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Früher Suppentopf, heute GeisternetzDie Grüne Meeresschildkröte kämpft ums Überleben

Eine sternklare, tropische Sommernacht. Sanft rauschen die Wellen an den Strand. Gegen zwei Uhr nachts beginnt das einzigartige Schauspiel: Langsam, beinah lautlos kriechen die imposanten Tiere aus dem Meer. Grüne Meeresschildkröten kommen zur Eiablage auf das Con-Dao-Archipel, eine Inselgruppe im Südchinesischen Meer. 

Mit ihren hinteren Flossen graben sie stundenlang tiefe Nester in den Sand, um dann bis zu 115 tischtennisballgroße Eier hinein zu legen. Doch nur die wenigsten Baby-Schildkröten werden überleben. Warane, Seevögel, Raubfische und nicht zuletzt die wachsende Plastikmüllflut sind vor allem für die Jungtiere eine tödliche Gefahr.

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Jede zweite Meeresschildkröte hat Plastik im Körper

Das Con-Dao-Archipel, etwa 100 Kilometer vor der Küste Südvietnams gelegen, ist mögliche neue Projektregion des WWF. Denn hier liegen Vietnams wichtigste Niststrände für die stark gefährdete Grüne Meeresschildkröte. Doch die idyllischen Inseln sind von Plastikmüll überflutet. Das Meer spuckt mit jeder Welle neuen teilweise verölten Müll auf die Strände. Was die Ranger heute wegräumen, ist tags darauf in doppelter Menge wieder da. Der Müll stammt auch aus dem über 200 Kilometer entfernten Mündungsdelta des Mekong.

Zwischen Styroporresten, leeren Shampooflaschen und kaputten Eimern haben Nationalpark-Ranger auf Con Dao auch angespülte Palmen gefunden, die am Ufer des Mekong wachsen. Die gigantischen Plastikmüllmengen bedrohen das Überleben der letzten Grünen Meeresschildkröten Vietnams. Die friedlichen Riesen sterben qualvoll, weil sie sich in zerfetzten Fischernetzen verheddern oder scharfkantige Plastikeile ihre Darmwand durchlöchern. Oder weil in ihren Nahrungsgründen, den Seegraswiesen, Folien und Plastiktüten schweben, die sich in ihrem Magen-Darm-Trakt zu tödlichen Knäueln verschlingen.

Ranger als Hebammen: Die Schildkröten-Brutstation

Doch der Überlebenskampf der Grünen Meeressschildkröten beginnt schon lange vor ihrer Geburt. Bei der nächtlichen Eiablage an den Stränden von Con Dao geht es los: Etwa 200 bis 300 Weibchen, deren Reise sich mit GPS-Sendern nachvollziehen lässt, schwimmen jedes Jahr zur Eiablage an den Ort zurück, an dem sie selbst Jahrzehnte zuvor geschlüpft waren. Weil viele Weibchen zur Hochsaison im Juni/Juli gleichzeitig ankommen, wird es teilweise rappelvoll an den ohnehin schmalen Stränden. Nicht selten buddelt ein bis zu 180 Kilogramm schweres Tier sein Nest genau dort, wo bereits andere Eier 30 bis 50 Zentimeter tief unter dem Sand liegen. Immer wieder gehen dabei kostbare Gelege zu Bruch.

Besonders traurig ist, dass die Niststrände auf Con Daos Inseln stark erodieren - warum, das weiß bisher niemand. So wird der Brutplatz immer knapper. Die Ranger von Con Dao haben deshalb sichere Brutstationen eingerichtet. Gemeinsam mit freiwilligen Helfern graben sie die Nester nach jeder Eiablage-Nacht sorgfältig aus und betten sie um, in ein umzäuntes Sandareal nahe beim Niststrand. Dort sind die wertvollen Schildkröten-Eier während der rund 60 Tage dauernden Brutzeit auch vor hungrigen Räubern, Waranen zum Beispiel, geschützt. Sobald die Baby-Schildkröten geschlüpft sind, entlassen die Ranger sie in den Spülsaum des Meeres. In eine - angesichts des gravierenden Müllproblems im Südchinesischen Meer - mehr denn je ungewisse Zukunft.

