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TV-Doku im Detail - Thema Zertifizierung

Die aufgeführten Vorwürfe beziehen sich auf die Erstausstrahlung der Doku im Juni 2011.

Vorwürfe:

  • Der WWF akzeptiert, dass in einer vermeintlich als nachhaltig zertifizierten Plantage, der Verbleib von nur 0,5% Naturwald (in diesem Fall 80 ha) ausreichen könnte.

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  • Der WWF hat mit Palmölunternehmen Partnerschaftsverträge geschlossen und nimmt von ihnen Geld, obwohl diese Industrie für Waldvernichtung und Monokulturen steht.

    Richtigstellung >>

Zum Vergrößern bitte clicken! © WWF
© WWFLupe

Vorwurf: Der WWF akzeptiert, dass in einer vermeintlich als nachhaltig zertifizierten Plantage der Verbleib von nur 0,5% Naturwald (in diesem Fall 80 ha) ausreichen könnte.

Film 
Eine andere Plantage. Hier hat der WWF durchgesetzt, dass der Konzern nicht den ganzen Wald abhackt. 80 Hektar sind stehengeblieben, 80 von 14.500. Mitten auf der Palmöl-Baustelle finden wir den Restwald. In 20 Minuten kann man den WWF-Wald durchwandern. Vorher war hier ein bedeutendes Orang-Utan-Habitat.

 

Richtigstellung
Dem WDR ist gerichtlich untersagt, die oben genannte Aussage in Bezug auf den WWF zu veröffentlichen/zu verbreiten bzw. veröffentlichen/verbreiten zu lassen.

Nordin (Interviewpartner) steht vor einem Schild der Plantage Rimba Harapan Sakti, die noch nicht als nachhaltig zertifiziert wurde. Der WWF behauptet nicht, dass die Plantage nachhaltig ist. Für diese Plantage wurde ein detailliertes High Conservation Value Assessment (HCVA) Konzept gemeinsam mit dem WWF erarbeitet. Aktuelle Satellitenbilder beweisen, dass der Umfang des verbliebenen Waldes bei mehr als 4.000 ha und damit deutlich über den im Film behaupteten 80 ha liegt (siehe Annex 4: Beleg für einen deutlich größeren Restwald auf der Plantage PT Rimba Harapan).

 

Die Plantage PT Rimba Harapan Sakti ist noch nicht im Prozess der Zertifizierung nach den Kriterien des Round Table on Sustainable Palmoil (RSPO). Voraussetzung für eine erfolgreiche  Zertifizierung ist zusätzlich zu den unter Punkt 6 genannten Kriterien außerdem, dass auf der Plantage eine Ölmühle existiert. Dies ist nicht der Fall.

Die Ölpalmen benötigen etwa fünf Jahre bis sie Früchte tragen. Wilmar hat dem RSPO mitgeteilt, dass sie bis 2015 auch die Plantage Rimba Harapan Satki zertifizieren lassen wollen. Voraussetzung hierfür wäre jedoch, dass nach dem durch RSPO vorgegebenen Zeitpunkt 2005 kein Primärwald oder andere nach HCVA-Kriterien schützenswerte Ökosysteme umgewandelt wurden. Nach HCVA-Kriterien kann auch Sekundärwald als wertvoll eingestuft werden. Die Kriterien sind:

  • Signifikante Konzentration an Biodiversität
  • Große natürliche Naturlandschaften, z.B.: Wälder
  • Seltene, oder (stark) bedrohte Ökosysteme
  • Sicherung von Ökosystemdienstleistungen wie etwa Wasserkreisläufe
  • Sicherung von Gebieten, die die Lebensgrundlage für lokale Gemeinschaften sichern, z.B. zur Eigenversorgung mit Nahrung
  • Sicherung von kulturellem Erbe, z.B. mit religiöser Bedeutung

 

