Einen Park von der Größe Salongas zu überwachen, das geht eigentlich nicht. Die Ranger müssen die letzten 1.600 Elefanten, rund 15.000 Bonobos und andere seltene Tiere vor Wilderern beschützen. 300 Männer und Frauen sind hier von der Regierung als Ranger angestellt. Sie bewachen ein Gebiet von 35.000 Quadratkilometern, so groß wie Baden-Württemberg. Wenn es sie nicht gäbe, wären die Tiere von Salonga an die Wilderei verloren, das weiß jeder.

Die Ranger sind oft wochenlang auf Patrouille im wegelosen Dschungel unterwegs. Schlecht ausgerüstet, zu Fuß oder auf Pirogen – den traditionellen Booten der Region. Es ist eigentlich nur ein ausgehöhlter Baumstamm. Komfort, das heißt hier eine Zeltplane, um nicht ständig vom Regen durchnässt zu werden.

Es ist ein aufreibender, gefährlicher Job. Nicht nur wegen der Wilderer. Im Wald kann sich jeder verstecken, der Grund dazu hat. Der jahrelange Krieg im Kongo hat dafür gesorgt, dass überall Waffen zirkulieren. Auch Begegnungen mit den Waldelefanten sind nichts für schwache Nerven.

Die Tapfere: Silvie

Silvie ist seit fünf Jahren Rangerin und geht regelmäßig auf Patrouille. Meist ist sie die einzige Frau im Team. Die Patrouillen dauern zwischen einer und drei Wochen. Hart ist es für sie, wenn sie ihre Periode hat.

Und manchmal fällt es ihr schwer, mit dem Tempo der männlichen Kollegen mitzuhalten. Silvie wurde schon einige Male von Skorpionen oder Schlangen gebissen. Aber das bringt sie nicht von der Arbeit ab.

Mit ihren rosa Sandalen, ihrem Glauben an Gott und einem alten Gewehr zieht sie immer wieder los, auf Patrouille in den Dschungel. Um die Wilderer vom Töten abzuhalten.

Der Alte: Papa Moindo

„Papa Moindo, Papa Moindo“ rufen Jung und Alt, wenn der greise Ranger erscheint. Seit 40 Jahren ist er angestellt im Park. Und damit einer der ältesten Ranger hier.

Papa Moindo liebt seine Arbeit. Doch seit einigen Jahren kann er nicht mehr auf Patrouille gehen, seine Gesundheit macht nicht mehr mit. Lungenschmerzen und Erschöpfung sind zu groß. Darum arbeitet Papa Moindo jetzt als Wächter im Hauptquartier der nationalen Naturschutzbehörde. „Ich liebe meine Arbeit“ sagt er wehmütig.

Aber Papa Moindo ist müde. Und alt. Darum hofft er, dass er bald in Rente gehen darf und seine Kinder für ihn übernehmen.

Der Chef: Lucien Lokumu

Lucien Lokumu ist der Chef der Ranger. Er ist dafür verantwortlich, zehntausende Quadratkilometer Regenwald ohne Straßen, ohne ausreichende Ausrüstung, ohne funktionierendes Netz zu überwachen. Seine Ranger auszubilden, seine Ranger zu motivieren trotz des harten Jobs und der geringen Bezahlung.

Doch Lokumu geht die Schwierigkeiten unermüdlich an. Zum Schutz der Biodiversität, sagt er mit voller Überzeugung. Denn die, und das sollen alle Menschen verstehen, ist einzigartig hier und muss bewahrt werden.

Wenn es die Ranger nicht gäbe, wären die Tiere des Parks an die Wilderei verloren.

Ranger: Die Wächter des Waldes

Ranger im Wald © Karine Aigner / WWF-US
Ranger im Wald © Karine Aigner / WWF-US

Die Ranger riskieren täglich ihr Leben für die Natur, für die Tiere. Wer, wenn nicht sie, soll sich den bewaffneten Wilderern in den Weg stellen?

Von außen betrachtet ist die Arbeit der Ranger heldenhaft. Für die Menschen vor Ort ist das leider nicht ganz so eindeutig.

Für sie sind die Ranger der Naturschutzbehörde ICCN in ihren Uniformen vor allem „Repräsentanten des Staates“ – so ziemlich die einzigen, die man hier zu Gesicht bekommt.

Sie haben Waffen. Sie sind mächtig. Sie schützen den Park. Das heißt, es ist ihr Job, die Menschen daran zu hindern, im Park zu jagen, zu fischen oder zu sammeln. Dies führt zu Konflikten, Streitigkeiten und mitunter Gewalt. Der WWF will natürlich, dass jede Straftat umgehend an die staatlichen Instanzen übergeben wird. Doch wie können die staatlichen Stellen nachweisen, wer wo wann was getan hat? Eine anspruchsvolle Aufgabe in einem solchen Gebiet, unter solchen Umständen.

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  • Frau im Monkoto-Korridor, Salonga © Karine Aigner / WWF-US Salonga – Wald der 1000 Gesichter

    Salonga kennt kaum jemand, doch es ist der größte Tropenwaldpark der Welt – in einem geschundenen Land. Weiterlesen ...

Credits

Verantwortliche Gesamtleitung: WWF/Marco Vollmar & Astrid Deilmann
Idee/Umsetzung/Videoproduktion: WWF/Anne Thoma & Gesa Labahn
Texte: WWF/Oliver Samson
Bildredaktion: WWF/Anja Bertuch und Paul Brandes
Produktionsassistenz: Cedric Longanga & Local WWF/ICCN Office Salonga