerstört werden.

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  • Der WWF hat in Indonesien mit der Industrie vereinbart, dass auf 9 Millionen Hektar Palmölplantagen entstehen sollen.

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  • Der WWF akzeptiert die großflächige Rodung von vermeintlich minderwertigen Gran Chaco-Savanneflächen, um die Sojaproduktion in den nächsten Jahren zu verdoppeln.  

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© Peter Caton / WWF
© Peter Caton / WWF

Vorwurf: Der WWF hat kein Problem mit Monokulturen, sonst würde er nicht den RTRS und den RSPO unterstützen. Der WWF ist an Nachhaltigkeit nicht interessiert.

Film:
Jorge Rulli: „…Ein Arm, Monsanto, hat in Argentinien sein Produktionsmodell Monokultur auf dem Lande durchgesetzt. Und der andere Arm, der WWF, versucht dieses Modell gesellschaftsfähig zu machen.“

 

Richtigstellung:
Diese Behauptung ist falsch. Der WWF setzt sich dafür ein, landwirtschaftliche Interessen und Ernährungssicherheit mit biologischer Vielfalt, Bodenfruchtbarkeit, Kohlenstoffspeicherung und Wasserschutz in Einklang zu bringen.

 

In vielen südamerikanischen Ländern und in Asien wird Landwirtschaft sehr großflächig betrieben. Je größer eine Monokultur, desto schwieriger wird es, Biodiversität zu erhalten. Hier sind die Runden Tische ein Instrument, um gemeinsam mit der Privatwirtschaft Umwelt- und Naturschutz voran zu treiben.

 

Der runde Tisch für verantwortungsvolles Soja (RTRS) ist eine Multi-Stakeholder-Initiative (Quelle), die mit dem Ziel gegründet wurde, Landnutzungsänderungen und negative soziale Effekte durch die Sojaproduktion zu verhindern. Der RTRS entwickelt dazu einen Standard für eine verantwortungsvollere Sojaproduktion und unterstützt Käufer, Sojaprodukte von zertifizierten Anbietern zu erwerben. Es soll ein Dialog über einen ökonomisch realistischen, sozial gerechten und ökologisch sinnvollen Anbau von Soja weltweit ermöglicht werden. Neben dem WWF sind weitere weltweit aktive Nicht-Regierungsorganisationen am RTRS vertreten, unter anderem The Nature Conservancy (TNC) und Conservation International (CI) (Quelle). Insgesamt hat der RTRS über 100 Mitglieder.

 

Zu den Standards des RTRS gehören unter anderem (Quelle):

  • die sozialen und ökologischen Auswirkungen großer bzw. risikoreicher Infrastruktur werden geprüft und geeignete Maßnahmen ergriffen, um Risiken zu vermeiden bzw. zu minimieren.
  • Umweltverschmutzung durch Abfälle wird minimiert und es findet ein verantwortungsvoller Umgang mit Abfall statt.
  • Es werden Anstrengungen unternommen, auf dem Betrieb Emissionen zu vermindern und die Sequestrierung von Treibhausgasen (THG) zu verstärken.
  • Verantwortungsvolle Ausdehnung der Soja-Flächen
  • Die biologische Vielfalt auf den Ländereien des Betriebes wird durch den Schutz einheimischer Vegetation bewahrt.
  • Natürliche Vegetation um Quellen und entlang von Wasserläufen wird erhalten oder wieder etabliert.

 

Der WWF hat im Jahr 2004 gemeinsam mit Palmöl-Produzenten, Händlern, Verarbeitern und Finanzinstituten auch einen Runden Tisch für Nachhaltiges Palmöl (RSPO) ins Leben gerufen. Dabei handelt es sich um eine freiwillige Initiative mit dem Ziel, die nachhaltige Produktion von Palmöl zu unterstützen. Auch hier sind neben dem WWF weitere namhafte weltweit agierende Nichtregierungsorganisationen unter den über 500 Mitgliedern, unter anderem Fauna & Flora International (FFI), Wetlands International und Oxfam International (Quelle).

