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Modellprojekt „Landwirtschaft für Artenvielfalt“

© WWF / EDEKA
© WWF / EDEKA

Über 50 Prozent der Fläche Deutschlands wird für landwirtschaftliche Zwecke genutzt. Landwirtschaft prägt den Lebensraum von Tieren und Pflanzen. Naturschutzexperten beobachten mit großer Sorge, dass insbesondere in landwirtschaftlich genutzten Flächen die Artenvielfalt immer mehr zurückgeht. Das will das Modellprojekt „Landwirtschaft für Artenvielfalt“ ändern.

Die Intensivierung der Landwitschaft bedroht auch den Lebens- und Nahrungsraum des Feldhasen © Igor Shpilenok / WWF
Die Intensivierung der Landwitschaft bedroht auch den Lebens- und Nahrungsraum des Feldhasen © Igor Shpilenok / WWF

Selbst ehemals weit verbreitete Arten wie der Feldhase oder das Braunkehlchen bekommt man in Deutschland immer seltener zu Gesicht. Auch viele Ackerwildkräuter verschwinden mehr und mehr aus dem Landschaftsbild. Zahlreichen Insekten und Amphibien ergeht es ebenso.

 

Dabei gibt es durchaus Möglichkeiten, landwirtschaftliche Flächen so zu bewirtschaften, dass diese Lebens- und Rückzugsraum für wildlebende Tier- und Pflanzenarten bieten. Insbesondere der Ökologische Landbau bietet hier großes Potenzial. Leider sind entsprechende Kriterien und Maßnahmen zum Erhalt und zur Förderung der biologischen Vielfalt nicht konkret und systematisch in die Richtlinien der ökologischen Verbände integriert. Trotz Empfehlung des Sachverständigenrats für Umweltfragen der Bundesregierung: Ein „Naturschutz-Siegel“ als Zusatz in den Anbaurichtlinien für den Ökologischen Landbau fehlt bislang.

© UN-Dekade "Ausgezeichnetes Projekt 2016"

Hier setzt das Modellprojekt „Landwirtschaft für Artenvielfalt“ an: In Zusammenarbeit mit dem Ökologischen Anbauverband Biopark und mit EDEKA arbeitet der WWF Deutschland an der Entwicklung eines neuen Standards „Landwirtschaft für Artenvielfalt“. Wissenschaftlich begleitet und umgesetzt wird das Projekt vom ZALF e.V. (Leibniz-Zentrum für Agrarlandschaftsforschung). Landwirtschaft für Artenvielfalt ist offizielles Projekt der UN-Dekade für Artenvielfalt. Die Auszeichnung wird an Projekte verliehen, die sich in nachahmenswerter Weise für die Erhaltung der biologischen Vielfalt einsetzen.

 

Grundlage für das Naturschutzmodul ist ein Katalog mit rund 70 Naturschutzmaßnahmen und -leistungen. 40 Experten aus den Bereichen Naturschutz und Landwirtschaft waren sowohl an der Erarbeitung der einzelnen Naturschutzmaßnahmen als auch deren Bewertung beteiligt.  

 

Kein landwirtschaftlicher Betrieb ist wie der andere. Um die Artenvielfalt auf gesamtbetrieblicher Ebene möglichst wirkungsvoll zu erhöhen, unterstützen daher naturschutzfachliche Berater die Landwirte bei der Zusammenstellung und Umsetzung ihres individuellen Maßnahmenpakets. Jede zur Auswahl stehende Naturschutzmaßnahme ist mit einer Punktzahl hinterlegt. Die Punktzahl basiert auf der Einschätzung, wie effektiv die Maßnahme für den Schutz von wildlebenden Tier- und Pflanzenarten sowie deren Lebensräumen ist. Um das Naturschutzmodul zu erreichen, muss jeder Betrieb eine Mindestpunktzahl erreichen.

