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Stand: 10.08.2017

WWF-Artenlexikon

Afrikanischer Savannenelefant (Loxodonta africana africana)

Lebensraum Savannenlandschaften wie Grasländer, Buschländer und Trockenwälder, aber auch Regenwälder und Wüsten
Geografische Verbreitung Afrikanische Savannenelefanten kommen heute in rund 37 Ländern im subsaharischen Afrika vor.
Gefährdungsstatus Afrikanische Elefanten gelten laut Roter Liste der Weltnaturschutzunion IUCN als „gefährdet“. Dabei sind die Unterarten der Afrikanischen Savannen- und Waldelefanten gemeinsam bewertet.
Bestandsgröße Laut dem aktuellen Statusbericht über Afrikanische Elefanten der Weltnaturschutzunion IUCN aus dem Jahr 2016 zählt der Gesamtbestand inklusive der beiden Unterarten der Afrikanischen Savannen- und Waldelefanten rund 415.000 Afrikanische Elefanten.

Afrikanischer Savannenelefant

Elefanten sind die größten Landlebewesen der Welt. Dabei sind Afrikanische Savannenelefanten noch größer als Afrikanische Waldelefanten und Asiatische Elefanten. Zu den charakteristischen Merkmalen der Elefanten gehören der Rüssel, die großen Ohren und die Stoßzähne.  

Ihre Stoßzähne sind den Elefanten zum Verhängnis geworden. Sie werden schon seit Jahrtausenden kunstvoll verarbeitet. Elfenbein ist ein beliebter Rohstoff für Schnitzereien, Schmuck, Einlegearbeiten sowie luxuriöse Gebrauchsgegenstände. Im 19. Jahrhundert wurden im „Elfenbeinrausch“ ca. 20 Millionen Afrikanische Elefanten getötet. Vor knapp einhundert Jahren streiften in der Folge nur noch drei bis fünf Millionen Elefanten durch das subsaharische Afrika. Nach einer reduzierten Nachfrage am Ende des 19. Jahrhunderts und zu Beginn des 20. Jahrhunderts erreichte die Jagd nach Elfenbein in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts einen erneuten Höhepunkt. In den 1980er Jahren starben jedes Jahr um die 100.000 Afrikanischen Elefanten ausschließlich wegen ihres Elfenbeins. Um den internationalen Elfenbeinhandel zu kontrollieren und die Restbestände der Elefanten zu schützen, wurden sie daraufhin im Washingtoner Artenschutzübereinkommen CITES gelistet.

Seit dem Jahr 2007 befindet sich Afrika erneut in einer Wildereikrise, die sich bis heute weiter zuspitzt. Dabei wirkt die anhaltende große Nachfrage aus Fernost als treibende Kraft. Über die Jahre hat sich eine hoch professionelle Wildtiermafia mit einem komplexen Netzwerk aus Wilderern, Schmugglern und Händlern etabliert. Derzeit werden afrikaweit rund 20.000 Elefanten pro Jahr, also durchschnittlich ein Elefant pro halber Stunde, gewildert. Die Wilderer sind teilweise schwer bewaffnet und militärisch ausgebildet.

Systematische Einordnung

Der Afrikanische Savannenelefant gehört zur Ordnung der Rüsseltiere und zur Familie der Elefanten. Die Linie der Rüsseltiere hat sich im Laufe der Evolution schon sehr früh von den anderen Säugetieren abgespalten und umfasste insgesamt mehr als 175 Arten, darunter auch die Mammute. Die Elefanten sind allerdings die einzigen Rüsseltiere, die bis in unsere Zeit überlebt haben. Ihre nächsten rezenten Verwandten sind die Schliefer und Seekühe.

Zur Familie der Elefanten gehören heute zwei Gattungen mit je einer Art, die Gattung Loxodonta mit dem Afrikanischen Elefant (Loxodonta africana) und die Gattung Elephas mit dem Asiatischen Elefanten (Elephas maximus), die sich seit ca. 2,6 Millionen Jahren getrennt voneinander entwickelt haben.

