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Das Schweigen der Kanzlerin

21. Mai 2019

Internationaler Tag der Biologischen Vielfalt am 22. Mai: WWF fordert mehr Einsatz von Angela Merkel für den Schutz Biologischer Vielfalt

Der Natur gehen immer mehr Farben und Formen verloren, wenn wir nichts tun © Frank Gottwald
Der Natur gehen immer mehr Farben und Formen verloren, wenn wir nichts tun © Frank Gottwald

Zum Internationalen Tag der Biologischen Vielfalt am 22. Mai fordert der WWF die Verdopplung der deutschen Mittel für den internationalen Biodiversitätsschutz auf mindestens eine Milliarde Euro pro Jahr. Hier brauche es Zusagen von der Bundesregierung, so der WWF: „Auf der Erde entsteht ein ökologischer Notstand, zu dem die Kanzlerin nicht länger schweigen darf. Neben finanziellen Mitteln fehlt die politische Steuerung: Die Regierungschefs gehören an den Verhandlungstisch, um sich persönlich für den Erhalt der Biodiversität stark zu machen", so Eberhard Brandes, geschäftsführender Vorstand des WWF Deutschland. Für die nächste UN-Konferenz zum Schutz der Biologischen Vielfalt (CBD) in China fordert der WWF daher die verbindliche Teilnahme der Staats- und Regierungschefs. Auf der Konferenz wird eine neue Biodiversitätsstrategie bis 2030 verhandelt. Außerdem sollte sich Angela Merkel dafür einsetzen, dass das Thema auf die Agenda der UNO-Vollversammlung rückt.

 

Als ersten Schritt sollte die Kanzlerin in Deutschland dafür sorgen, dass ein Aufhalten des Biodiversitätsverlusts zu den höchsten Prioritäten ihrer Politik wird, denn es geht um den Erhalt unserer natürlichen Lebensgrundlagen. Erst kürzlich hatte der Weltbiodiversitätsrat IPBES alarmierende Zahlen zum Zustand der weltweiten Biologischen Vielfalt vorgelegt. Laut IPBES-Bericht sind durch Eingriffe des Menschen inzwischen mehr als 25 Prozent der untersuchten Tier- und Pflanzengruppen bedroht – mehr als je zuvor. Innerhalb weniger Jahrzehnte könnten etwa eine Million Arten verschwinden. Als Treiber des rapiden Verfalls der Natur identifiziert der IPBES-Bericht für die letzten 50 Jahre das massive Eingreifen des Menschen in die globalen Ökosysteme, vor allem durch die Intensivierung der Landwirtschaft, die Abholzung der Wälder und den Ressourcenabbau.

 

Die Wissenschaftler bestätigen außerdem, dass die anhaltende Erderhitzung die Probleme in den Ökosystemen weiter verschärft. Der IPBES-Bericht verdeutlicht: Alle wissenschaftlichen Vorhersagen und Szenarien bis 2050 geben keine komplette Entwarnung, am verheerendsten für Mensch und Natur wäre aber ein „business as usual“ mit anhaltendem Wirtschaftswachstum und Raubbau an den Lebensgrundlagen.

 

Der WWF unterstützt daher die Vorschläge des IPBES-Berichts für einen radikalen Wandel des menschlichen Wirtschaftens und Konsumverhaltens, der Nahrungsmittelproduktion und des weltweiten Handels. „Wenn es um den Schutz der Biologischen Vielfalt geht, brauchen Politik und Wirtschaft einen Richtungswechsel. Dazu gehört auch die anspruchsvolle Ausgestaltung der im Koalitionsvertrag vorgesehenen Programme für Insektenschutz, Ackerbau und ein Überdenken des Pestizideinsatzes wie Glyphosat. Eine starke, globale Bürgerbewegung für die Vielfalt des Lebens auf dieser Erde kann den entscheidenden Unterschied machen. Wir müssen jetzt über Grenzen hinweg unsere zivilgesellschaftlichen Kräfte bündeln, um das Blatt zu wenden", sagt Eberhard Brandes vom WWF.

 

Hintergrund:

Die Vereinten Nationen haben den 22. Mai zum Internationalen Tag der Biologischen Vielfalt (IDB) erklärt. Denn am 22. Mai 1992 wurde der Text des Übereinkommens über die Biologische Vielfalt (Convention on Biological Diversity, CBD) offiziell angenommen. Es ist neben dem Klimarahmenabkommen (UNFCCC) und der Wüstenkonvention (UNCCD) einer von drei völkerrechtlichen Verträgen, die bei der Konferenz der Vereinten Nationen für Umwelt und Entwicklung in Rio de Janeiro 1992 auf den Weg gebracht wurden.

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Corinna Seide

Pressestelle

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