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Verletzliche Riesen - vor Müll kann kein Panzer schützen

Nur etwa eine Grüne Meeresschildkröte aus 1.000 Eiern überlebt die ersten zehn Jahre und wird geschlechtsreif. Vor allem unerfahrene Jungtiere sind laut einer aktuellen australischen Studie am stärksten gefährdet, an versehentlich verschlucktem Plastik zu verenden. Das liegt vermutlich daran, dass sie oft dort auf Nahrungssuche gehen, wo besonders viel Müll treibt. Küstennah und an der Wasseroberfläche. Die Forscher hatten knapp 250 tote Schildkröten untersucht. Eine hatte unvorstellbare 329 Plastikteile im Körper! Andere waren an nur einem einzigen, scharfkantigen Stück Plastik innerlich verblutet, das sich durch ihre Innereien gebohrt hatte. Die australische Studie belegt: Wenn eine Schildkröte mehr als 14 Plastikteile verschluckt hat, liegt ihre Überlebenschance nur noch bei 50 Prozent. Je höher die Anzahl der verschluckten Plastikteile, umso wahrscheinlicher der Tod. Besonders verhängnisvoll: Meeresschildkröten sind anatomisch sehr anfällig für das Ansammeln von Plastikmüll. Die Tiere können sich nicht erbrechen. Und in ihrem verschlungenen Magen-Darm-Trakt

lagern sich die unverdaulichen Teile ab, ohne ausgeschieden zu werden. Sie wachsen zu einem immer größeren, am Ende tödlichen Hindernis heran.

 

Jedes Jahr während der Nistsaison werden allein an Con Daos Stränden vier bis fünf tote Meeresschildkröten angespült. Schuld ist hier vor allem die Fischerei: Immer wieder fahren Boote durch ausgestellte Netze und zerfetzen sie mit ihren Schiffsschrauben. Die Schildkröten verfangen sich mit den Flossen in den Netzteilen und ertrinken qualvoll, weil sie nicht mehr zum Atmen an die Meeresoberfläche schwimmen können. Oder die Netze wickeln sich um Kopf und Maul. Die Tiere ersticken oder verhungern. Meist sind es keine riesigen Geisternetze, in denen sich die Meeresschildkröten verheddern, sondern kleinere, wenige Quadratmeter große Fragmente von Netzen. Sie treiben tausendfach durchs Meer, hängen an Riffen oder bedecken die Seegraswiesen. Auch zahllose, am Strand angespülte, verknäulte Netzfragmente zeugen davon.

Blutige Souvenirs aus Schildkrötenpanzer

Der Leidensweg der Grünen Meeresschildkröte ist schon jahrhundertealt. Und leider ist er noch lange nicht zu Ende. Früher wurden die Tiere als Delikatesse gehandelt – als Suppenschildkröte. Oder als lebender Proviant mitgenommen auf lange Schiffspassagen während der Blütezeit der Segelschiffe. Dass die Grünen Meeresschildkröten inzwischen geschützt sind, ändert nichts daran, dass ihr Überleben mehr denn je bedroht ist. Zu dem gigantischen Plastikmüllproblem im Meer

kommen skrupellose Geschäftemacher an Land. Auf dem Papier ist es zwar verboten, mit Meeresschildkröten zu handeln, sie zu verkaufen oder zu kaufen. Aber leider sind die Kontrollen in Vietnam nicht streng genug. Weibliche Meeresschildkröten bringen etwa 1.000 US-Dollar, ein einzelnes Ei immerhin sieben Dollar. Aus dem Schildkrötenpanzer werden in der Touristenstadt Nha Trang Souvenirs hergestellt und an chinesische Händler verkauft.

Das Müllproblem an der Wurzel packen

Doch wie kann Con Daos einzigartige Natur, das umliegende Meeresschutzgebiet und mit ihm die Grüne Meeresschildkröte gerettet werden? Langfristiges Ziel des WWF ist es, die aus dem Mekong-Delta angeschwemmten Plastikmüllfluten bereits an der Quelle zu stoppen. Durch umfassende, nachhaltige Müllentsorgungsprojekte, wie das aktuell modellhaft erprobte Verfahren in Long An im Mekong-Delta. Bis dahin wird es nötig sein, den auf dem Con-Dao-Archipel angespülten und sich in den Mangroven verfangenden Müll umfassend und umweltgerecht zu entsorgen. Häufig ist das angespülte Plastik stark verölt und damit Sondermüll und müsste eigentlich auf dem Festland deponiert oder thermisch verwertet werden.

Aktuell wird der Müll - wenn überhaupt - einfach im Naturschutzgebiet offen verbrannt. Weil sie die enormen Müllmengen nicht in den Griff bekommen, beschränken die Ranger ihre Sammelaktionen inzwischen auf die Niststrände der Schildkröten und auf die besonders touristischen Strände. Und auch die Fischer rund um Con Dao lassen leider einiges an Müll im Ozean zurück: Kaputte Eimer, verlorene Netze, zerrissene Angelschnüre, Taue, Fischergerät. Für sie muss daher dringend eine Möglichkeit geschaffen werden, ihren Müll im Hafen abzugeben. Und damit insgesamt das Plastikmüll-Aufkommen auf Con Dao geringer wird, braucht auch die Touristikbranche strenge Regeln. Ein erster wichtiger Schritt wäre es, ein Pfandsystem für Plastikflaschen einzuführen.

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