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Stand: 07.05.2020

Corona-Krise in Thailand: Lebensmittel für die Ärmsten

Es ist ein ungewohntes Bild, das sich in den Räumen des Royal Panerai Hotels in Chiang Mai bietet: Säcke mit Reis liegen auf dem Boden verstreut, in einer Ecke stapeln sich Kohlköpfe, am Eingang bilden aufgeschichtete Eierkartons flache Türme. Statt Gästen aus aller Welt beherbergt das Hotel in diesen Tagen Berge von Lebensmitteln, darunter auch ökologisch angebautes Gemüse, Kräuter und Obst aus dem Forest Landscape Restoration Fund (FLR349) des WWF Thailand.

Lokale Bevölkerung Chiang Mai © James W. Thorsell / WWF
Lokale Bevölkerung Chiang Mai © James W. Thorsell / WWF

Denn viele Ökobauern können ihr Gemüse nicht mehr verkaufen, da die Lieferketten unterbrochen und Märkte schon seit Wochen geschlossen sind. Während die Avocados, Bananen, Mangos und Kräuter auf ihren Feldern zu verdorren drohen, haben die ärmsten Teile der Bevölkerung in Chiang Mai kaum mehr genug Geld, um für sich und ihre Familien etwas zu Essen zu kaufen. Ihrer Arbeit als Taxifahrer:innen, in Restaurants, Massagesalons oder als Touristenführer:innen können sie schon seit Wochen nicht mehr nachgehen. Auch erste Lockerungen der Ausgangssperren und Geschäftsschließungen, wie von der thailändischen Regierung Anfang Mai angekündigt, lindern die große Not kaum und können jederzeit wieder zurückgenommen werden. 

Lebensmittel retten und Armut bekämpfen

Lebensmittelverteilung FLR349-Projekt © WWF Thailand
Lebensmittelverteilung FLR349-Projekt © WWF Thailand

Um sowohl den Ökobauern als auch der von Armut betroffenen Bevölkerung aus der größten Not zu helfen, haben thailändische Hilfsorganisationen und private Unternehmen gemeinsam mit dem WWF innerhalb weniger Tage eine Initiative aus dem Boden gestampft, dessen Herzstück seit Ende April das Royal Panerai Hotel im Zentrum Chiang Mais geworden ist.

Hierhin liefert ein Logistikunternehmen kostenlos Lebensmittel, die die Stiftung Doi Inthanon Conservation Trust Fund Foundation den Ökobauern abgekauft hat. Seit Beginn der Initiative am 20. April haben auch viele private Unternehmen und sogar Einzelpersonen Lebensmittel oder Geld an diese Stiftung gespendet. Kleine Teams aus Freiwilligen holen die gesammelten Lebensmittel im Hotel ab und bringen jeweils eine Wochenration Gemüse, Eier und Reis direkt zu den Menschen, die es am nötigsten haben. Bei all dem wird streng auf die Hygienebestimmungen geachtet und unnötige Wege möglichst vermieden.

Ökoanbau schützt Thailands Wälder

Insgesamt versorgt das aktuelle Hilfsprojekt mehr als 2.400 von Armut betroffene Familien in der Provinz Chiang Mai mit Nahrungsmitteln und hilft zugleich den Ökobauern. Mit dem Forest Landscape Restoration Fund FLR 349 unterstützt der WWF seit 2017 Bauern dabei, ihre Farmen auf ökologische Landwirtschaft und ein sogenanntes Agroforstsystem umzustellen. Bei der Agroforstwirtschaft wird landwirtschaftliche Nutzung so in die Landschaft integriert, dass keine Bäume abgeholzt werden müssen.

Die konventionelle Landwirtschaft ist in dieser Region im Norden Thailands von ausgedehnten Monokulturen und dem massiven Einsatz von Chemikalien geprägt. Besonders für den großflächigen Anbau von Mais zur Tierfutterproduktion wurden riesige Waldflächen abgeholzt mit dramatischen Folgen für Ökosysteme und Artenvielfalt.

Bauern FLR349-Projekt © WWF Thailand
Bauern FLR349-Projekt © WWF Thailand

Der Forest Landscape Restoration Fund

FLR steht für Forest Landscape Restoration Fund, also ein Fonds zur Aufforstung und Renaturierung von Wäldern. Die Zahl drei steht für drei Waldtypen, die entweder für Brennholz, zur Ernte von Früchten oder für Nutzholz genutzt werden können. Die Zahl vier steht für den vierten Nutzen für den Menschen, nämlich den Erhalt des Bodens und die verbesserte Aufnahmefähigkeit von Regenwasser. Die Zahl neun steht für die Philosophie des 9. Königs von Thailand, Bhumibol Adulyadej, der die "drei Wälder - vier Nutzen"-Philosophie geprägt und sich sehr für suffizientes Wirtschaften und ökologische Landwirtschaft im Sinne der UN-Nachhaltigkeitsziele eingesetzt hat. 

Hoffnung für Menschen und Natur

Ziel des Ökolandbaus ist ein schonender Umgang mit den Ressourcen Boden und Wasser und ein langfristiger Erhalt dieser Lebensgrundlagen. Durch den Verzicht auf Pestizide werden nicht nur das Ökosystem und die Artenvielfalt, sondern auch die Gesundheit der Bauern geschützt. Mit einem Teil des angebauten Gemüses können die Ökobauern sogar sich selbst und ihre Familien versorgen. Den Rest verkaufen sie zu fairen Preisen an Schulen, Krankenhäuser und Restaurants, was in Coronazeiten unmöglich geworden ist. Bis im Royal Panerai Hotel wieder Tourist:innen einziehen können, spenden die Pflanzen und Früchte der Ökobauern den ärmsten Menschen in Thailand in der Coronakrise nicht nur Essen zum Überleben, sondern vielleicht auch ein wenig Hoffnung.

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