"Was Angst war, ist nun Realität. Das Corona-Virus ist unter uns." So schildert Ismael Pérez Petsa, der Anführer der Awajún die aktuelle Situation der Indigenen in Peru. Die Awajún sind eine indigene Ethnie im peruanischen Amazonas-Regenwald, und ihre Angst hat einen guten Grund: Jeder zweite Indigene leidet an Diabetes Typ 2 oder anderen Krankheiten wie Hepatitis B, Tuberkulose, Malaria oder Dengue-Fieber. 50 Prozent der Indigenen gehören also direkt zur Risikogruppe für Covid-19.

Unter ihnen gibt es jedoch eine Gruppe, die wahrscheinlich noch verletzlicher ist: Rund 5.000 isoliert lebende Indigene, die auf der Suche nach Nahrung und Lebensraum teils nomadisch durch die Tiefen des Amazonas ziehen. Mit ihrer Abschottung schützen sie sich vor Gewalt durch illegale Holzfäller oder Goldschürfer, aber auch vor der Ansteckung mit eingeschleppten Krankheitserregern. Denn für sie können selbst vermeintlich harmlose Erkältungsviren tödlich sein.

Covid-19 rückt näher

In der Vergangenheit wurden schon ganze Bevölkerungsgruppen ausgerottet, weil das Immunsystem der isoliert lebenden Indigenen eingeschleppte Grippeviren oder Masern nicht abwehren konnte. Jetzt ist mit dem Corona-Virus eine neue Bedrohung aufgetaucht und eine besonders gefährliche dazu. Dass Menschen, die an Covid-19 erkrankt sind, nicht zwangsläufig oder erst spät Symptome zeigen, macht das Virus so unberechenbar.

Und die Gefahr rückt näher. Bei ersten Tests im peruanischen Bundesland Loreto im Amazonasgebiet wurden bereits 206 Infektionen mit Covid-19 in der Bevölkerung nachgewiesen. Allein in San Lorenzo, einer kleinen Provinzhauptstadt im Amazonasgebiet, waren 33 von 43 Tests positiv! Betroffen sind auch zwei Indigene. Zugleich ist die Gesundheitsversorgung in San Lorenzo auf eine Infektionswelle überhaupt nicht ausgerichtet. Weder können Infizierte isoliert werden, noch gibt es Medikamente oder Schutzkleidung für die medizinischen Fachkräfte, beklagt Ismael Pérez Petsa, der ein Gesundheitsnetzwerk der Initiative Red de Salud Datem del Marañón in San Lorenzo koordiniert.

Kontrollposten brauchen bessere Ausstattung

Der Amazonas in Peru © Brent Stirton / Getty Images
Der Amazonas in Peru © Brent Stirton / Getty Images

Ein wirksamer Schutz vor der Einführung von Krankheitserregern können Kontrollposten sein, die den Zugang zu den Territorien der isolierten Indigenen regeln und gegebenenfalls auch einschränken. Zwei solcher Kontrollposten hat der WWF seit 2019 in Peru schon gebaut.

Sie liegen an Flüssen, die oft der einzige Zugang in diese Gebiete sind und werden von nicht-isoliert lebenden Indigenen aus den umliegenden Dörfern besetzt. Diese teilen Kultur und Sprache und können bei unvermeidlichem Kontakt notfalls auch sprachlich vermitteln.

Die bestehenden Kontrollposten müssen jetzt schnell noch besser ausgestattet werden. Es fehlen Funkgeräte, mit denen das Eindringen von Fremden umgehend gemeldet werden kann. Auch Überflüge können ein effektives Mittel sein, um unerlaubte Aktivitäten in diesen Gebieten zu entdecken und zu stoppen.

Der beste Schutz ist ein gesunder Regenwald

Außerdem gibt es insgesamt noch viel zu wenige solcher Kontrollposten. Auch wenn ihr Bau aufgrund der aktuellen Beschränkungen kurzfristig kaum möglich sein dürfte, darf diese Notwendigkeit jetzt nicht aus dem Blick geraten. Langfristig bleiben die wichtigsten Maßnahmen der Bau von Kontrollposten sowie die Ausweisung weiterer Territorien als Schutzgebiete.

Ein weitläufiger unberührter Amazonas-Regenwald, in denen illegale Goldschürfer und Holzfäller nicht eindringen können, ist der beste Schutz für die wohl verletzlichste aller indigenen Gruppen in Südamerika.

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