Beim Afrikanischen Elefant gibt es zwei Unterarten, den Afrikanischen Savannenelefant (L. a. africana) und den Afrikanischen Waldelefanten (L. a. cyclotis). Derzeit wird diskutiert, ob die beiden afrikanischen Unterarten nicht sogar zwei eigene Arten der Gattung Loxodonta darstellen. Zur abschließenden Klärung stehen noch weitere Untersuchungen aus.

Merkmale

Elefanten sind die größten Landlebewesen der Welt. Dabei ist der Afrikanische Savannenelefant noch größer als der Afrikanische Waldelefant und der Asiatische Elefant. Elefanten haben einen massigen Körper, einen kurzen Hals, einen großen Kopf und kräftige Beine. Die Kopf-Rumpflänge der Afrikanischen Savannenelefanten misst von der Rüsselspitze bis zum Schwanzansatz 6 bis 7,5 Meter. Der Schwanz ist rund 1 bis 1,5 Meter lang. Die Schulterhöhe beträgt bei Männchen, den sogenannten Elefantenbullen bis zu 4 Metern und bei den Elefantenkühen bis zu 3 Metern. Ein Afrikanischer Savannenelefantenbulle kann ein Gewicht von bis zu 10 Tonnen und eine Afrikanische Savannenelefantenkuh bis zu 4,6 Tonnen erreichen. Elefanten wachsen bis ins hohe Alter. Der Größenzuwachs beträgt bei Elefantenkühen ab einem Alter von etwa 10 Jahren noch rund ein bis zwei Zentimeter pro Jahr. Bis zu ihrem Lebensende legen sie im „Erwachsenenalter“ also noch ca. 50-70 Zentimeter an Körpergröße zu. Elefantenbullen sind etwa mit 35 bis 40 Jahren ausgewachsen, nehmen aber lebenslang an Körpermasse zu. In den verschiedenen Regionen des Verbreitungsgebietes der Afrikanischen Savannenelefanten kann die maximale Körpergröße variieren.

Zu den charakteristischen Merkmalen der Elefanten gehören der Rüssel, die Stoßzähne und die großen Ohren. Bei Elefanten sind die Oberlippe und die Nase zu einem langen Rüssel umgebildet. Im ganzen Rüssel gibt es keine Knochen oder Knorpel. Er besteht ausschließlich aus Muskulatur. Tausende von Muskelsträngen ermöglichen den Elefanten eine sehr präzise Feinmotorik. Gleichzeitig ist der Rüssel extrem kräftig. Afrikanische Elefanten haben zwei Greiffinger an der Rüsselspitze. Der Rüssel dient zur Atmung, zum Riechen, zum Greifen, zum Saugen, zum Tasten, als Dusche, zur taktilen, visuellen und vokalen Kommunikation, als Schnorchel, als Waffe und als Werkzeug.

Elefanten besitzen zwei Zahntypen: Stoßzähne und Backenzähne. Die Stoßzähne sind zwei umgewandelte Schneidezähne des Oberkiefers, die bei Afrikanischen Elefanten bei beiden Geschlechtern sehr lang sind. Die der Männchen sind etwas größer als die der Weibchen und können eine Gesamtlänge von mehr als zwei Metern erreichen. Die Stoßzähne sind wurzellos. Das erste Drittel steckt im sogenannten Zahnfach innerhalb des Kiefers, die anderen zwei Drittel ragen nach vorne aus dem Maul heraus. Der basale Teil der Stoßzähne ist hohl und mit an Blutgefäßen und Nerven reichem Gewebe gefüllt. In Richtung Spitze des Stoßzahns verjüngt sich der Hohlraum. Die Stoßzähne wachsen das ganze Leben lang, bei guten Lebensbedingungen bis zu fünf Zentimeter pro Jahr. Ein einzelner Stoßzahn kann bis zu 100 Kilogramm wiegen. Die Substanz der Elefantenstoßzähne wird Elfenbein genannt. Die Stoßzähne dienen den Elefanten als Werkzeuge und Waffen.