Einzelheiten zur Plantage: Die Gesamtgröße beträgt 13.790 ha. Davon sind nach Angaben von Wilmar 4961 ha (= 36 %) als besonders schützenswertes Gebiet vorgesehen. Die Plantage wurde im Jahr 2009 angelegt, nach Aussagen von Wilmar sind 6.901 ha bepflanzt. Geerntet wird in der Plantage noch nicht, daher gibt es auch noch keine Ölmühle.Bevor die Fläche in Nutzung genommen wurde, wurde ein HCVA Assessment durchgeführt. Der WWF hat 2007 eine Vor-untersuchung vorgenommen. Das HCV Assessment wurde von unabhängigen Dritten durchgeführt (Malaysian Environmental Consulting Group (MEC)).Ergebnis ist, dass über die bereits vorhandenen besonders schützenswerten Flächen hinaus weitere Flächen aus der Nutzung genommen werden, so dass Korridore und Wanderwege u.a. für Orang Utans erhalten bleiben bzw. neu angelegt werden. Die Plantage hat diese Vorschläge in die Managementpläne aufgenommen.    Der RSPO stellt auf seiner Website ausführliche Zusammenfassungen der Zertifizierungsstelle vor Ort für die Öffentlichkeit zur Verfügung . Auch Zertifizierungsberichte von Wilmar-Plantagen, zum Beispiel vom TÜV Rheinland, sind abrufbar .  Vor einer Zertifizierung bzw. vor der Durchführung des Audits wird das Audit in Bahasa und in Englisch angekündigt . Es werden alle Stakeholder um Feedback oder ggf. Einspruch gegen die Zertifizierung gebeten werden. Dieser kann auch anonym erfolgen. Hier ein Beispiel.

Palmölplantage. © Desmarita Murni / WWF Indonesia
© Desmarita Murni / WWF Indonesia

Vorwurf: Der WWF hat mit Palmölunternehmen Partnerschaftsverträge geschlossen und nimmt von ihnen Geld, obwohl diese Industrie für Waldvernichtung und Monokulturen steht.

Film 
Off: Aber das hier ist die Wirklichkeit außerhalb der wenigen geschützten Parks. Regenwälder verschwinden, um Palmöl-Plantagen Platz zu machen. Verantwortlich dafür ist hier, in Zentral Kalimantan, der multinationale Konzern Wilmar, mit Sitz in Singapur. Der WWF hat mit diesem Konzern einen Vertrag geschlossen
[…]
Diese Plantage wird gerade als nachhaltig zertifiziert und zwar mit dem Gütesiegel des Runden Tisches für nachhaltiges Palmöl. In dieser Organisation arbeiten über 400 Unternehmen der Palmölbranche und der WWF zusammen.

 

Richtigstellung:
Wilmar ist einer der größten Palmölproduzenten der Welt. Der  WWF hat daher ein großes Interesse daran, den ökologischen Fußabdruck dieses Unternehmens zu verringern. Zu diesem Zweck hat der WWF Indonesien den Konzern beginnend im Jahr 2007 zwei Jahre lang beraten, wie Palmöl nachhaltiger angebaut werden kann. Der WWF hat von Wilmar jedoch niemals Honorare entgegengenommen, schon gar nicht für das behauptete „Grünwaschen einer zerstörerischen Produktion“. Aktuell gibt es überhaupt keine Kooperation mit Wilmar.

Richtig ist, dass der WWF gemeinsam mit Unternehmen des Palmölsektors, Lebensmittelkonzernen und Banken im Jahr 2004 den Roundtable on Sustainable Palm Oil (RSPO) ins Leben gerufen hat. Ziel des RSPO ist es, alle relevanten Akteure an einen Tisch zu bringen und die Produktion von Palmöl nachhaltiger zu gestalten. Der RSPO ist als freiwilliges System ein Teil der Lösung, aber kein Allheilmittel. Er allein kann die Entwaldung in den Tropen nicht stoppen, sondern muss durch die richtigen Gesetzgebungen, Landnutzungskonzepte und die Ausweisung von Schutzgebieten gestützt werden.

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