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EDEKA und Soja

© WWF / EDEKA
© WWF / EDEKA

Soja ist ein hochwertiger Eiweißlieferant, auch für deutsche Futtertröge. Für Fleisch-, Milch-, und Eiprodukte hierzulande wird andernorts in Monokulturen großflächig Soja angebaut – mit weitreichenden negativen Folgen für Mensch und Umwelt. Daher geht es in der Partnerschaft von WWF und EDEKA auch um Wege zur Reduzierung des Einsatzes von Import-Soja durch die vermehrte Verwendung heimischer Futtermittel und um die Verbesserung der bestehenden Sojaproduktion.

Tofu, Sojamilch und Sojasauce – diese Produkte fallen Verbrauchern beim Stichwort Soja zuerst ein. Nicht mit auf der Liste sind häufig Fleisch, Milchprodukte oder Eier. Dabei werden rund 80 Prozent der begehrten Bohne zu Schrot verarbeitet. Dieses landet anschließend als Eiweißquelle auch in deutschen Futtertrögen. Der Bedarf ist enorm: In Deutschland wurden im Jahr 2010 4,5 Millionen Tonnen Sojaschrot in der Nutztierfütterung eingesetzt.

Soja © Agrarfoto
Soja © Agrarfoto

Auch in Lateinamerika wird Soja zum großen Teil in agrarindustriellen Monokulturen konventionell angebaut. Wälder und Savannen müssen ihnen entweder direkt weichen. Oder die Monokulturen verdrängen andere angestammte Agrarformen wie Viehzucht oder Äcker von Kleinbauern in eben solche Gebiete. In dem artenarmen Lebensraum einer Soja-Monokultur breiten sich Insekten und Krankheitserreger schnell aus. Um den daraus entstehenden Krankheits- und Unkrautdruck zu bekämpfen, sind immer neue und höhere Dosen an Pestiziden notwendig. So folgen der Abholzung für neue Sojafelder weitere Umweltprobleme: Der Anbau in Monokulturen führt zu Bodendegradation, Artenverarmung und Gewässerverschmutzung. Darunter leidet vor allem auch die Bevölkerung vor Ort.

In Lateinamerika stammen über zwei Drittel der Bohnen von so genannten transgenen, also gentechnisch veränderten Pflanzen. Mit der Einführung von Roundup Ready-Soja kann das Totalherbizid beim Anbau von Soja eingesetzt werden, da die Sojabohne gentechnisch verändert wurde und somit resistent gegen Glyphosat ist. Dieses sogenannte GVO-Soja wird dann auch in Ländern der EU als Sojaschrot an Nutztiere verfüttert, obwohl hier der Anbau von sogenanntem GVO-Soja selbst verboten ist. Ein Großteil der deutschen Nutztiere wird mit GVO Sojaerzeugnissen gefüttert. Der Verbraucher findet aber kaum Produkte, die mit den Worten „gentechnisch verändert“ gekennzeichnet sind. Der Grund: gentechnisch veränderte Futtermittel sind zwar kennzeichnungspflichtig – aber nur gegenüber dem Tierhalter, der das Futter kauft. Produkte von Tieren, die mit gentechnisch veränderten Futtermitteln gefüttert wurden, müssen nicht gekennzeichnet werden.

EDEKA UND DER WWF

Im Rahmen der Partnerschaft mit EDEKA sieht der WWF Deutschland eine Chance, auch im Bereich Sojaproduktion und Sojaverbrauch positive Veränderungen im deutschen Lebensmittelmarkt anzustoßen. Aus Sicht des WWF gilt: Je weniger Übersee-Soja Deutschland importiert, desto besser, da sich damit zum Beispiel der Druck auf die durch Sojaanbau gefährdeten Gebiete reduziert. EDEKA strebt an, dafür zu sorgen, dass bei EDEKA-Eigenmarken hinsichtlich der Futtermittel für Schweine, Rinder und Geflügel eine Umstellung auf heimische Futtermittel erfolgt. Daher prüft der WWF Deutschland zum Beispiel, unterstützt von EDEKA, wie und in welchem Umfang in der Fütterung von Schweinen, Rindern und Geflügel eine Umstellung auf heimische Futtermittel, wie Erbsen, Ackerbohnen oder Luzerne als alternative Eiweißlieferanten zu Soja möglich ist.

