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Solidarität ist keine Einbahnstraße

22. August 2018

WWF: Verständnis für Dürre-Ausgleichszahlungen – aber als Start in eine nachhaltige Zukunft

Für den Vorschlag des Bundeslandwirtschaftsministeriums, geschädigte Landwirte vor dem wirtschaftlichen Aus zu bewahren, hat der WWF im Grundsatz Verständnis – fordert jedoch die Verknüpfung mit Auflagen, um besser auf klimatische Herausforderungen vorbereitet zu sein. Hierzu erklärt Jörg-Andreas Krüger, Leiter Ökologischer Fußabdruck beim WWF Deutschland:

 

„Notsituationen sind Notsituationen. Bauern, die durch die Dürre in existenzielle, ökonomische Not geraten, muss geholfen werden. Diese Solidarität ist jedoch keine Einbahnstraße. Von Landwirten braucht es die Bereitschaft, sich mit entsprechender Unterstützung nachhaltig aufzustellen und zu reformieren– zum einen, um künftig besser mit Wetterextremen leben zu können und zum andern, damit man durch die eigene Art zu wirtschaften die Klimakrise nicht noch anheizt.

 

Es ist ein Teufelskreis: So ist etwa die industrielle Tiermast in Deutschland auf billiges Soja als Futtermittel aus Südamerika angewiesen. Dafür werden Wälder und Savannen gerodet und in Monokulturen umgewandelt. Das befeuert den Klimawandel, der zu Wetterextremen führt – unter denen wiederum die Landwirte zu leiden haben. Zugleich sind vor allem konventionell wirtschaftende Bauern nicht auf Dürren oder anhaltenden Starkregen vorbereitet. Kein Anbausystem kann Ernteausfälle wegen Wetterextremen komplett verhindern, jedoch führt eine Mischung aus ausgelaugten Böden und Hochertragssorten zu einer höheren Anfälligkeit. Eine besondere Rolle muss ein veränderter Umgang mit dem Boden einnehmen. Erweiterte Fruchtfolgen, ein verbesserter Humusaufbau und Anbausysteme mit einer erhöhten Wasserhaltefähigkeit sind hier essentiell, um das Risiko von dramatischen Ernterückgängen zu reduzieren. Daneben braucht es einen auf die Betriebsflächen angepassten Tierbestand, um Futterengpässe einzudämmen.

 

Akuthilfen müssen klare Signale für eine Transformation und ein Programm hin zu einer klimafreundlichen und an den Klimawandel angepassten Landwirtschaft beinhalten. Zudem braucht es den politischen Willen, die Reform der Europäischen Landwirtschaftspolitik anzugehen. Wenn wir jetzt nicht handeln wird es in Zukunft noch teurer.“

KONTAKT

Roland Gramling

WWF Deutschland

Pressestelle

Tel. 030-311 777 425

roland.gramling@wwf.de

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