Eine weitere Besonderheit des Elefantengebisses ist der sogenannte horizontale Zahnwechsel der Backenzähne. Die Backenzähne nutzen sich beim Zermahlen der Nahrung stark ab. In den Kieferhälften des Ober- und Unterkiefers haben Afrikanische Elefanten jeweils sechs bis sieben und insgesamt 24 bis 28 Backenzähne. Von diesen werden aber immer nur je Kieferhälfte ein Zahn und insgesamt vier Zähne benutzt. Von den hinteren Teilen des Kiefers schieben sich die jeweils vier nächsten Backenzähne kontinuierlich nach vorne bis das letzte Backenzahnset im Alter von ca. 60 bis 65 Jahren aufgebraucht ist. Die Elefanten können dann keine Nahrung mehr aufnehmen und sterben.

Die großen, dünnen und gut durchbluteten Ohren der Elefanten verfügen über eine sehr große Oberfläche. Sie dienen daher neben der Kommunikation auch der Thermoregulation. Die Form der Ohren erinnert bei Afrikanischen Savannenelefanten an die des afrikanischen Kontinents.

Der Rücken der Afrikanischen Elefanten ist konkav gebogen und wird als Sattelrücken bezeichnet. Die Schulter entspricht dabei dem höchsten Punkt des Rückens.

Alle Elefanten sind Zehenspitzengänger. Afrikanische Savannenelefanten haben an den Vorderfüßen vier und an den Hinterfüßen drei Zehen. Unter ihren Füßen und zwischen den Zehen sitzen weiche Ballenpolster aus Unterhautfettgewebe, die wie Stoßdämpfer funktionieren. Beim Laufen hinterlassen Elefanten große, runde Abdrücke. Dabei ist der Abdruck des Vorderfußes fast kreisrund während die der Hinterfüße eher oval sind.

Elefanten werden zusammen mit den Nashörnern, Flusspferden und Tapiren zu den sogenannten „Dickhäutern“ gezählt, deren Haut an manchen Stellen wie beispielsweise an den Schultern bis zu fünf Zentimeter dick sein kann. Die Haut der Afrikanischen Elefanten ist grau bis graubraun gefärbt und überwiegend unbehaart. Der dünne Schwanz endet mit einem Haarbüschel an der Spitze.

Große Tiere wie Elefanten besitzen im Vergleich zur Körpermasse eine relativ kleine Körperoberfläche. Dadurch können sie schlechter überschüssige Wärme abgeben, was die Regulation der Körpertemperatur erschwert. Bei Hitze benetzen Elefanten ihren Körper daher zur Abkühlung mit Flüssigkeit, beispielsweise durch Wasserduschen mit dem Rüssel. Regelmäßige Matsch- und Staubbäder erzeugen zudem eine Schicht aus dickem Lehm. So schützen sie sich vor der Sonneneinstrahlung, aber auch vor Insekten und Parasiten. Afrikanische Savannenelefanten besitzen besonders viele Hautfalten, die den Kühlprozess unterstützen. Sie ermöglichen es der Haut bis zu zehn Mal so viel Wasser und Matsch im Vergleich zu anderen Elefanten aufzunehmen.

Die Wandergeschwindigkeit von Elefanten beträgt bis zu sechs Stundenkilometer. Trotz ihrer enormen Körpermasse können Elefanten, wenn es sein muss, Geschwindigkeiten von bis zu 40 Stundenkilometern erreichen. Sie sind zudem gute Schwimmer. Beim Tauchen dient der Rüssel als Schnorchel.

Bei Afrikanischen Elefanten fallen einige Unterschiede im Vergleich zwischen Männchen und Weibchen auf. Die Bullen sind beispielsweise deutlich größer und schwerer als die Weibchen. Sie haben ein runderes, leicht ausgebeultes Profil des Schädels und die Bauchlinie verläuft leicht schräg von vorne oben nach hinten unten. Weibchen haben hingegen eine eher eckige Stirnpartie und eine nahezu parallel zum Boden verlaufende Bauchlinie.

