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EDEKA und Palmöl

© WWF / EDEKA
© WWF / EDEKA

Etwa jedes zweite Supermarktprodukt enthält Palmöl. Doch mit dem Einkauf von Margarine, Schokolade oder Duschgel entscheiden wir auch über das Schicksal bedrohter Arten wie Orang-Utan oder Tiger – und des Regenwaldes. In der Partnerschaft mit dem WWF ist Palmöl daher ebenfalls ein wichtiges Thema.

Palmöl ist das weltweit wichtigste Pflanzenöl. Denn Palmöl ist vergleichsweise billig, vielseitig verwendbar, frei von schädlichen Transfettsäuren und oft herstellungstechnisch bedingt schwer zu ersetzen. Ob Margarine, Schokolade, Kekse, Chips, Fertiggericht, Hautcreme, Seife, Sonnenmilch, Duschgel, Shampoo oder Waschmittel – etwa jedes zweite Supermarktprodukt enthält Palmöl.

Die Beliebtheit von Palmöl macht es zum Problem: Für Palmölplantagen werden großflächig tropische Wälder gerodet. Die Plantagen bedecken inzwischen rund siebzehn Millionen Hektar Fläche. Das ist fast die Hälfte der Bundesrepublik Deutschland. In Indonesien, neben Malaysia eines der Hauptanbauländer, hat sich die Fläche für Ölpalmen seit 1990 verzehnfacht.

Palmöl Monokulturen rauben Orang-Utans den Lebensraum © naturepl.com / Anup Shah / WWF
Palmöl Monokulturen rauben Orang-Utans den Lebensraum © naturepl.com / Anup Shah / WWF

Die riesigen Monokulturen bedrohen die biologische Vielfalt und rauben Arten wie Orang-Utans und Tigern den Lebensraum – immer wieder auch mit illegaler Landnahme verbunden. Insbesondere Regenwälder auf Torfmoorböden, die vor allem in Indonesien vorkommen, sind gigantische Kohlenstoffspeicher. Werden sie bei der Errichtung von Palmölplantagen trockengelegt, setzt dies enorme Mengen an Treibhausgasen frei. Indonesien ist auch durch die Zerstörung seiner Regenwälder mittlerweile zum drittgrößten Treibhausgas-Emittenten der Erde geworden.

Palmöl ist grundsätzlich kein „schlechtes“ Öl. Mit ihm kann auf vergleichsweise geringer Fläche ein großer Teil des weltweiten Bedarfs an Pflanzenölen gedeckt werden. So benötigt beispielsweise Soja rund 8mal so viel Fläche für eine Tonne Öl wie die Ölpalme. Aber der Anbau von Palmöl muss anders werden – nämlich ökologisch, ökonomisch und sozial verträglich. Davon sind die meisten Produzenten von Palmöl noch weit entfernt. Wenigstens einen Mindeststandard für den Anbau von Palmöl bietet der Runde Tisch für Palmöl (RSPO), an dem der WWF mitarbeitet. Die notwendige Verbesserung des bestehenden Standards mahnt der WWF Deutschland in entscheidenden Punkten immer wieder deutlich an.

EDEKA UND DER WWF

EDEKA verwendet in seinen Eigenmarken bereits ausschließlich zertifiziertes Palmöl. Bis 2017 wird Edeka das Niveau in Richtung physische Lieferketten weiter entwickeln. Bei Palmkernöl wird ebenfalls wo immer möglich auf segregierte Ware zurückgegriffen. Palmöl, das chemisch verändert wird (Derivate und Fraktionen) wird im Massen-Bilanz Modell genutzt, das heißt, es wir zertifizierte Ware mit nicht-zertifizierter gemischt.