 

Um das RSPO-Zertifikat zu erhalten, müssen die Plantagen u.a. die folgenden Kriterien des RSPO erfüllen (Quelle):

  • Die Umwandlung von Primärwäldern und schützenswerten Lebensräumen (sogenannte High Conservation Value Areas - HCV) in Plantagen ist verboten. Hierfür gilt als Stichtag das Jahr 2005. Seither auf Primärwaldflächen angelegte Plantagen können nicht das RSPO-Siegel erhalten.
  • Gefährdete Arten und High Conservation Value Areas, die von Plantagen oder Ölmühlen betroffen sein könnten, müssen erhalten werden.
  • Plantagen auf indigenem Gebiet sind ohne Zustimmung der lokalen Bevölkerung verboten
  • Kinderarbeit ist verboten
  • Der verantwortungsvolle Umgang mit Angestellten und eine angemessene Bezahlung sind Pflicht
  • die Beachtung von Landnutzungsrechten ist Pflicht
  • Streng limitierter Einsatz von ausschließlich definierten Pestiziden, die in der EU zugelassen sind.

 

Die Mitgliedschaft im RSPO reicht nicht aus, um die Nachhaltigkeit eines Unternehmens zu belegen. Dafür muss ein Unternehmen zertifiziertes Palmöl produzieren oder kaufen.

Vorwurf: Der WWF empfiehlt die Rodung so genannter „minderwertiger Wälder“.

Film:
Off: Der WWF unterstützt das Vorhaben, weil die Wälder hier - so der WWF - minderwertig sind und durch menschliche Nutzung degradiert.

 

Richtigstellung:
Für den Fall, dass in einer Region von staatlicher oder privater Seite (nicht vom WWF!) Plantagen geplant werden und sich diese nicht mehr verhindern lassen, verlangt der WWF, dass unbedingt schützenswerte Primär- und Sekundärwälder mit besonders hoher Biodiversität ausgespart bleiben und die Plantagen auf Brachland (degraded land) angelegt werden. Grundvoraussetzung für die Anlage einer neuen Plantage ist die Prüfung der Umwelt- und Sozialverträglichkeit. Der WWF unterstützt dieses Verfahren, um Wälder zu schützen und sie nicht der Rodung preiszugeben.

 

Für die Ausweisung von schützenswerten Gebieten (HCVA) gibt es ein geregeltes Verfahren basierend auf klaren Kriterien: das High Conservation Value Assessment (Quelle).

Illegale Abholzung in Indonesien. © Agung / WWF Indonesia
© Agung / WWF Indonesia

Vorwurf: Der WWF trägt dazu bei, dass die Wälder Borneos zerstört werden

Film:
Nordin, Friends of the Earth: „Der WWF ist mitverantwortlich dafür, dass unsere Wälder abgeholzt werden.“
[…]
„…. Er [der WWF] hat die gleiche Strategie, wie das Unternehmen, das nun mit dem Segen des WWF noch mehr Wälder vernichten darf.“

 

Richtigstellung:
Diese Behauptung ist falsch. Der WWF setzt sich seit Jahren für den Erhalt der Wälder auf Borneo ein und hat im Rahmen seiner Heart of Borneo-Initiative wesentlich dazu beigetragen, dass auf Borneo Wälder in großem Umfang geschützt wurden: Durch Landnutzungsplanung und die Ausweisung von Schutzgebieten. So finanziert er seit sechs Jahren den Schutz und die Entwicklung des Nationalparks Betung Kerihun. Er ist der zweitgrößte Nationalpark auf Borneo und ein bedeutender Lebensraum des Orang-Utan (mehr). Hier finanziert der WWF Patrouillen, um Wilderei auf Orang-Utans und andere Arten zu verhindern. Zusätzlich führt er zwischen den Nationalparks Betung Kerihun und Danau Sentarum Aufforstungen durch, um zwei bisher getrennte Orang-Utan Populationen wieder zusammen zu führen. Im Nationalpark Sebangau rehabilitiert der WWF große Torfmoorwaldflächen, in denen eine der weltweit größten Populationen des Orang-Utans vorkommt. Die Fläche der Nationalparks auf Borneo für deren Schutz sich der WWF aktiv vor Ort einsetzt beträgt über drei Millionen Hektar.

 

Der WWF hat 2005 die Heart of Borneo-Initiative gegründet, Sie brachte die beteiligten Länder Indonesien, Malaysia und Brunei Darussalam zum ersten Mal für den Waldschutz auf Borneo zusammen und führte zu Zusagen für den verbesserten Schutz der Wälder im Hinterland der Insel. Die Fläche des Heart of Borneo Gebietes ist 22 Millionen Hektar groß.