Ob Milchvieh oder Mastrinder, Mastgeflügel, Legehennen oder Schwein: Wo Soja weiter anteilig als Futtermittel verwendet wird, strebt EDEKA an dafür zu sorgen, dass bei den Eigenmarken im Sortiment die Umstellung auf zertifiziertes, gentechnikfreies Soja nach RTRS- oder ProTerra-Standard erfolgt. Beide Standards stellen aus Sicht des WWF wichtige Mindestanforderungen im ökologischen und sozialen Bereich sicher. Sie sind ein erster Schritt, um die bestehenden negativen ökologischen und sozialen Auswirkungen des großflächigen Anbaus von konventionellem Soja in den Herkunftsländern zu reduzieren.

Interview mit Markus Wolter, Agrarexperte beim WWF

Markus Wolter © Arnold Morascher / WWF
Markus Wolter © Arnold Morascher / WWF

Im Rahmen der Partnerschaft beschäftigen sich WWF und EDEKA mit Wegen zu einer nachhaltigeren Fütterung von konventionell gehaltenen Mastschweinen. Warum?

Mehr als 99 Prozent aller Mastschweine in Deutschland stehen in konventionellen Betrieben. Konventionell gehaltene Schweine bekommen Sojaschrot als Eiweißlieferant, meist gewonnen aus Soja von Monokulturen in Südamerika – obendrein meist noch gentechnisch verändert. Dort wächst der Druck auf wertvolle Ökosysteme wie Wälder und Savannenlandschaften. Verwendete Pestizide belasten Böden und Gewässer und gefährden die Gesundheit der Menschen. Uns besorgt auch der mit dem Sojaschrot verbundene Import von Stickstoff und Phosphor in heimische Stoffkreisläufe. Stickstoffreiche Gülle belastet in Regionen mit intensiver Nutztierhaltung das Grundwasser. 

 

Wenn man also den Großteil der Schweine umweltfreundlicher halten will, muss man an die Futtermittel ran?

So ist es. Im Futter für Schweine, Rinder und Geflügel sollten weniger Soja aus Übersee und deutlich mehr heimische Futtermittel wie Rapsschrot und Körnerleguminosen wie Erbsen, Ackerbohnen und Lupinen landen. Wir haben daher neue Fütterungsstrategien getestet, mit denen man Schweine in konventioneller Haltung mit deutlich weniger Sojaschrot in der Futtermischung zügig und ohne Qualitätsverlust auf Gewicht bringen kann. In unserem Versuch in Zusammenarbeit mit der Landwirtschaftskammer NRW konnten wir den Sojanteil insgesamt um zwei Drittel senken.   

 

Wie ist das möglich? Sojaschrot gilt doch als  unverzichtbarer Eiweißlieferant.

Möglich ist dies durch eine optimierte, mehrphasige Fütterung, die die Zufuhr von Eiweiß besser an den altersgemäßen Bedarf des Schweines anpasst. Das spart Sojaschrot ein. Zusätzlich haben wir alternative Futtermittel wie Rapsschrot und Körnerleguminosen wie Erbsen, Ackerbohnen und Lupinen in die Mischung integriert. Auch bei Hühnern lässt sich übrigens das Sojaschrot in der Futtermischung reduzieren. Bei Rindern kann man es sogar komplett weglassen.

 

Was folgt nun aus den gewonnenen Erkenntnissen?

Damit sich das Konzept einer sojaschrotreduzierten Mehrphasenfütterung etabliert, ist Überzeugungsarbeit nötig – nicht nur bei Landwirten, auch bei Fleisch- und Wurstproduzenten sowie bei Lebensmittelhändlern. Wir hoffen, dass die strategische Zusammenarbeit mit EDEKA sowie Netto Marken-Discount dazu beiträgt, die nachhaltigeren Futtermittel möglichst bald flächendeckend in Deutschland zu etablieren.

Kontakt WWF Unternehmen

Patricia Graf

PANDA Fördergesellschaft für Umwelt mbH

Tel.: +49 (0) 40 530 200-157

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Wiebke Elbe

Pressesprecherin, Berlin

Tel.: +49 (0) 30 311 777-219

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Andrea Ebert

Tel.: +49 (0) 40 6377-2182
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