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Im Gespräch mit Catherine Zucco

WWF-Meeresfischereiexpertin Catherine Zucco. © Phillip Gülland / WWF
WWF-Meeresfischereiexpertin Catherine Zucco. © Phillip Gülland / WWF

Im Jahr 2009 startete die Unternehmenskooperation mit dem genossenschaftlich strukturierten EDEKA-Verbund. Im Gespräch erklärt Catherine Zucco, Meeresfischereiexpertin beim WWF die Erfolge dieser Zusammenarbeit


Seit 2009 arbeiten der WWF und EDEKA an einem nachhaltigen Fischangebot, wie sieht  nach drei Jahren die Bilanz aus?

 

Wir haben in drei Jahren gemeinsam sehr viel erreicht und echte Meilensteine gesetzt.  Vom Aussterben bedrohte Fischarten wie Aal, Hai, Rochen und Wildstör werden bei  EDEKA nicht mehr verkauft. Andere Handelsketten sind diesem Beispiel gefolgt. EDEKA stellt sein Sortiment um auf Fisch aus MSC-zertifizierten Fischereien oder Fischarten, die im WWF Ratgeber grünes Licht bekommen haben.  Bereits 76 Prozent der Fisch-Eigenmarken stammen aus nachhaltigen Quellen, bezogen auf Wildfisch sind es sogar 87 Prozent.  Wenn einer der größten Einzelhändler seine Einkaufspolitik  auf Nachhaltigkeit ausrichtet, trägt das zu Veränderungen am Gesamtmarkt bei. Der  Anteil von MSC Fisch am deutschen Markt hat sich während der Kooperation mehr als verdreifacht. Das ist ein Riesenerfolg für den Schutz der Fischbestände in unseren Meeren.

 

 

Trotzdem wird Verbrauchern noch Fisch angeboten, der  nicht „grün“  oder zertifiziert ist, wie kann das passieren?

 

Wir haben bei der Umstellung das erreicht, was heute machbar ist, aber es gibt noch offene Baustellen – eine davon ist Zuchtfisch. In der Aquakultur muss eine unabhängige Zertifizierung für eine nachhaltige Produktion erst entwickelt und im Anschluss die Betriebe umgestellt werden. Die Entwicklung braucht  mehr Zeit als angenommen. Die ersten zertifizierten Produkte werden voraussichtlich im Laufe  2012 angeboten werden. In der Zwischenzeit greift EDEKA deshalb auf Zuchten zurück, die auf diesen ASC –Standard (Aquaculture Stewardship Council) hinarbeiten. Ähnlich sieht es beim Thunfisch aus: Für die meisten  Thunfischarten gibt es keine anerkannte Zertifizierung. Nur eine Handvoll kleiner  Thunfisch-Fischereien haben sich bislang für eine MSC –Zertifizierung qualifizieren können. Es gibt meist nicht ausreichend Daten über Bestände und Fischereien und die Regeln für die Thunfisch-Fischerei müssen strikter werden. Aber die Nachfrage aus Deutschland zeigt Wirkung, eine erste große  Fischerei auf Bonito aus dem Westlichen Zentralpazifik hat  Anfang 2012 eine Zertifizierung abgeschlossen.

 


Warum besteht der WWF nicht darauf, dass EDEKA auf nicht-grüne Produkte verzichtet?

 

Die Veränderung im hiesigen Supermarktregal muss am anderen Ende der Welt mehr Schutz für die Meere und Fischbestände bewirken – das ist unser Ziel. Die starke Nachfrage nach Öko-Fisch führt zu Veränderungen in der Fischerei. In manchen problematischen Fischereien und vielen Zuchten braucht die Umstellung auf umweltschonende Praxis aber noch Zeit. Würde man diese Produkte jetzt unterschiedslos aus dem Sortiment nehmen, würden sich Produzenten und Lieferanten neue Absatzmärkte wie Russland oder China suchen, wo Umweltaspekte keine Rolle spielen. Die Veränderungsprozesse würden gestoppt. Wir wollen das Problem nicht über die Grenzen verschieben sondern an der Wurzel packen und arbeiten daran, dass sich die betreffenden Fischereien und Zuchten umweltverträglich ausrichten. Das kann man nur in Märkten wie Deutschland erreichen, in denen die Verbraucher umweltbewusster einkaufen und Handelsunternehmen ihr Sortiment zunehmend nachhaltiger gestalten. Und manchmal braucht es eben einen langen Atem.

 


Aus welchen Gründen geht der WWF überhaupt eine solche Kooperation mit einem Handelsunternehmen ein?

 

Ganz einfach: weil sie den Naturschutz voranbringt! Die Kooperation ist eine Ergänzung unserer politischen Arbeit und hilft  der Überfischung und Zerstörung von Lebensräumen Einhalt zu gebieten.  Seit Jahrzehnten erreichen uns Hiobsbotschaften über überfischte Bestände. Die Politik hat es bislang versäumt, effektive Maßnahmen zu ergreifen. Handelsunternehmen haben als große Abnehmer für Fisch einen wichtigen Hebel in der Hand, um Veränderungen in der Fischerei herbeizuführen. Gleichzeitig kämpft der WWF natürlich weiterhin auf dem politischen Parkett für eine umweltschonendere Fischerei, ganz intensiv bei der laufenden Reform der europäischen Fischereipolitik. Wir konnten EDEKA überzeugen,  sich gemeinsam mit uns für entsprechende politische Veränderungen einzusetzen. Wir können außerdem konkrete Schutzmaßnahmen in den Meeren ergreifen. Mit Hilfe der Projektgelder von Edeka werden nun in einem WWF-Projekt in den „Tunfisch-Kinderstuben" im westlichen Pazifik Schutzgebiete identifiziert und etabliert. Indonesische Fischerboote werden auf so genannte Rundhaken umgerüstet, was den Beifang von bedrohten Meeresschildkröten um etwa 80 Prozent reduziert. In der Ostsee wurden drei Heringskutter mit einen Kamerasystem ausgestattet. Ziel des Projekts ist den Beifang von Seevögeln in der Stellnetzfischerei zu vermeiden. Hier profitiert die Natur ganz konkret.

   
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