Afrikanische und Asiatische Elefanten können anhand einiger Merkmale gut voneinander unterschieden werden. Afrikanische Elefanten besitzen im Verhältnis zum Kopf deutlich größere Ohren, eine konkav verlaufende Rückenlinie und zwei Greiffortsätze an der Rüsselspitze. Bei Afrikanischen Elefanten ragen sowohl bei den Männchen als auch bei den Weibchen lange Stoßzähne aus dem Maul heraus. Asiatische Elefanten besitzen im Verhältnis zum Kopf deutlich kleinere Ohren, eine konvex verlaufende Rückenlinie und nur einen Greiffortsatz an der Rüsselspitze. Bei ihnen ragen nur bei Männchen lange Stoßzähne aus dem Maul heraus. Weiterhin gibt es zahlreiche auf den ersten Blick weniger auffällige Unterschiede zwischen den beiden Arten.

Die Ähnlichkeit mit Afrikanischen Waldelefanten ist hingegen größer und es gibt wenige Merkmale, die die beiden Afrikanischen Elefanten unterscheiden. Afrikanische Savannenelefanten sind etwas größer und haben oftmals bis zu einem Meter mehr Schulterhöhe als Afrikanische Waldelefanten. Außerdem wirken bei Savannenelefanten viele Körperteile mehr oder weniger eckiger und kantiger, während sie bei Waldelefanten runder geformt sind. Im Gegenteil dazu, sind die Stoßzähne der Afrikanischen Savannenelefanten stärker gebogen als die der Afrikanischen Waldelefanten. Zudem sind die Stoßzähne der Savannenelefanten dicker als die der Savannenelefanten, ihr Elfenbein dafür aber weniger kompakt. Die Stirnpartie der Savannenelefanten ist etwas gewölbter als die der Waldelefanten. Die großen Ohren der Waldelefanten sind etwas kleiner und außerdem runder geformt als die der Savannenelefanten. Des Weiteren ist die Haut der Savannenelefanten faltiger und etwas mehr behaart als die der Waldelefanten. In den Regionen in Zentralafrika, wo sich die Verbreitungsgebiete der Afrikanischen Savannen- und Waldelefanten überschneiden, gibt es durch Hybridisierung auch Mischformen.

Lebensweise

Bei Elefanten sind Männchen und Weibchen unterschiedlich sozial organisiert. Weibliche Elefanten leben in Gruppen. Die soziale Organisation der Afrikanischen Savannenelefantenkühe gehört zu den komplexesten im gesamten Tierreich. Sie gliedert sich in die vier Stufen: Familie, Herde, Gemeinschaft und Clan. Die Zahl der Mitglieder der jeweiligen Einheiten nimmt von Stufe zu Stufe zu und die Intensität der Bindungen zwischen den Mitgliedern ab. Die engsten Verbindungen gibt es in den Familien, die aus einer Mutter und ihrem Nachwuchs, manchmal bis zu drei unterschiedlich alten Geschwistern, bestehen. Mehrere verwandte Familien schließen sich typischerweise zu matriarchalischen Herden zusammen. Eine Herde zählt bei guter Nahrungsverfügbarkeit etwa zehn Tiere mehrerer Generationen und wird von einer Leitkuh angeführt. Mehrere entfernt verwandte oder befreundete Herden bilden sogenannte Fission-Fusion-Gemeinschaften von bis zu ca. 70 Elefanten, die sich immer wieder zusammenschließen und dann wieder ihre eigenen Wege gehen. Die Mitglieder einer Gemeinschaft haben normalerweise häufigen Kontakt, können aber auch bis zu mehrere Monate über Hunderte von Kilometer voneinander getrennt sein. Bei einem Clantreffen kommen Herden von verschiedenen Gemeinschaften zusammen. In besonders nahrungsreichen Zeiten oder an guten Wasserstellen treffen sich manchmal Hunderte von Elefanten eines Clans. Es wird angenommen, dass Clantreffen das Zusammenfinden von Geschlechtspartnern erleichtern. Afrikanische Elefantenkühe sind rund um die Uhr mit ihrem Nachwuchs zusammen und verbringen durchschnittlich 80 Prozent ihrer Zeit mit Herdenmitgliedern, 50 Prozent mit Gemeinschaftsmitgliedern und 10 bis 20 Prozent mit Clanmitgliedern.

