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16. Januar 2019

WWF: Messe Berlin hat für Grüne Woche keine Strategie zur Vermeidung von Lebensmittelabfällen | WWF sieht Land Berlin unter Zugzwang

350 lebensmittel in der tonne c wwf
350 lebensmittel in der tonne c wwf

Am 18. Januar startet die Internationale Grüne Woche (IGW). Besonders ihr kulinarisches Angebot zieht jährlich mehrere hunderttausend Besucher an. Doch laut Recherchen des WWF Deutschland hat der Veranstalter Messe Berlin GmbH kein eigenes Konzept zur Vermeidung von Lebensmittelabfällen, weder für die Grüne Woche noch für andere Messen. In der Verantwortung sieht der WWF das Land Berlin – es ist Hauptgesellschafter der Messe Berlin GmbH.

 

„Dass ausgerechnet die Leitmesse für Landwirtschaft, Ernährung und Gartenbau bisher keine Strategie im Kampf gegen die Lebensmittelverschwendung hat, ist ein großes Versäumnis des Landes Berlin“, kritisiert Jörg-Andreas Krüger, Geschäftsleiter Naturschutz beim WWF Deutschland. „Wirtschaftssenatorin Ramona Pop muss als stellvertretende Vorsitzende im Aufsichtsrat der Messe Berlin zügig handeln und diesen Blindflug beenden.“

 

Die Messe Berlin erfasst und analysiert weder für die Grüne Woche noch für andere Messen, wie viel Lebensmittelabfälle anfallen. Ebenso wird nicht evaluiert, ob sich die Menge und Art der Abfälle verändert. Somit ist auch unklar, wie hoch der Anteil an vermeidbaren Lebensmitteln ist.

 

Die Messe Berlin informiert Aussteller lediglich, dass übrig gebliebene Lebensmittel an die Berliner Tafel abgegeben werden können. Die Abgabe ist freiwillig. Wie viele Aussteller das Angebot wahrnehmen, ist unbekannt. Nach Angaben der Berliner Tafel konnten deren Mitarbeiter im Jahr 2018 während der zehn Messetage insgesamt 12 Tonnen Lebensmittel auf der IGW abholen, davon allein acht Tonnen am letzten Tag. Laut der Berliner Senatsverwaltung für Wirtschaft sind dies zwei Tonnen weniger als 2017. „Unklar bleibt, ob dieser Rückgang darauf zurückzuführen ist, dass insgesamt weniger weiterverwertbare Lebensmittel anfallen oder ob das Angebot der Tafeln weniger wahrgenommen wurde“, so Tanja Dräger de Teran, Fachfrau beim WWF für Ernährung und Landnutzung. Die Aussteller sind nicht dazu verpflichtet, Angaben über die abgegebenen Lebensmittelreste zu machen.

 

Erwartet werden für die Grüne Woche in 2019 über 1.600 Aussteller, rund 1.000 bieten auch Lebensmittel an. Vertreten sind alle Bundesländer bis auf Bremen, Hamburg und das Saarland. In die Konzeption der Länderauftritte sind die für das Thema Lebensmittelverschwendung verantwortlichen Abteilungen oder Personen jedoch in der Regel nicht eingebunden. Tanja Dräger de Teran vom WWF: „Die Experten für Lebensmittelverschwendung müssen mit an Bord - um konkret Lebensmittelabfälle bei den Speiseangeboten in den Länderhallen zu reduzieren und verstärkt für eine höhere Wertschätzung von Lebensmitteln zu werben.“

 

Neben der Grünen Woche veranstaltet die Berlin Messe GmbH auch Messen wie die Internationale Tourismusbörse oder die Fruit Logistica, beide mit einem hohen Anteil an Besucherverköstigung. Darüber hinaus werden bei der Fruit Logistica, der internationale Messe für Früchte- und Gemüsemarketing, Frischeprodukte aus der ganzen Welt in großen Mengen ausgestellt.

KONTAKT

Wiebke Elbe

Pressestelle WWF 

Tel: 030-311777-219

wiebke.elbe(at)wwf.de

twitter.com/ElbeWWF

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