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Stand: 29.04.2020

Löwenschutz in Zeiten von Corona

Die Corona-Pandemie hält weiterhin die Welt in Atem. Neue Regeln und Verhaltensweisen bestimmen unseren Alltag. Das gilt auch für die Arbeit im Naturschutz. Durch den Wegfall der Tourismuseinkünfte haben viele Schutzgebiete in Afrika Angst, bald nicht mehr die Ranger bezahlen zu können. Auch die Wilderei könnte wieder ansteigen. Doch in einigen Gebieten geht trotz Corona die Arbeit weiter, so auch in den Löwenprojekten des WWF. Zwei Beispiele aus Namibia und Botswana zeigen, wie die WWF-Löwenschutzarbeit in Zeiten von Corona aussieht. 

Löwen in Botswana © Court Whelan
Löwen in Botswana © Court Whelan

Die Menschen sind gut informiert

Lise Hanssen leitet das Kwando Carnivore Project, eine kleine NGO in Namibia. Ihre Aufgabe ist der Schutz von Beutegreifern (Raubtieren, Carnivores) in der Sambesi-Region von Namibia. Ein Teil des Jobs beschäftigt sich mit Mensch-Wildtier-Konflikten. So hilft sie der lokalen Bevölkerung dabei, ihre Nutztiere vor Angriffen zu schützen. Die derzeitige Lage durch die Corona-Pandemie erschwert ihre Arbeit. Aber sie geht weiter – für die Menschen und die Tiere.

Obwohl es im Nordosten Namibias bislang keine registrierten Fälle von Covid-19 gab, bemüht sich das ganze Land, die Ausbreitung von Infektionen zu verhindern“, berichtet Hanssen.

Jede Region ist abgeriegelt, um zu verhindern, dass Menschen reisen und dadurch das Virus möglicherweise verbreiten. Eine Ausgangssperre für einzelne Haushalte gibt es aber nicht. Es wurden allerdings Verhaltensregeln eingeführt: große Menschenansammlungen sollen vermieden werden, die Menschen sollen sich regelmäßig die Hände waschen und Handdesinfektionsmittel verwenden.“

In den ländlichen Gebieten, in denen die Menschen in Gemeinschaft leben, sei es schwer, sich selbst zu isolieren, erzählt Hanssen. „Jeder tut unter den gegenwärtigen Umständen sein Bestes. Es ist unglaublich, dass selbst in diesen ländlichen Gebieten, in denen die Menschen keinen Zugang zum Internet haben, jeder weiß, dass man sich nicht die Hand geben soll und man einen Abstand von mindestens einem Meter einhalten muss.

Die Feldarbeit geht weiter

Mobiler Zaun © WWF
Mobiler Zaun © WWF

Die Arbeit in den Naturschutzgebieten geht für das Team um Lise Hanssen weiter. So werden nach wie vor Konflikte mit Löwen adressiert und die lokale Bevölkerung mit Krals (mobilen Zäunen) ausgestattet, die die Rinder und andere Nutztiere vor Angriffen von Löwen schützen.

Bei aller Vorsicht: Social Distancing sei bei den Arbeiten im Feld nicht immer möglich, erzählt Hanssen. „Bei der jüngsten Kamerafallen-Arbeit im Sobbe-Korridor und im Waldreservat war ich mit vier Community Guards vom Sobbe-Schutzgebiet, mit Melvin Lisao vom WWF Namibia und weiteren Kollegen unterwegs. Wir haben damit begonnen, ein permanentes Netz von Kameras im Korridor und im Verbreitungsgebiet aufzustellen.“

„Es fühlt sich merkwürdig an, sich nicht die Hand zu geben“, so Hanssen. „Wir saßen zusammen im Auto, verwendeten aber Handdesinfektionsmittel zwischen den einzelnen Kamerastationen.“

Seife für die Bevölkerung

Auch in Botswana ist Corona vorherrschendes Thema. Die Region befindet sich seit Anfang April in einem Lockdown. Der Bevölkerung mangelt es für die so wichtige Handhygiene oft an so vermeintlich einfachen Dingen wie Seife. Doch die Löwenwächter vor Ort, die derzeit nur eingeschränkt arbeiten können, kümmern sich um die Bevölkerung.

Löwenwächter verteilen Seife © WildCRU
Löwenwächter verteilen Seife © WildCRU

Wir haben es geschafft, mehr als 500 Stück Seife in das Dorf Khumaga und zu den Vieh-Hirten zu liefern. Die Löwenwächter (lion guardians) arbeiteten sehr hart daran, auch in entlegene Gebiete zu gelangen und sie zu verteilen“, erzählt Jess Isden vom Trans-Kalahari Predator Programm, mit dem der WWF in Botswana zusammen arbeitet.

„Weil wir aufgrund der Situation nicht wie im Normalfall arbeiten können, haben einige unserer Löwenwächter derzeit bezahlten Urlaub. Ansonsten kommunizieren wir täglich und nutzen die Zeit, um Infomaterial weiterzugeben, das die Ranger zu Hause lesen können. Wir planen außerdem neue Workshops für die Gemeinden,“ berichtet Jess Isden weiter.

Die Arbeit von Lise Hanssen, Jess Isden und den anderen Naturschützer:innen geht weiter, auch unter den durch Corona erschwerten Bedingungen. Denn eine harmonische Koexistenz der Wildtiere und der lokalen Bevölkerung ist wichtig für den Erfolg von Naturschutzarbeit – für die Zukunft der Menschen und der Wildtiere.

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