Palmölplantage in Indonesien. © Michael Stuewe / WWF Indonesia
© Michael Stuewe / WWF Indonesia

Vorwurf: Der WWF hat in Indonesien mit der Industrie vereinbart, dass auf 9 Millionen Hektar Palmölplantagen entstehen sollen.

Film:
In Papua sollen auf 9 Millionen Hektar Palmöl-Plantagen entstehen, laut einem Vertrag, den die Industrie mit dem WWF geschlossen hat. Der WWF hat das Land der Papua eigenhändig kartographiert. Er darf mitbestimmen, wo die Plantagen hinkommen.

 

Richtigstellung:
Der WWF hat keinen Vertrag mit der Industrie geschlossen. Alleiniger Entscheidungsträger für die Umsetzung der Landnutzungsplanung ist der indonesische Staat.

 

Der WWF hat aber verschiedene partizipative Kartierungen vorgenommen, an denen indigene Gruppen beteiligt waren. Sie dienen dem Zweck, besonders schützenswerte Gebiete zu identifizieren. Diese Kartierungen wurden in verschiedenen Workshops mit Behörden, Vertretern der indigenen Gruppen, lokalen Verwaltungen, Wissenschaftlern und anderen Teilnehmern abgestimmt. Das ist kein Freibrief für die Rodung derjenigen Flächen, die nicht in dieser Planung enthalten sind.

Sojaanbau in Südamerika. © Peter Caton / WWF
© Peter Caton / WWF

Vorwurf: Der WWF akzeptiert die großflächige Rodung von vermeintlich minderwertigen Gran Chaco-Savanneflächen, um die Sojaproduktion in den nächsten Jahren zu verdoppeln.

Film:
Der Chaco im Norden Argentiniens ist einer der größten Savannenwälder der Erde. Jedenfalls war er es. Über die Hälfte ist schon gerodet. Schon heute ist die Sojawüste in Südamerika so groß wie die Fläche Deutschlands. Eine Verdoppelung ist geplant. Der WWF unterstützt das Vorhaben, weil die Wälder hier - so der WWF – minderwertig sind und durch menschliche Nutzung degradieren. Degradiert? In diesen Wäldern lebten Jaguare, Affen und viele andere Arten. Und Menschen, Menschen, wie die Bauernfamilie Rojas.

 

Richtigstellung:Der WWF unterstützt in keiner Weise die Rodung des Chaco. Das Gegenteil ist richtig: Gemeinsam mit seiner Partnerorganisation Fundación Vida Silvestre Argentina (FVSA) setzt sich der WWF durch die Aufstellung detaillierter Landnutzungs- und Schutzgebietspläne intensiv für den Erhalt dieses bedeutenden Trockenwaldes ein. Für den Fall, dass in einer Region von staatlicher oder privater Seite (nicht vom WWF!) Plantagen geplant werden und sich diese nicht mehr verhindern lassen, verlangt der WWF, dass unbedingt schützenswerte Primär- und Sekundärwälder mit besonders hoher Biodiversität ausgespart bleiben und die Plantagen stattdessen auf Brachland („degraded land“) angelegt werden.

Auch die Aussage, der zufolge der WWF eine Verdoppelung der Sojaanbaufläche (Sojawüste) in Südamerika unterstütze, ist falsch. Wohl geht der WWF davon aus, dass infolge des steigenden Bedarfs von Soja auf den Weltmärkten eine Ausweitung der Anbaufläche erfolgen wird. Er begleitet diese Entwicklung aber mit Sorge und setzt sich in allen betroffenen Ländern, vor allem Argentinien (hier durch die FVSA) und Brasilien dafür ein, dass vorrangig „degraded pasturelands“, also brachliegende, aufgelassene Landwirtschaftsflächen herangezogen werden. Solche brachliegenden ehemaligen Landwirtschaftsflächen stehen in Südamerika in sehr großem Umfang zur Verfügung.

Um die Schutzforderungen untermauern zu können, haben der WWF-Partner FVSA und andere Umweltschutzorganisationen im Jahr 2004 eine umfassende ökologische Bewertung der Region unternommen. Aus dieser Untersuchung ging hervor, dass 49% der gesamten Chaco-Region hochgradig schutzwürdig sind und sich durch eine besonders hohe Artenvielfalt auszeichnen. Diese Kartierung der besonders schutzwürdigen Flächen war jedoch zu keinem Zeitpunkt als eine Einwilligung in die Rodung jener Flächen zu verstehen, die nicht für hochgradig schutzwürdig befunden wurden. Vielmehr stellen solche Erhebungen von schutzwürdigen Flächen weltweit ein anerkanntes und unverzichtbares Instrument zur Ausweisung von Schutzgebietsflächen und zur Vermeidung von unwiederbringlichen Biodiversitätsverlusten dar.