In den Herden und Gemeinschaften gibt es eine lineare Hierarchie, gegenseitige Unterstützung, Schutz vor Fressfeinden und Informationsaustausch. Der Rang eines Weibchens ist abhängig vom Alter, von der Erfahrung, Körpergröße und Sozialkompetenz. Falls ein Muttertier verstirbt, wird ihr Junges von den anderen Herdenmitgliedern aufgezogen. Die Leitkuh einer Herde ist typischerweise das älteste Weibchen mit besonders starken Bindungen zu allen anderen Herdenmitgliedern, viel Lebenserfahrung sowie besonders großer Sozialkompetenz. Die Leitung basiert mehr auf Respekt als auf Dominanz. Das Wohlergehen einer Herde ist abhängig von einer guten Leitung. Wenn eine Leitkuh verstirbt, steht der Herde oftmals eine schwierige Zeit bevor.

Die Männchen der Afrikanischen Elefanten sind im Unterschied zu den Weibchen mehr oder weniger unabhängig unterwegs und leben allein oder in kleinen Gruppen. Unter den Männchen in einer Region gibt es ebenfalls eine Rangordnung, die bei ihnen allerdings nur Größen-, Alters- und Erfahrungsabhängig ist, nicht aber von Bindungen oder der Sozialkompetenz abhängt. Bei Elefantenbullen wechseln sich individuelle sexuell inaktive und aktive Phasen ab. In den sexuell inaktiven Phasen streifen die Bullen typischerweise in kleinen Gruppen umher. Der Zusammenschluss der Gruppen ist allerdings viel lockerer als der der Weibchen in einer Herde und es gibt ein ständiges Kommen und Gehen, da jedes einzelne Männchen seinen eigenen Rhythmus lebt. Die Männchen schließen sich häufig immer wieder mit denselben anderen Bullen zusammen. In den sexuell inaktiven Phasen gehen Bullen friedlich miteinander um. Andere sexuell inaktive Männchen schließen sich nicht zusammen und streifen allein umher. In den sexuell aktiven Phasen gehen die Bullen auf der Suche nach paarungsbereiten Elefantenkühen ihrer eigenen Wege und schließen sich manchmal vorübergehend den Herden der Weibchen an. Zu anderen Männchen haben sie in dieser Zeit keinen Kontakt und gelegentliche Begegnungen verlaufen unfriedlich. Bei sexuell aktiven Männchen werden Bullen in der sogenannten Musth und nicht in der Musth unterschieden. Die Musth ist ein Zustand, der durch einen Testosteron-Schub ausgelöst wird und altersabhängig von wenigen Tagen bis mehrere Monate lang dauert. Eine Sekretabsonderung aus den Schläfendrüsen sowie ständiges Urintröpfeln zeigen die Musth an. Während dieser Zeit sind die Bullen sehr aggressiv und angriffslustig. Manchmal kommt es zu heftigen Kämpfen, bei denen sie sich lebensbedrohliche Verletzungen zufügen können. In der Musth kommt es zu temporären Verschiebungen in der Rangordnung bei den Männchen. Rangniedrigere Bullen können in der Musth ranghöheren vorübergehend überlegen sein. In sexuell aktiven Phasen und vor allem in der Musth sind die Bullen besonders aktiv, haben ein größeres Streifgebiet und nehmen weniger Nahrung auf. Dadurch müssen sie sich nach der Musth regenerieren. Möglicherweise ist die zeitliche Begrenzung der sexuellen Aktivität der Männchen eine Anpassung an den hohen Energieaufwand, den das Auffinden von paarungsbereiten Weibchen erfordert.

