Update: Juli 2020

Ein weiterer Monat trauriger Rekorde für den Amazonas-Regenwald. 6.803 Mal hat es im Juli in der Amazonas-Region gebrannt. Ein Anstieg um 28 Prozent im Vergleich zum Vormonat. Allein am 30. Juli brannte es im Amazonasbecken mehr als 1.000 Mal – so oft brannte es an nur einem Tag zuletzt vor 15 Jahren. Für die Analyse wertet die nationale brasilianische Weltraumagentur Inpe Satellitenbilder des DETER-Systems (Real-Time Deforestation Detection System) in Echtzeit aus.

Auch innerhalb von Naturschutzgebieten ist die Lage verheerend – um mehr als 50 Prozent sind die Brände hier im Vergleich zum Vormonat gestiegen. Grund für die Feuer sind zum Großteil illegale Brandrodungen. Diese Art der Landgewinnung wurde zwar per Dekret vorübergehend verboten, doch solche Regelungen sind nur wirksam, wenn sie auch durchgesetzt werden.

Der WWF und andere Umweltschutzorganisationen befürchten, dass 2020 das schlimmste Jahr für den größten Regenwald der Erde werden könnte. 

Update: Juni 2020

Seit 13 Jahren wurden in einem Juni nicht mehr so viele Brände im brasilianischen Amazonas gezählt, 18,5 Prozent mehr als 2019. Allein in den ersten fünf Monaten dieses Jahres gingen 2.000 Quadratkilometer Wald verloren – 49 Prozent mehr als im Durchschnitt der letzten vier Jahre. Und die Trockensaison beginnt gerade erst. 20 Prozent des Amazonas-Regenwalds sind in den letzten Jahrzehnten bereits vernichtet worden.

Die Entwaldung ist auch politisch gewollt. Die Regierung um Präsident Bolsonaro verzögert die Bekämpfung der Brände und möchte die Interessen der Agrar-Lobby durchsetzen.

Unterstützen Sie den WWF im Kampf um den Amazonas

Der WWF hat in den vergangenen Monaten viel getan: lokale Förster wurden geschult und ausgerüstet, so dass inzwischen 55 Mio Hektar überwacht werden können. Über Partnerschaften mit lokalen Organisationen konnten über 100.000 Menschen erreicht werden. Und zuletzt bekamen 30.000 Menschen, darunter viele Indigene, Nahrungsmittel, Hygieneprodukte und Ausrüstung.

Es ist noch viel zu tun: Unterstützen Sie uns weiter bei der Arbeit vor Ort – und erhöhen wir den Druck auf die deutsche Wirtschaft, ihre Lieferketten entwaldungsfrei zu gestalten! Wir brauchen den Amazonas – für den Artenschutz, aber auch um unsere internationalen Klimaziele zu erreichen.

„Der Amazonas steuert auf eine existenzielle Katastrophe zu. 2019 hatten wir die höchste Zerstörung seit zehn Jahren und nun deutet alles darauf hin, dass 2020 ein noch schlimmeres Jahr für den Regenwald wird. Erreichen wir nicht bald eine Trendumkehr, könnte der Amazonas langfristig verloren gehen.“

Roberto Maldonado, Brasilien-Referent beim WWF Deutschland

Helfen Sie uns und setzen Sie sich für den Amazonas ein

Dafür setzen wir uns ein, um den Amazonas auch langfristig zu schützen:

  • Wir bilden weiter Förster aus und verschaffen ihnen die notwendige Ausrüstung.
  • Wir unterstützen die indigenen Gemeinschaften – besonders in der Corona-Krise – materiell und durch Ausbildung.
  • Wir üben Druck auf die Bundesregierung und die EU aus, um das Freihandelsabkommen Mercosur zwischen der EU und Südamerika nachzuverhandeln.
  • Wir wollen keine Agrarprodukte aus illegal gefälltem Regenwald. Dafür müssen wir Druck auf deutsche Unternehmen ausüben. Sie müssen die Lieferketten überprüfen.
  • In Brasilien und den anderen Amazonas-Anrainerstaaten wie Bolivien und Kolumbien setzen wir uns dafür ein, dass Schutzgebiete und indigene Territorien weiterhin bestehen bleiben.
  • Wir fordern, dass keine umweltrelevanten Gesetze abgeschwächt werden.
Feuer in Bolivien © Suri Rolando Cabrera Barea / WWF Brasilien
Feuer in Bolivien © Suri Rolando Cabrera Barea / WWF Brasilien

Auch in Bolivien ist die Lage dramatisch. Im März und April 2020 wurden im waldreichen Departamentos Santa Cruz mehr als doppelt so viele Feuer gezählt wie 2019. Und internationale Satellitendaten zeigen, dass in ganz Bolivien während der Corona-Epidemie die vernichtenden Feuer weiter zunehmen. Auch in Bolivien hat die Waldvernichtung neben einer sich verstärkenden Trockenheit politische und ökonomische Gründe.

Dabei konnte in den letzten Monaten viel erreicht werden:

  • Parkranger in den Schutzgebieten wurden ausgerüstet.
  • Indigene Gemeinschaften wurden gegen Feuer ausgerüstet und geschult.
  • Über 2.000 indigene Familien wurden mit über 5 Tonnen Nahrung, Wasser und Medizin versorgt.
  • Wasserpumpen wurden repariert und Tanks angeschafft.
  • Ein Zentrum für die Rettung und Versorgung von Tieren erhielt Nahrung, Medikamente und Saatgut.

Doch die Wälder, Menschen und Tiere in Bolivien benötigen weiter unsere Hilfe. Der WWF möchte ein Netzwerk unter Beteiligung aller vor Ort lebenden und arbeitenden Menschen aufbauen, um die Gebiete besser vor Feuer zu schützen. Das Tierrettungszentrum und die indigenen Gemeinschaften müssen weiterhin mit Nahrung und Medikamenten unterstützt werden.

Verbrannter Kaiman © Edmar Pereira Melo / WWF Brasilien
Verbrannter Kaiman © Edmar Pereira Melo / WWF Brasilien

Im kolumbianischen Amazonasgebiet wächst die Entwaldung rasant. Allein von Januar bis Juni 2020 gingen 762 Quadratkilometer Wald verloren, fast so viel wie im ganzen Jahr 2019. Die „Entwaldungsmafia“ nutzt die starke Dürre aus, um Wälder in Brand zu setzen und den Weg für Vieh, Straßen und Koka frei zu machen. Auch der Lockdown während der Corona-Krise brachte keine Verbesserung – im Gegenteil. Besonders tragisch: Auch aus den Schutzgebieten, wie Chiribiquete, dem größten tropischen Nationalpark der Welt, und der Heimat von zum Teil isoliert lebenden Indigenen wird eine Vernichtung von Wäldern gemeldet.

Der WWF hat in Kolumbien bewiesen, dass durch eine Doppelstrategie die Entwaldung effektiv verringert werden kann: Durch die Einrichtung von Schutzgebieten und die Ausrüstung und Ausbildung von Forest Guardians, zum Teil bestehend aus ehemaligen Holzfällern, ging die Entwaldung um 50 Prozent zurück! Wir müssen diese Arbeit fortsetzen. Helfen Sie uns, den Wald zu schützen.

  • Regenbogen über dem Juruena Fluss © Adriano Gambarini / WWF Brasilien Amazonas

    Die Vernichtung von Regenwäldern für die endlosen Weideflächen der Rinderrancher, die Holzgewinnung und die nachrückende Agrarindustrie mit ihren Hauptprodukten Soja und Zuckerrohr zählen zu den größten Bedrohungen am Amazonas. Weiterlesen ...