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Stand: 27.07.2017

EDEKA und Soja

© WWF / EDEKA
© WWF / EDEKA

Soja ist ein hochwertiger Eiweißlieferant, auch für deutsche Futtertröge. Für Fleisch-, Milch-, und Eiprodukte hierzulande wird andernorts in Monokulturen großflächig Soja angebaut – mit weitreichenden negativen Folgen für Mensch und Umwelt. Daher geht es in der Partnerschaft von WWF und EDEKA auch um Wege zur Reduzierung des Einsatzes von Import-Soja durch die vermehrte Verwendung heimischer Futtermittel und um die Verbesserung der bestehenden Sojaproduktion.

Tofu, Sojamilch und Sojasauce – diese Produkte fallen Verbrauchern beim Stichwort Soja zuerst ein. Nicht mit auf der Liste sind häufig Fleisch, Milchprodukte oder Eier. Dabei werden rund 80 Prozent der begehrten Bohne zu Schrot verarbeitet. Dieses landet anschließend als Eiweißquelle auch in deutschen Futtertrögen. Der Bedarf ist enorm: In Deutschland wurden im Jahr 2010 4,5 Millionen Tonnen Sojaschrot in der Nutztierfütterung eingesetzt.

Soja © Agrarfoto
Soja © Agrarfoto

Soja wird in Deutschland bzw. Europa kaum angebaut. Das meiste wird importieret. Über 80 Prozent des nach Deutschland importierten Sojas stammt aus Südamerika. Dort wird Soja zum großen Teil in agrarindustriellen Monokulturen konventionell angebaut. Wälder und Savannen müssen ihnen entweder direkt weichen. Oder die Monokulturen verdrängen andere angestammte Agrarformen wie Viehzucht oder Äcker von Kleinbauern in eben solche Gebiete. In dem artenarmen Lebensraum einer Soja-Monokultur breiten sich Insekten und Krankheitserreger schnell aus. Um den daraus entstehenden Krankheits- und Unkrautdruck zu bekämpfen, sind immer neue und höhere Dosen an Pestiziden notwendig. So folgen der Abholzung für neue Sojafelder weitere Umweltprobleme: Der Anbau in Monokulturen führt zu Bodendegradation, Artenverarmung und Gewässerverschmutzung. 

In Lateinamerika stammen über zwei Drittel der Bohnen von so genannten transgenen, also gentechnisch veränderten Pflanzen. Mit der Einführung von Roundup Ready-Soja kann das Totalherbizid beim Anbau von Soja eingesetzt werden, da die Sojabohne gentechnisch verändert wurde und somit resistent gegen Glyphosat ist. Dieses sogenannte GVO-Soja wird dann auch in Ländern der EU als Sojaschrot an Nutztiere verfüttert, obwohl hier der Anbau von sogenanntem GVO-Soja selbst verboten ist. Ein Großteil der deutschen Nutztiere wird mit GVO Sojaerzeugnissen gefüttert. Produkte von Tieren, die mit gentechnisch veränderten Futtermitteln gefüttert wurden, müssen nicht gekennzeichnet werden.

EDEKA UND DER WWF

Im Rahmen der Partnerschaft mit EDEKA sieht der WWF Deutschland eine Chance, auch im Bereich Sojaproduktion und Sojaverbrauch positive Veränderungen im deutschen Lebensmittelmarkt anzustoßen. Aus Sicht des WWF gilt: Je weniger Übersee-Soja Deutschland importiert, desto besser, da sich damit zum Beispiel der Druck auf die durch Sojaanbau gefährdeten Gebiete reduziert. 

Die Ziele von EDEKA

EDEKA stellt beim Einsatz von Futtermitteln in der Schweine-, Rinder- und Geflügelernährung auf heimische bzw. europäische Futtermittel  oder nachhaltigeres, gentechnikfreies, zertifiziertes Soja um (RTRS+GVO frei, Soja nach „ProTerra“-Richtlinien, Donau Soja, Europe Soya). Weiterhin setzt sich EDEKA mit Nachdruck für den Erhalt des bisher Erreichten ein (z.B. Startprojekte, Arbeit mit einzelnen Lieferanten).

 

Im Rahmen von Pilot-/Startprojekten erprobt EDEKA bis Ende 2018 mit Lieferanten von Eiern und Hähnchen die Verfütterung von heimischen Körnerleguminosen wie Erbsen, Ackerbohnen und Lupinen. EDEKA führt drei weitere Startprojekte mit nachhaltigerer Fütterung durch entsprechend der genannten Positionierung. Ziel ist, daraus Produkte ab 1.1.2019 bei EDEKA bzw. Netto Marken-Discount zu verkaufen.

 

Im Teilsegment „Weiße Linie“ will EDEKA für die Eigenmarken bis 30. Juni 2018 zur Erzeugung von 60% der Artikelmenge in der Milchviehfütterung auf den Einsatz von Sojakomponenten verzichten oder auf nachhaltigeres, gentechnikfreies, zertifiziertes Soja (RTRS+GVO frei, Soja nach „ProTerra“-Richtlinien, Donausoja) umstellen. Bis 30. Juni 2019 will EDEKA den genannten Anteil auf 75%, bis 30. Juni 2020 auf 85% erhöhen.

