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Geisterglaube und PlastikhorrorSchrecklich schön: Die Tropeninsel Con Dao

Vor allem nachts und bei Vollmond wird es voll auf dem Heldenfriedhof Hang Duong der Insel Con Dao: Tausende Pilger bringen Blumen, Räucherstäbchen und Opfergaben. Con Dao galt früher als berüchtigte Teufelsinsel. Politische Gefangene, vor allem junge Männer, waren hier während der französischen Kolonialzeit und im Vietnamkrieg eingekerkert. Sie wurden grausam gefoltert und an die 20.000 Gefangene fanden hier den Tod. Die Geister der jungen Toten, so der Glaube, verbreiten Kraft. Wer sie nachts auf dem Friedhof besucht, hofft, dass die Energie sich überträgt.


Heute hat die frühere Teufelsinsel mit ganz neuen Dämonen zu kämpfen. Eine gigantische, teils verölte Plastikmüllflut wälzt sich Tag für Tag an die Palmen gesäumten Traumstrände. Ranger und Nationalparkleitung sind machtlos. Hinh Hue ist stellvertretender Nationalparkdirektor auf Con Dao. Er ist studierter Forstwirt und arbeitet seit 1988 auf der Insel. Die WWF-Asien- und Plastik-Experten Dr. Stefan Ziegler und Dr. Bernhard Bauske haben ihn im Februar 2019 auf ihrer Reise in das mögliche neue WWF-Projektgebiet getroffen.

Warum sind Sie nach Con Dao gekommen?

Hinh Hue, stellvertretender Nationalparkdirektor auf Con Dao © Hinh Hue
Hinh Hue, stellvertretender Nationalparkdirektor auf Con Dao © Hinh Hue

Hinh Hue: Wegen der wundervollen Natur, der guten, frischen Luft und der großen Biodiversität. In den Regenwäldern hier leben sehr seltene und wertvolle Vogelarten wie die Zweifarben-Fruchttaube, die Nikobaren-Kuckuckstaube oder der Rotschnabel-Tropikvogel und es gibt knapp 900 verschiedene Pflanzenarten. Und die Leute hier sind sehr freundlich.

 

Sie sind seit über 30 Jahren auf der Insel, wie sieht ein typischer Arbeitstag aus?

Meistens arbeite ich von 7 Uhr morgens, bis circa 18 Uhr abends, mit Mittagspause. Es ist viel Büroarbeit, aber ich gehe auch raus in den Regenwald oder tauche im Meer, um zu schauen, wie es um unsere wertvolle Natur hier steht. 80 Prozent der 16 Inseln von Con Dao sind Nationalpark und Meeresschutzgebiet. Oft bin ich mit den Rangern unterwegs und schaue, wie viel und wo neuer Müll angelandet ist und wo überall. Am Wochenende bin ich auch unterwegs auf den unbewohnten Inseln und Stränden im Nationalpark.

 

Was ist besonders schützenswert hier?

Con Dao hat eine ganz großartige Pflanzen- und Tierwelt mit vielen seltenen, wertvollen Arten, die nur hier leben. An den Riffen gibt es über 200 Korallenarten und ebenso viele Arten von Korallenfischen sowie Meeresschildkröten und die seltenen Dugongs, die Gabelschwanzseekühe. Unsere Ökosysteme sind unbedingt schützenswert und auch wissenschaftlich und wirtschaftlich interessant. Außerdem hat die Insel als ehemalige Gefängnisinsel der Kolonialzeit auch eine große historische Bedeutung.

Wie sah die Insel früher aus, als Sie angefangen haben hier zu arbeiten?

Es war ein unberührtes Fleckchen Erde, sauber mit einer ganz phantastischen biologischen Vielfalt. Damals haben hier gerade mal 2.000 Menschen gelebt.

 

Wann hat das Müllproblem auf der Insel angefangen?

Das gibt es schon lange, der Müll hat sich über die Jahre einfach massiv angesammelt. Und in den letzten Jahren ist es immer schneller immer mehr geworden, weil wir den Müll hier nicht ordentlich entsorgen können.

 

Von wie viel Müll sprechen wir?

Der Müll hat zwei Hauptquellen. Erstens, das was das Meer hier anspült. Das sind rund 10.000 Kubikmeter im Jahr. Und davon landen circa 5.000 Kubikmeter auf den Flächen des Nationalparks. Dazu kommt der Müll, der täglich auf den Inseln anfällt. Nach unserer Rechnung sind das um die 50 Kubikmeter am Tag, 1.500 Kubikmeter jeden Monat.

 

Was ist das für Müll?