Im Falle des argentinischen Chaco-Gutachtens ging es darüber hinaus auch darum, die Forderungen nach einem verbesserten Waldgesetz mit neuen wissenschaftlichen Argumenten zu untermauern – mit Erfolg: Im Jahr 2007 wurde auch aufgrund des Drucks der WWF-Partnerorganisation FVSA ein neues Waldgesetz verabschiedet, wonach nun in jeder argentinischen Provinz Waldflächen kartiert und nach ihrer Schutzwürdigkeit kategorisiert werden müssen, was den strengen Schutz vieler Wälder ohne jegliche wirtschaftliche Nutzung verbindlich macht.

Um der Umsetzung der neuen Waldgesetzgebung Nachdruck zu verleihen, haben die FVSA, Greenpeace Argentinien und FARN in 2008 eine formale Beschwerde gegen die Regierung der Provinz Salta beim Obersten Gericht eingereicht, um die Praxis der Erteilung von Entwaldungsrechten überprüfen zu lassen.

In einem Schreiben vom 10. April 2012 bedankt sich der Geschäftsführer von Greenpeace Argentinien für die vertrauensvolle Zusammenarbeit mit der WWF-Partnerorganisation FVSA und lobt die gemeinsamen Anstrengungen: „Hiermit drücken wir unsere Unterstützung und unseren Dank gegenüber der Fundación Vida Silvestre Argentina für die wichtige  gemeinsame Arbeit aus, die wir in den vergangenen Jahren zum Schutz der natürlichen Wälder Argentiniens im  Kampf gegen ein Fortschreiten der Entwaldung  umsetzen konnten. (…) Der zurückgelegte Weg war schwierig und alle beteiligten Organisationen waren der Kritik aus verschiedenen Sektoren ausgesetzt. Wir wurden sowohl unbegründet beschuldigt, gemeinsam mit der Privatwirtschaft die Entwaldung voranzutreiben, als auch umgekehrt, die wirtschaftliche Entwicklung unseres Landes zu behindern. Von dem Moment an, als sich etwa eineinhalb Millionen Argentinier den Forderungen unserer Organisationen anschlossen, wurde uns bewusst, dass sich diese Anstrengung lohnt“.

Desweiteren wird die Behauptung, über die Hälfte des Chaco im Norden Argentiniens sei bereits gerodet, durch die dem WWF vorliegenden Informationen nicht gestützt. Nach einer Veröffentlichung von Brown et al. (2006) waren im Jahr 2005 in den beiden ökologisch zu unterscheidenden Chaco-Regionen jeweils 29,2% (Chaco Humedo – Feuchter Chaco) bzw. 9,9% (Chaco Seco – Trockener Chaco) der Fläche gerodet.

Ein offizieller Wert für den aktuellen Zeitpunkt liegt dem WWF nicht vor. Es gibt jedoch klare Anhaltspunkte dafür, dass seit 2005 bis heute keine Verdopplung der entwaldeten Fläche stattgefunden hat: Gemäß der nationalen Waldinventur Argentiniens lag die Entwaldungsrate in den Chaco-Provinzen Nord-Argentiniens zwischen 2000 und 2006 bei 1,35%. Schreibt man diesen Wert für den Zeitraum 2005 bis 2011 fort, so ergäbe sich für diese sechs Jahre eine zusätzliche Entwaldung von 6 x 1,35% = 8,1% gegenüber dem Jahr 2005. Die Entwaldung erreichte danach zwar eine besorgniserregende Dimension, bliebe aber weit unter den im Film behaupteten mehr als 50%.
   
Als ein weiteres deutliches Indiz hierfür können auch die in der o.g. Studie für hochgradig schutzwürdig befundenen 49% Flächenanteile herangezogen werden. Ergänzt man diese hochgradig schutzwürdigen Ökosysteme um die weniger schutzwürdigen, aber dennoch bewaldeten Flächenanteile, die erheblich über 2% liegen, ergibt sich ein bewaldeter Flächenanteil von deutlich über 50%. Die Aussage „über die Hälfte ist schon gerodet“, wird durch diese Daten widerlegt.

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