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Amur-Region: Kalte Urwälder mit Tigern

Zwei Klimazonen sorgen für üppige Artenvielfalt

Vom Amur-Strom durchflossen erstreckt sich die gleichnamige Region im Fernen Osten Russlands, in der Ostmongolei und im Nordosten Chinas über rund 2,1 Millionen Quadratkilometer – das ist mehr als die fünffache Fläche Deutschlands. Dort treffen Tiere und Pflanzen der subarktischen Taiga auf solche der temperierten Klimazone. So entstanden riesige und üppige Laubmischwälder mit bis zu 400 verschiedenen Baumarten – und einer spektakulären Tierwelt.

Sibirische Tiger. © Pavel Fomenko / WWF
© Pavel Fomenko / WWF

Erfolge:

• Seit 1993 engagiert sich der WWF in der Amur-Region für den Erhalt der biologischen Vielfalt. Seitdem konnten bereits rund 4,5 Millionen Hektar wertvoller Lebensraum im russischen Teil unter Schutz gestellt werden. Damit erhöhte sich die gesamte Schutzgebietsfläche im russischen Fernen Osten auf rund zwölf Millionen Hektar, einer Fläche so groß wie Österreich und Tschechien zusammen. Zusätzliche 500.000 Hektar stehen kurz vor der Ausweisung und weitere 4,6 Millionen Hektar sollen bis 2020 dazukommen. 

Endlose Wälder in der Amur-Region. © Frank Mörschel / WWF
© Frank Mörschel / WWF
  • Darüber hinaus sind inzwischen bereits fünf Millionen Hektar Wald FSC-zertifiziert. Bis Mitte 2014 sollen weitere drei Millionen Hektar im russischen und eine Millionen Hektar im chinesischen Teil der Amur-Region dazukommen und so dem Zugriff der Holz-Mafia entzogen sein.
  • Ein vom WWF unterstützter Stab mutiger Wildhüter hat den Bestand an etwa 450 verbliebenen Amur-Tigern und 35 Amur-Leoparden seit rund 15 Jahren stabil gehalten. Die Wilderei ging zurück – nicht nur auf Tiger, sondern auch auf dessen Beutetiere wie Wildschweine, Rehe, Sikahirsche und Rothirsche. Bei der letzten Tiger-Zählung konnte sogar ein leichter Anstieg des Bestandes nachgewiesen werden.
  • Nach einem Treffen des Geschäftsführers von WWF Russland, Dr. Igor Chestin, mit dem russischen Vize-Premierminister Sergei Ivanov und Vertretern des Ministeriums für natürliche Ressourcen wurde der Weg frei gemacht für ein Leoparden-Schutzgebiet. Der Plan für die Einrichtung eines Nationalparks „Leoparden-Land“ fand die Zustimmung der russischen föderalen Regierung. Mit zusätzlichen 100.000 Hektar soll entlang der russisch chinesischen Grenze ein fast 300.000 Hektar großes einheitliches Schutzgebiet entstehen, das den Ausgangspunkt für einen grenzübergreifenden Korridor bilden soll. Die Zahl der Ranger wurde inzwischen schon auf 35 personen erhöht.
  • Im Einzugsgebiet des Bikin-Flusses – etwa 1,3 Millionen Hektar weit und damit fast so groß wie Schleswig-Holstein – konnte der WWF in Zusammenarbeit mit der indigenen Bevölkerung der Udege ein Einschlagsmoratorium durchsetzen. Der Oberlauf des Bikin wurde 1998 sogar zu einem regionalen Schutzgebiet erklärt. Trotzdem versuchen immer wieder Firmen, hier Einschlagskonzessionen zu bekommen. Der WWF half den Udege jedes Mal, ihre Rechte zu wahren und die Tigerwälder zu erhalten. Zuletzt konnte im Juli 2011 der Versuch einer russischen Firma engültig abgwendet werden, diese Wälder für den Holzeinschlag zu pachten.
  • 2009 pachtete der WWF mit den Udege 461.154 Hektar Urwald um den mittleren Bikin-Fluss. Das entspricht knapp der doppelten Größe des Saarlandes. Diese Tigerwälder sind nun für die nächsten 49 Jahre gesichert.
  • Dort sind die Samen der Koreanischen Kiefer – auch „Nüsse“ genannt – eine wichtige Nahrungsquelle für Tiere und Menschen. Der WWF fördert daher die nachhaltige Nutzung  dieser „Nüsse“ und anderer Waldprodukte und unterstützt regionale Betriebe, diese Naturprodukte eines Tages auf dem internationalen Markt zu vertreiben. 
  • Um Waldbränden vorzubeugen, wurden Bauern geschult, natürliche Waldbrandbarrieren um ihre Felder anzulegen. Diese bestehen aus feuerresistenten Baumarten wie Lärchen oder speziellen Kiefern, die um die Felder gepflanzt werden. 
  • Da die Bikin-Urwälder sehr viel Biomasse und damit Kohlenstoff binden, haben sie eine wichtige Schutzfunktion für das Klima. Daher konnte der WWF Deutschland die finanzielle Unterstützung der internationalen Klimaschutzinitiative (IKI) des deutschen Umweltministeriums für seine Waldschutzprojekte in Russlands Fernem Osten gewinnen.

 

Die durch das Waldschutzprojekt vermiedenen CO2-Emissionen sind inszwischen berechnet worden und ab Mitte 2012 sollen erste Erlöse aus dem Verkauf von Kohlenstoffzertifikaten erzielt werden. Diese Erlöse sollen zum einen der lokalen indigenen Bevölkerung zu Gute kommen und zum anderen den zukünftigen Schutz der Bikin-Wälder mitfinanzieren.

 

Das Bikin-Projekt ist zugleich seit Juli 2011 Gegenstand eines informellen Abkommens zwischen dem deutschen Umweltministerium und dem russischen Ministerium für wirtschaftliche Entwicklung. Es gilt als so genanntes„Leuchtturmprojekt“ und soll beispielhaft zeigen, wie Wald- und Klimaschutz in der russischen Föderation kombiniert und finanziert werden können.

Gefahren:

  • Durch die wachsende Bevölkerung vor allem in den chinesischen Provinzen der Amur-Region wird der Naturraum zunehmend durch neue Siedlungen, Straßen und Ackerflächen zerschnitten. Im Zuge der Erschließung kommt es zu großen Waldbränden. Lebensräume vieler Tier- und Pflanzenarten schrumpfen somit zu voneinander isolierten „Inseln“.
  • Die russische Holzindustrie rodet immer rücksichtsloser große zusammenhängende Urwaldflächen. Vor allem in China wächst die Nachfrage nach frischem Holz für Billigprodukte wie Streichhölzer und Essstäbchen.
  • Die Nachfrage nach Tigern bleibt hoch. Es sind nicht nur die Anhänger einer vermeintlich traditionellen asiatischen Medizin, die Tigerteilen medizinische Wirkungen zuschreiben. Es sind inzwischen immer mehr reiche Russen im eigenen Land, denen ein Fell des seltenen Amur-Tigers als Prestigeobjekt dient.

Ziel:

Den Großteil der Amur-Wälder mit ihrer Artenvielfalt dauerhaft zu sichern. Der Amur soll weiterhin ein durch Dammbauten unbehinderter Fluss bleiben. Bis 2020 wollen wir erreichen, dass die Populationen des Amur-Tigers und des Amur-Leoparden um 20 Prozent beziehungsweise um mindestens 50 Prozent anwachsen. Dafür sind weiträumige ungestörte Waldökosysteme mit genügend Beutetieren die Voraussetzung.

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Hilfe für Leoparden und Tiger

   
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