Das meiste ist Plastikmüll: Flaschen, Verpackungen und viel Müll von Fischern, also zerrissene Netze und Taue vor allem. Hauptsächlich liegt das Zeug an unseren Stränden herum, es verfängt sich in den Mangroven, die sind voller Plastikmüll. Und wir bringen einiges auf eine Deponie in Bai Nhat auf der Insel Con Son, sie gehört auch zum Con-Dao-Archipel. 

Was tun Sie gegen den vielen Müll? 

Wir organisieren Sammelaktionen. Da machen viele Inselbewohner freiwillig mit. Wir sammeln und verbrennen den Müll. Aber es ist viel zu viel. Wir schaffen gar nicht, das alles einzusammeln. Deshalb räumen wir jetzt hauptsächlich nur noch den Müll von den Niststränden der Meeresschildkröten weg. Und von den Touristenstränden.

Wie fühlen Sie sich, wenn Sie diese riesigen Müllmassen hier sehen?

Es macht mich traurig, dass Con Daos Natur immer mehr verdreckt, vor allem von dem Müll, der vom Meer kommt. Wir würden es so gerne beenden. Aber wir schaffen es nicht. Wir haben nicht die Kapazitäten. Besonders schlimm ist es, wenn die Tiere verenden. Wenn ich tote Meeresschildkröten am Strand finde. Eine hatte Plastik im Körper, eine Nylontasche. Das war für mich ganz furchtbar schockierend.

Was passiert, wenn immer mehr Plastikmüll im Ozean schwimmt? 

Meine größte Sorge ist, dass der Ozean eines Tages tot ist, ein Ort, wo Tiere und Pflanzen nicht mehr leben können. Das wird auch das Leben der Menschen bedrohen.

 

Was muss sich ändern?

Die Menschen müssen verstehen, was Plastikmüll bedeutet, sie müssen ihr Verhalten ändern, ihren Müll nicht einfach in die Gegend schmeißen. Und umweltfreundlich einkaufen. Vor allem dürfen wir kein Einweg-Plastik mehr benutzen.

Ozeanretter werden © WWF

Wie sehen die Einwohner von Con Dao das Problem?

Die Menschen hier wissen, was der Müll mit unseren Inseln macht, wie sehr die Umweltverschmutzung ihr Leben beeinflusst und auch die Entwicklung von Con Dao. Deshalb machen viele mit bei den großen clean-ups, den Müllsammelaktionen, die von den lokalen Behörden organisiert werden. Und bei den Aufräumaktionen im Nationalpark auch. Wir kümmern uns zwei Mal im Jahr vor allem um das Müllsammeln an den Stränden.

 

Was sagen eigentlich die Touristen?

Die sind natürlich besorgt, aber auch die Medien, die Zeitungen schauen inzwischen sehr besorgt auf das Müllproblem von Con Dao.

 

Wie wichtig wäre internationale Hilfe?

Internationale Unterstützung durch Organisationen wie den WWF wäre sehr hilfreich, es verstärkt unsere Möglichkeiten. Wir könnten mehr erreichen in puncto Bewusstseinswandel, mehr aufklären, damit sich das Verhalten ändert. Und natürlich das Mülltrennen und -sammeln verbessern und Lösungen finden für eine für uns passende, saubere Müllverarbeitung.

 

Weltweit gehen hundertausende Schüler auf die Straße bei den „Fridays for Future“-Demonstrationen gegen die globale Erderwärmung und für eine saubere Zukunft. Lässt Sie das hoffen?

Ja, ich habe davon gehört, aber solche Demonstrationen gibt es nicht hier auf Con Dao. Ich glaube aber, dass sie dabei helfen, dass auch bei uns das Bewusstsein weiter wächst für die Gefahren der Müllverschmutzung. Die jungen Menschen auf Con Dao jedenfalls haben schon ein ziemlich gutes Umweltbewusstsein.

 

Wo sehen Sie Con Dao in 50 Jahren, wenn sich nichts ändert?

Wenn das mit dem Müll hier noch 50 Jahre so weiter geht, dann werden die Inseln kaputt gehen und das Leben ihrer Bewohner auch - in jeglicher Hinsicht. 

So können Sie helfen, die Plastikflut in Vietnam zu stoppen

Müllbehälter für Gemeinde in Vietnam © GettyImages

Mit 50 € tragen Sie beispielsweise zur Bereitstellung von Müllbehältern für Schulen und Gemeinden bei, damit der Müll korrekt gesammelt werden kann.

Müllkarren für Gemeinde in Vietnam © GettyImages

Mit 80 € können Sie zum Beispiel die Anschaffung von Müllkarren für die Gemeinden unterstützen, damit der Müll eingesammelt und abtransportiert werden kann.

Aufklärungsarbeit Vietnam © Thomas Cristofoletti / WWF US

Mit 150 € leisten Sie einen wichtigen Beitrag zur Aufklärung der Bevölkerung in Vietnam, um Druck auf die Regierungen und Unternehmen zu erzeugen.

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