Die Größe der Streifgebiete der Elefanten ist zum einen von der Lebensraumqualität und der Nahrungsverfügbarkeit abhängig. Zum anderen bestimmen das Geschlecht, der soziale Rang und die sexuelle Aktivität die Ausdehnung des Streifgebietes. In trockenen Gebieten in Mali können solche Gebiete beispielsweise mehr als 25.000 Quadratkilometer groß sein, während sie zum Beispiel in nahrungsreichen Regionen im Lake-Manyara-Nationalpark im Norden Tansanias zumeist nicht einmal 50 Quadratkilometer umfassen. Im Allgemeinen sind die Streifgebiete von ranghöheren Bullen deutlich kleiner als die von rangniedrigen, da sie die hochwertigeren Lebensräume beanspruchen.

Elefanten sind vor allem frühmorgens, abends und rund um Mitternacht aktiv und bewegen sich zwischen Futterplätzen, Wasser und Schattenplätzen. Im Lebensraum der Afrikanischen Savannenelefanten stellt Wasser oft die knappste Ressource dar. Der Tagesablauf und das Wanderverhalten richten sich daher häufig nach der Wasserverfügbarkeit. In trockenen Gebieten legen Elefanten etwa 5 bis 13 Kilometer pro Tag zurück. Bullen in der Musth wandern täglich rund 10 bis 17 Kilometer umher.

Afrikanische Elefanten fressen sowohl tagsüber als auch nachts. Sie schlafen nach Mitternacht und während der Mittagshitze und insgesamt nur ca. drei bis vier Stunden pro Tag. Die größte Gefahr für die Elefanten geht von den Menschen aus. Daher versuchen sie Begegnungen zu vermeiden und richten ihren Rhythmus darauf aus. Untersuchungen zeigen, dass sich die Aktivität der Elefanten außerhalb von Schutzgebieten auf nachts verschiebt.

Elefanten gehören zu den intelligentesten Tieren, die es gibt. Sie haben große und komplexe Gehirne. Dabei sind die Gehirne der Afrikanischen Elefanten die größten aller auf der Erde lebenden und je gelebten Landlebewesen. Die Großhirnrinde des Elefantengehirns verfügt über eine besonders große Oberfläche. Elefanten besitzen eine große Lernkapazität, ein enormes Langzeitgedächtnis und die Fähigkeit zur Empathie. Afrikanische Savannenelefanten können beispielsweise die Laute von über 100 Artgenossen auseinanderhalten. Ein Beispiel für empathisches Verhalten ist, dass sie ein verletztes Herdenmitglied mit Futter versorgen, wenn es dies selbst nicht kann.

Elefanten haben ein breites Spektrum an verschiedenen Kommunikationsweisen. Dieses umfasst die akustische Kommunikation, die chemische Kommunikation über Botenstoffe, Berührungen, Körpersprache und Infraschall. Möglicherweise kommunizieren Elefanten zudem über seismische Schwingungen. Wenn sie aufgeregt sind, trompeten Elefanten mit ihrem Rüssel. Das dabei erzeugte Geräusch ist sehr laut und im Vergleich mit ihren anderen Lauten relativ hochfrequent. Ihre Infraschall-Laute mit einer Frequenz von maximal 20 Hertz sind hingegen für uns Menschen kaum zu hören. Die tieffrequenten Töne produzieren die Elefanten mit den Stimmlippen des Kehlkopfs. Die Schallwellen werden dann über den Boden geschickt und mit Druckrezeptoren in den Füßen und der Rüsselspitze empfangen. Die Kommunikation über Infraschall ermöglicht es den Elefanten, über Distanzen von bis zu zehn Kilometern im Kontakt zu sein, und spielt unter anderem beim zueinander finden von Geschlechtspartnern eine wichtige Rolle. In der Savanne können Elefanten tagsüber Informationen per Infraschall im Umkreis von ca. 30 Quadratkilometern empfangen, abends, wenn der Boden abkühlt sogar im Umkreis von ca. 300 Quadratkilometern. Persönlichen Infraschallbotschaften von individuellen Absendern können Elefanten im Umkreis von etwa einem Kilometer, bei guten Witterungsverhältnissen möglicherweise sogar im Umkreis von bis zu zweieinhalb Kilometern erkennen. Sozial eng verbundene Elefanten können sich also etwa in diesem Umkreis entfernt voneinander aufhalten und in Kontakt sein. Begrüßungszeremonien zwischen miteinander vertrauten Elefanten beinhalten ein ritualisiertes „Berüsseln“. Elefanten gehören neben einigen Primaten, Meeressäugern und Fledermäusen zu den wenigen Säugetieren, die die Fähigkeit zum stimmlichen Lernen besitzen. Sie haben also nicht nur ein genetisches Repertoire sondern können auch Laute imitieren und erlernen. Bei Gefahr stellen Elefanten ihre großen Ohren seitlich auf, so dass sie von vorne noch größer wirken. Das Ohrenwedeln hat hingegen wohl keine kommunikative Bedeutung und dient der Thermoregulation.