Drilllücken im Getreide bieten Raum für Ackerwildkräuter © Frank Gottwald / WWF
Drilllücken im Getreide bieten Raum für Ackerwildkräuter © Frank Gottwald / WWF

Die Naturschutzmaßnahmen beziehen sich auf die Bereiche Ackerland, Grünland – also Wiesen und Weiden – und Landschaftselemente, wie Hecken oder Tümpel. Sie zielen auf verschiedene Arten und deren unterschiedlichen Ansprüche an ihre Lebensräume ab. So ermöglichen zum Beispiel Maßnahmen zur Auflockerung der Getreidebestände eine gute Entwicklung von Ackerwildkräutern, wie der Kornblume oder dem Sand-Mohn. Sie bieten außerdem Nist- und Nahrungsraum für Feldvögel oder Feldhasen. Auch das Stehenlassen von ungemähten Streifen oder Säumen an den Feldrändern steigert die Vielfalt der Arten. Sie ziehen nektarsuchende Insekten an und bieten Schutz für bodenbrütende Vögel. Die Vorgabe, Teile des Grünlandes für acht Wochen während der Brutzeit im Frühjahr nicht zu nutzen oder zu bearbeiten, hilft Feldvögeln wie Feldlerche oder Wiesenpieper. Innerhalb dieser Zeit können sie ihre Brut sicher aufziehen. Spätblühende Kräuter können zur Samenreife gelangen, wenn nach der Getreideernte nicht sofort der Boden bearbeitet wird. Sind rings um Tümpel im Sommer ungenutzte Bereiche vorhanden, finden Amphibien wie die stark gefährdete Rotbauchunke an Land ihre notwendigen Rückzugsräume. Der Naturschutzstandard berücksichtigt bei der Punktevergabe auch, ob wichtige Biotope wie zum Beispiel artenreiche Nasswiesen existieren und wie es um das Vorkommen ausgewählter Arten wie zum Beispiel hochgradig gefährdeter Ackerwildkräuter steht.  

 

Über 50 Betriebe des Ökologischen Anbauverbandes Biopark in Mecklenburg-Vorpommern und Schleswig-Holstein erfüllen bereits die Auflagen des Naturschutzstandards. Eine Datenbank dokumentiert sämtliche durchgeführte Maßnahmen und nachgewiesene Arten. Auf ausgewählten Betrieben führen die naturschutzfachlichen Berater zusätzlich ein Monitoring der Bestandsentwicklung bestimmter Arten durch. Auf dieser Grundlage und mit steigender Erfahrung der Landwirte können die Auswahl und die Umsetzung der Maßnahmen stetig optimiert und die Effektivität für den Artenschutz gesteigert werden. Bis Herbst 2017 soll die Erprobungsphase – und somit das Modellprojekt – abgeschlossen sein.

EDEKA UND DER WWF

Das Logo „Landwirtschaft für Artenvielfalt“
Das Logo „Landwirtschaft für Artenvielfalt“

EDEKA unterstützt das Modellprojekt und garantiert den Erzeugern die Abnahme der landwirtschaftlich erzeugten Produkte. Beim Einkauf können Verbraucher das Engagement und die Mehrarbeit der Landwirte für die Artenvielfalt ebenfalls fördern: Alle Bio-Fleisch und Bio-Wurstwaren der Marke „Natur Pur“ sind auf Bio+Artenvielfalt-Produkte umgestellt und im Vertriebsgebiet von EDEKA Nord erhältlich. Auch Kartoffeln aus dem Projekt werden unter der Marke „Unsere Heimat Bio“ in den dortigen Märkten angeboten. Zu erkennen sind diese Produkte am Logo „Landwirtschaft für Artenvielfalt“.

 

Mit Abschluss des Modellprojekts soll die Grundlage geschaffen sein für eine breite Einführung und Nutzung des Standards „Landwirtschaft für Artenvielfalt“ durch Betriebe des Ökologischen Landbaus. Denn je mehr Bio-Landwirte mitmachen, desto besser für den Artenschutz.

Kontakt WWF Unternehmen

Patricia Graf

PANDA Fördergesellschaft für Umwelt mbH

Tel.: +49 (0) 40 530 200-157

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Kontakt WWF Presse

Wiebke Elbe

Pressesprecherin, Berlin

Tel.: +49 (0) 30 311 777-219

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Andrea Ebert

Tel.: +49 (0) 40 6377-2182
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