 

Im Teilsegment „Gelbe Linie“ will EDEKA für die Eigenmarken-Artikel von Lieferanten bzw. Molkereien, die überwiegend Milch aus Deutschland, Österreich und der Schweiz verarbeiten, bis 30. Juni 2019 zur Erzeugung von 25% der Artikelmenge in der Milchviehfütterung auf den Einsatz von Sojakomponenten verzichten oder auf nachhaltigeres, gentechnikfreies, zertifiziertes Soja (RTRS+GVO frei, Soja nach „ProTerra“-Richtlinien, Donausoja) umstellen. Bis 30. Juni 2020 verfolgt EDEKA eine schrittweise Erhöhung des genannten Anteils auf 50%, bis 30. Juni 2021 auf 75%.

 

Um die Futterumstellung bei Eigenmarken-Artikeln der Lieferanten bzw. Molkereien voranzutreiben, die überwiegend Milch von außerhalb Deutschlands, Österreichs und der Schweiz verarbeiten, spricht EDEKA kontinuierlich betreffende Lieferanten an.

 

Im Teilsegment Fleisch/Wurst erarbeitet EDEKA unterstützt durch den WWF bis 2018 ein Konzept, wie eine schrittweise Umstellung auf nachhaltigere Fütterung erfolgen kann. Auf dieser Basis wird gemeinsam erarbeitet, bis wann eine vollständige Umstellung im Eigenmarken-Bereich erfolgen kann.

 

Für die Erarbeitung des Konzepts führt EDEKA unterstützt durch den WWF eine Machbarkeitsanalyse durch, die im Juli 2017 startet und bis März 2018 abgeschlossen sein soll.

 

Mehr dazu, wo EDEKA bei der Erreichung der Ziele steht, verrät der aktuelle Fortschrittsbericht.

Interview mit Markus Wolter, Agrarexperte beim WWF

Markus Wolter © Arnold Morascher / WWF
Markus Wolter © Arnold Morascher / WWF

Im Rahmen der Partnerschaft beschäftigen sich WWF und EDEKA mit Wegen zu einer nachhaltigeren Fütterung von konventionell gehaltenen Mastschweinen. Warum?

Mehr als 99 Prozent aller Mastschweine in Deutschland stehen in konventionellen Betrieben. Konventionell gehaltene Schweine bekommen Sojaschrot als Eiweißlieferant, meist gewonnen aus Soja von Monokulturen in Südamerika – obendrein meist noch gentechnisch verändert. Dort wächst der Druck auf wertvolle Ökosysteme wie Wälder und Savannenlandschaften. Verwendete Pestizide belasten Böden und Gewässer und gefährden die Gesundheit der Menschen. Uns besorgt auch der mit dem Sojaschrot verbundene Import von Stickstoff und Phosphor in heimische Stoffkreisläufe. Stickstoffreiche Gülle belastet in Regionen mit intensiver Nutztierhaltung das Grundwasser. 

 

Wenn man also den Großteil der Schweine umweltfreundlicher halten will, muss man an die Futtermittel ran?

So ist es. Im Futter für Schweine, Rinder und Geflügel sollten weniger Soja aus Übersee und deutlich mehr heimische Futtermittel wie Rapsschrot und Körnerleguminosen wie Erbsen, Ackerbohnen und Lupinen landen. Wir haben daher neue Fütterungsstrategien getestet, mit denen man Schweine in konventioneller Haltung mit deutlich weniger Sojaschrot in der Futtermischung zügig und ohne Qualitätsverlust auf Gewicht bringen kann. In unserem Versuch in Zusammenarbeit mit der Landwirtschaftskammer NRW konnten wir den Sojanteil insgesamt um zwei Drittel senken.   

 

Wie ist das möglich? Sojaschrot gilt doch als  unverzichtbarer Eiweißlieferant.

Möglich ist dies durch eine optimierte, mehrphasige Fütterung, die die Zufuhr von Eiweiß besser an den altersgemäßen Bedarf des Schweines anpasst. Das spart Sojaschrot ein. Zusätzlich haben wir alternative Futtermittel wie Rapsschrot und Körnerleguminosen wie Erbsen, Ackerbohnen und Lupinen in die Mischung integriert. Auch bei Hühnern lässt sich übrigens das Sojaschrot in der Futtermischung reduzieren. Bei Rindern kann man es sogar komplett weglassen.

 

Was folgt nun aus den gewonnenen Erkenntnissen?

Damit sich das Konzept einer sojaschrotreduzierten Mehrphasenfütterung etabliert, ist Überzeugungsarbeit nötig – nicht nur bei Landwirten, auch bei Fleisch- und Wurstproduzenten sowie bei Lebensmittelhändlern. Wir hoffen, dass die strategische Zusammenarbeit mit EDEKA sowie Netto Marken-Discount dazu beiträgt, die nachhaltigeren Futtermittel möglichst bald flächendeckend in Deutschland zu etablieren.

Kontakt WWF Unternehmen

Patricia Graf

PANDA Fördergesellschaft für Umwelt mbH

Tel.: +49 (0) 40 530 200-157

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Wiebke Elbe

Pressesprecherin, Berlin

Tel.: +49 (0) 30 311 777-219

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