Sie sind wahre Klimahelden, doch die Erderhitzung bringt sie in große Bedrängnis: Elefanten. Schon jetzt sind die grauen Riesen gezwungen, weiter und weiter zu wandern, um Wasser und Nahrung zu finden. Ungewiss ist, wie lange sie in der Lage sind, sich den Folgen der Klimakrise anzupassen. Es ist höchste Zeit, zu handeln.

Weite Wanderungen ohne Wasser

Elefantenherde auf Wanderung © Dietmar Rauscher / GettyImages
Elefantenherde auf Wanderung © Dietmar Rauscher / GettyImages

Durstig stecken die Elefantenkälber ihre Rüssel ins trübe Nass, während die Kühe sich suchend umschauen. Seit Generationen hat die Herde an dieser Stelle verlässlich Wasser gefunden – bis jetzt. Dass afrikanische Savannenelefanten durstig weiterziehen müssen, ist schon heute Realität. Mit der Klimakrise werden sich derartige Situationen immer häufiger abspielen.

Immer mehr natürliche Wasserquellen versiegen. Dürren, aber auch Überschwemmungen, ereignen sich öfter. Die Erderhitzung hat so auch für die eigentlich robusten, anpassungsfähigen Elefanten fatale Folgen.

Tödliche Begegnungen auf Nahrungs- und Wassersuche

Durch die Erderhitzung verändern sich Lebensräume immer stärker und werden den Bedürfnissen der Tiere nicht mehr gerecht – wie bei den afrikanischen Waldelefanten, den kleineren Verwandten der Savannenelefanten.

Auch ihr Zuhause gerät aus dem Gleichgewicht:  Die tropischen Regenwälder Afrikas werden nicht nur kleiner, die Bäume tragen auch weniger Früchte. So zeigt eine Studie aus Gabun, dass die Menge der Früchte in einem Naturschutzgebiet zwischen 1986 bis 2018 um 81 Prozent zurückgegangen ist. Die Dickhäuter benötigen Früchte jedoch als energie- und nährstoffreiche Nahrung. Zudem ist die körperliche Verfassung der Waldelefanten in den letzten zehn Jahren deutlich schlechter geworden, was sie anfälliger für Krankheiten macht.

Elefantenspuren im geplünderten und zertrampelten Feld © WWF / Folke Wulf
Elefantenspuren im geplünderten und zertrampelten Feld © WWF / Folke Wulf

Viele Tiere – ob Savannen- oder Waldelefanten – müssen deshalb, um zu überleben, in neue Gebiete ausweichen. Dabei geraten sie regelmäßig mit Menschen in Konflikt, mit teils tödlichen Folgen für Mensch und Tier.

Die Dickhäuter zertrampeln Felder, vertilgen Ernten und trinken aus Brunnen in Siedlungsgebieten. Der Schaden, den sie verursachen, bedroht nicht selten die Existenz der lokalen Bevölkerung, die so kaum Verständnis dafür hat, Elefanten zu schützen. Ein massives Dilemma, denn für erfolgreiche Naturschutzarbeit sind die Menschen vor Ort unverzichtbar.

Elefantenschutz ist Klimaschutz

Elefanten sind wahre Klimahelden. Indem sie mit ihren Hinterlassenschaften Pflanzensamen und Nährstoffe verteilen, sorgen die grauen Riesen nicht nur für Artenvielfalt. Vor allem Waldelefanten lichten dichtes Gehölz und machen es möglich, dass sich die verbliebenen Bäume besser entwickeln können. In puncto Klimaschutz ist das ein enormer Vorteil, denn große Bäume speichern größere Mengen Kohlendioxid.

Hinzu kommt, dass Elefanten selbst Kohlendioxid speichern – je größer und betagter ein Tier ist, desto mehr Treibhausgas speichert es in seinem Körper.

„Regenwald und Savanne würden ohne Elefanten ganz anders aussehen. Es würde dort bei Weitem nicht so viele Tier- und Pflanzenarten geben. Elefanten spielen deshalb eine Schlüsselrolle für die Erhaltung der biologischen Vielfalt.“

Dr. May Hokan, Afrika-Expertin beim WWF Deutschland

Vereinte Kräfte für die Elefanten

Niemand weiß, wie lange Elefanten noch in der Lage sein werden, sich den Folgen der Erderhitzung und den daraus resultierenden drastischen Veränderungen ihrer Lebensbedingungen anzupassen. Deshalb ist es höchste Zeit, den großen grauen Klimaschützern zu helfen.

Der WWF setzt sich weltweit für Elefanten ein und beteiligt dabei Nationalparks, Politik und die lokale Bevölkerung.

Elefanten am Wasserloch im Tsavo East-Nationalpark in Kenia © Juozas Cernius / WWF-UK
Elefanten am Wasserloch im Tsavo East-Nationalpark in Kenia © Juozas Cernius / WWF-UK

Damit Elefanten ungestört wandern können, entstehen zum Beispiel in der Naturregion Unganisha, im Kavango-Zambesi-Schutzgebiets-Netzwerk sowie im Kongo Korridore, die die einzelnen Schutzgebiete verbinden. Die so entstehenden großen Naturräume erlauben den Elefanten, sich den Veränderungen durch die Klimakrise besser anzupassen.

Korridore schaffen mehr Lebensraum. Sie verhindern Konflikte zwischen Mensch und Tier und sorgen dafür, dass Elefanten Wasserquellen erreichen können, ohne Siedlungsgebiete durchqueren zu müssen.

Außerdem ermöglichen Korridore, dass sich Elefanten-Populationen besser durchmischen und so ihre Widerstandskraft wächst, um den Auswirkungen der Klimakrise trotzen zu können.

„Die Vernetzung von Schutzgebieten ist fundamental, um die Resilienz der Tiere zu verbessern. Große länderübergreifende Schutzgebietskomplexe sichern langfristig das Überleben der Elefanten.“

Dr. Thomas Breuer, Waldelefanten-Experte beim WWF Deutschland

Nachhaltige Landwirtschaft in Kenia © Jonathan Caramanus / Green Renaissance / WWF-UK
Nachhaltige Landwirtschaft in Kenia © Jonathan Caramanus / Green Renaissance / WWF-UK

Genauso wichtig für erfolgreiche Naturschutzarbeit ist die Unterstützung der lokalen Bevölkerung. Die Menschen vor Ort erhalten Hilfe bei der Einführung nachhaltiger Landwirtschaft und beim Schutz ihrer Felder. Chilli-Bomben auf Feldern oder Klingeln und LED-Lichter an Zäunen von landwirtschaftlichen Nutzflächen zeigen den Elefanten sanft „Betreten verboten“.

Gleichzeitig entstehen Wasserstellen – offene Quellen für die durstigen Dickhäuter, weit genug entfernt von Siedlungsgebieten, genauso wie geschützte Wassertanks für Schulen und Gemeinden.

Klima schützen. Leben retten.

Mensch und Natur in Einklang zu bringen, wird mit der Klimakrise immer schwieriger. Elefanten werden unsere Hilfe so dringend benötigen wie nie zuvor. Dabei stehen sie schon heute auf der Roten Liste: Die mächtigen afrikanischen Savannenelefanten gelten als „stark gefährdet“, während die Waldelefanten bereits „vom Aussterben bedroht“ sind. Umso wichtiger ist es, zu handeln, bevor es zu spät ist. Für das Klima und die Elefanten. Helfen Sie jetzt mit Ihrer Spende!