Content Section

TV-Doku im Detail - Thema: Tourismus

Indischer Tiger. © Joerg Edelmann / WWF
Indischer Tiger. © Joerg Edelmann / WWF

Die aufgeführten Vorwürfe beziehen sich auf die Erstausstrahlung der Doku im Juni 2011.

Vorwurf: Der WWF unterstützt schädlichen Ökotourismus, der zwar viel Geld für den Tigerschutz bringt, aber die Tiger stört und die Wälder zerstört.

Film:
Wir fahren ins Reservat Kanha. In der Jungle-Lodge treffen wir auf eine WWF-Reisegruppe mit exklusivem Programm „Wildes Indien“. Aufbruch zur Tiger-Safari. Die Reiseleitung verspricht, „bei uns bekommen sie einen der letzten lebenden Tiger zu Gesicht“. Dafür hat jeder beim WWF-Reisebüro „Natural Habitat“ 10.000 US-Dollar hingelegt.
[…]
Ein Tiger wurde geortet, meldet der Reiseleiter. Der Wettlauf beginnt. Nur wer zuerst kommt, hat die Chance beim Tiger in der ersten Reihe zu sitzen. 155 Jeeps verschiedener Anbieter sind für die Rallye zugelassen. Sie durchpflügen die Kernzone des Tigerreservats, jeden Tag, acht Stunden lang.
[…]
Vasudha ist Tierfotografin und lebt alleine am Rande eines Tigerreservats. Sie glaubt, der Tiger-Rummel des WWF richtet mehr Schaden an, als dass er nutzt.
Vasudha Chakravarthi: Ich lebe seit vier Jahren hier und hatte in der Zeit sieben direkte Begegnungen mit einem Tiger. Ich habe sie dabei nie bedrängt oder gestört. Aber der Tiger-Tourismus bringt eine Menge Abgase und Lärm in die Schutzgebiete. Was meinen Sie, wie sich ein Tiger fühlt, der von Jeeps umstellt wird? Nur weil ihr die Macht und das Geld habt, könnt ihr mit dem Jeep mitten in die Tiger-Schutzzonen hineinfahren. Im Namen des Öko-Tourismus wird der ursprüngliche Wald zerstört.

 

Richtigstellung:
Die Behauptung, der durch den WWF unterstützte Tourismus zerstöre Wälder, ist falsch.

 

Der Tourismus ist eine wichtige Einnahmequelle für die lokale Bevölkerung und sichert die Wälder zusätzlich. Der WWF setzt sich dafür ein, dass es streng geschützte Kernzonen ohne Betretungsrechte, eine Limitierung der Fahrzeuge und der Anzahl der Besucher pro Tag, sowie den Rückfluss eines Teils der Gelder in den Tigerschutz und die lokalen Gemeinschaften gibt. Dies wird im gezeigten Nationalpark auch eingehalten, zumal der Wald offensichtlich noch erhalten ist und die Tigerbestände stabil sind.

 

Da in indischen Nationalparks seit Jahren keine Jagd mehr stattfindet, haben die Tiere wenig Scheu und lassen sich von Menschen kaum stören. Die Größe des Kanha Tiger Reserve beträgt 1.940 km², was etwa der 2,2 fachen Flächengröße des Landes Berlin entspricht (Berlin ca. 900km²). Die dort lebende Tigerpopulation besteht aus ca. 100 Individuen (Quelle). Die Störung durch Jeeps und Ökotouristen ist daher gesamtökologisch betrachtet marginal.

 

Tourismus kann den Erhalt der Tiger unterstützen und zu einer positiven Einstellung der Anrainer gegenüber dem Naturschutz beitragen. Dies ist auch für Indien wissenschaftlich belegt (Quelle).

Weiterlesen

Haben Sie Fragen?

  • Facebook
  • Twitter
  • Google Plus
  • Pinterest
  • drucken