Einer der erstaunlichsten Verhaltensweisen von Elefanten ist ihr Umgang mit den sterblichen Überresten von Artgenossen. Sowohl die Afrikanischen als auch die Asiatischen Elefanten berühren ihre Knochen, begraben die Kadaver und halten Totenwache. Dabei können sie die Überreste eines Elefanten klar von denen anderer Tiere unterscheiden.

Afrikanische Savannenelefanten haben normalerweise keine natürlichen Feinde. Allerdings haben sich in Botswana mehrere Löwenrudel darauf spezialisiert, junge Elefantenbullen zu jagen, die gerade erst ihre Herden verlassen haben und allein umher ziehen.

Fortpflanzung

Elefantenkühe werden etwa mit zehn bis vierzehn Jahren geschlechtsreif, Elefantenbullen etwa mit zehn bis fünfzehn Jahren. In diesem Alter sind die jungen Männchen allerdings erst halb so massig wie ausgewachsene Männchen. Sie sind auch noch nicht in der Lage, sich gegen die Konkurrenz der älteren, stärkeren Männchen Zugang zu Weibchen zu verschaffen. Ab einem Alter von etwa Anfang 20 bis 30 kommen Elefantenbullen regelmäßig in die Musth (siehe Kapitel Lebensweise). In den ersten Jahren dauert die Musth zunächst nur wenige Tage, im Alter von rund 26 bis 35 Jahren dann schon bis zu mehreren Wochen und bei über 40jährigen Bullen ca. drei bis vier Monate. Durch ihr anhaltendes Größenwachstum steht jüngeren Bullen weniger Energie für die Musth zur Verfügung als älteren, ausgewachsenen Männchen. Einer Studie im Amboseli-Nationalpark in Kenia zufolge kommen die Bullen dort erst im Alter von etwa 30-35 Jahren zur Fortpflanzung.

Die Paarungszeit ist abhängig von der Nahrungsverfügbarkeit und von daher je nach Region des Verbreitungsgebietes ganzjährig oder saisonal. In trockenen Regionen ist die Paarungszeit in der späten Regenzeit, wenn es viel Futter gibt. Der Sexualzyklus der Weibchen dauert etwa 16 Wochen, die Empfängniszeit zwei bis drei Tage. In dicht von Elefanten besiedelten Regionen und während einer Trockenzeit bekommen die Weibchen allerdings keinen Eisprung.

Die Kopulation ist für Elefanten körperlich herausfordernd und schwierig. Die Scheide der Weibchen befindet sich am Bauch zwischen den Hinterbeinen und ist für die Männchen schwer zu erreichen. Für den Geschlechtsakt müssen sie auf den Rücken der Weibchen steigen und ihren langen, beweglichen Penis in Position bringen. Die Begattung erfordert die Kooperation des Weibchens. Jüngere Bullen brauchen erst einige Übung, um ein Weibchen erfolgreich begatten zu können.

Weibchen paaren sich bevorzugt mit älteren Bullen und Bullen in der Musth. Die Männchen in einer Region kommen typischerweise zu unterschiedlichen Zeiten in die Musth. So ist die intraspezifische Konkurrenz um Weibchen reduziert, die sonst sehr energieintensiv wäre. Bei älteren Bullen sind sexuelle Aktivität, Musth und falls vorhanden Paarungszeit synchronisiert. Jüngere Bullen kommen hingegen zu einem Zeitpunkt in die Musth, wenn die älteren Bullen sexuell inaktiv sind. Aus diesem Grund und durch die körperliche Überlegenheit gegenüber jüngeren Bullen ist der Fortpflanzungserfolg älterer Männchen größer als der von jüngeren Männchen. Die höchste Fortpflanzungsrate haben Bullen im Alter zwischen 40 und 55 Jahren.