EDEKA teilt die Einschätzung des WWF, dass der RSPO ein Standard ist, der weiterentwickelt werden muss. EDEKA setzt sich dafür ein, dass auch Punkte, die noch nicht oder noch nicht ausreichend berücksichtigt sind, geregelt werden – wie zum Beispiel das Verbot des Anbaus auf Torfböden, das Verbot bestimmter hochgefährlicher Pestizide sowie die Reduzierung von Treibhausgasemissionen. Der WWF und EDEKA diskutieren im Austausch mit anderen Marktteilnehmer im Forum für Nachhaltiges Palmöl daher die weitere Vorgehensweise bezüglich einer möglichen Umsetzung von eben diesen Punkten, die im Rahmen der Überarbeitung der RSPO-Prinzipien und -Kriterien nicht berücksichtigt wurden.

Interview mit Ilka Petersen, Palmölexpertin beim WWF

Ilka Petersen © WWF
Ilka Petersen © WWF

Warum empfiehlt der WWF Partner EDEKA nicht, ganz auf Palmöl zu verzichten? Es gibt doch genug andere pflanzliche Fette?

Weil wir damit das Problem leider nicht lösen, sondern nur verschieben - oder sogar verschlimmern. Das gilt insbesondere dann, wenn Palmöl durch Soja- oder Kokosöl ersetzt wird. Es würde mehr Fläche benötigt, es entstünden mehr Treibhausgasemissionen und es wären sogar mehr Arten bedroht als bisher. 

 

Wir haben in einer neuen Studie auch berechnet, was passieren würde, wenn wir den deutschen Palmölbedarf nur durch heimische Pflanzenöle deckten. Dafür müsste die Anbaufläche in Deutschland um 730.000  Hektar ausgeweitet werden. Das entspräche der doppelten Größe Mallorcas. Auch bei diesem Ansatz würden mehr Treibhausgase freigesetzt. Global betrachtet könnten jedoch positive Effekte für die Biodiversität erwartet werden. Hierzulande sind allerdings – jenseits der Flächenproblematik – negative Auswirkungen für Fauna und Flora zu befürchten.

 

Es führt daher kein Weg daran vorbei, den Anbau von Palmöl und allen anderen Ölpflanzen umwelt- und sozialverträglicher zu gestalten. Daran arbeiten wir mit dem EDEKA-Verbund. 

 

Gleichzeitig müssen wir unseren Bedarf senken: Es könnten rund 50 Prozent des deutschen Palmölverbrauchs eingespart werden, wenn auf Palmöl als Biokraftstoff verzichtet und ein bewussterer Verbrauch von Konsumgütern wie Schokolade, Süß- und Knabberwaren, Fertiggerichten und Fleisch etabliert würde. 

 

EDEKA stellt derzeit Palmöl, Palmkernöl und deren Derivate in Eigenmarkenprodukten sukzessive auf zertifiziertes Palmöl um. Ist das dann das Ende der Fahnenstange?

Nein. Erstmal gibt es verschiedene Liefermodelle von zertifiziertem Palmöl und da steigt EDEKA immer mehr auf physische Lieferung um, statt beispielsweise Zertifikate zu kaufen. Darüber hinaus setzt sich EDEKA zum Beispiel auch über das Forum Nachhaltiges Palmöl – kurz FONAP – dafür ein, dass existierende Standards wie der RSPO verschärft werden. 

 

Was heißt das konkret?

Wichtige Punkte sind hier insbesondere die Durchsetzung eines Umwandlungsverbotes von Torfböden, ein Verwendungsstopp für hochgefährliche Pflanzenschutzmittel, strenge Reduktionsziele für Treibhausgase und die Rückverfolgbarkeit bis zur Ölmühle, am besten bis zur Plantage. EDEKA versucht zum Beispiel mehr Transparenz und Rückverfolgbarkeit in die Palmöl-Lieferketten zu bekommen und das Palmöl bis auf die Mühle oder Plantage zurückzuverfolgen. Das klingt einfach, ist es jedoch bisher leider nicht. Diese Transparenz ist aber zum Beispiel eine Voraussetzung dafür, dass man kritische Lieferanten und Produzenten auch ausschließen kann. 

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