Die Tragzeit der Afrikanischen Elefanten dauert rund 22 Monate und ist die längste, die es bei Säugetieren gibt. Zur Geburt knicken die Elefantenkühe die Hinterbeine etwas ein, so dass die Geburtsöffnung knapp über dem Boden ist und das Neugeborene so sanft wie möglich auf der Erde landet. Bei einer Geburt stehen die Herdenmitglieder dem Weibchen bei und helfen zum Beispiel das Neugeborene aus den Eihäuten zu befreien. Afrikanische Elefanten werden mit einem Gewicht von rund 100 Kilogramm geboren. Sie können nach rund 20 Minuten stehen und machen nach etwa einer Stunde ihre ersten Schritte.

Nach ein bis zwei Tagen sind die jungen Kälber fit genug, dass die Herde langsam weiter ziehen kann. Im ersten Lebenshalbjahr haben die Neugeborenen im Gegensatz zu älteren Tieren noch eine leichte Körperbehaarung. In den ersten ein bis zwei Lebenswochen stolpern die Neugeborenen manchmal über ihren eigenen Rüssel und müssen erst lernen, ihn geschickt zu tragen. Die Elefantenkälber bekommen in den ersten drei Monaten ausschließlich Muttermilch und werden insgesamt bis zu vier Jahre von ihren Müttern gesäugt. Die beiden Milchdrüsen der Elefantenweibchen befinden sich wie beim Menschen thorakal an der Brust zwischen den Vorderbeinen. Die Elefantenbabys saugen mit dem Mund an den Brustwarzen und nicht mit dem Rüssel. Gelegentlich dürfen die Kälber auch bei anderen Weibchen als der Mutter trinken und zur Beruhigung nuckeln. Die Jungtiere werden von allen Herdenmitgliedern beschützt und sozialisiert. Insgesamt ist der Fortpflanzungserfolg der Weibchen abhängig von ihrer Erfahrung und Größe sowie von der Unterstützung der Herde. Die Väter beteiligen sich nicht an der Aufzucht des Nachwuchses.

Erst wenn der Nachwuchs selbstständig wird, bekommen die Weibchen nach rund vier Jahren den nächsten Nachwuchs. Bei über 40 Jahre alten Weibchen nimmt die Fruchtbarkeit langsam ab. Trotzdem können Afrikanische Savannenelefantenkühe noch mit über 60 Jahren Junge bekommen. Bei Bullen nimmt die Länge und Intensität der Musth ab einem Alter von etwa 50 Jahren ab. Sie sind aber bis ins hohe Alter sexuell aktiv.

Weibliche Elefanten bleiben normalerweise ihr Leben lang in ihrer Geburtsherde. Junge Männchen fangen hingegen im Alter von acht bis neun Jahren an, sich von der Herde zu lösen. Zunächst sondern sie sich tageweise ab und dehnen die Abwesenheiten immer weiter aus, bis sie die Herde im Alter von etwa 14 bis 16 Jahren endgültig verlassen. Sie suchen dann nach gleichaltrigen Spielgefährten aus anderen Familien oder schließen sich älteren Männchen an, von denen sie viel lernen können. Afrikanische Elefanten haben eine Lebenserwartung von 60 bis 70 Jahren.

Geografische Verbreitung

Afrikanische Savannenelefanten kommen heute in rund 37 Ländern im subsaharischen Afrika vor. Die Verbreitungsstaaten sind Äquatorialguinea, Äthiopien, Angola, Benin, Botswana, Burkina Faso, Demokratische Republik Kongo, Elfenbeinküste, Eritrea, Gabun, Ghana, Guinea, Guinea-Bissau, Kamerun, Kenia, Malawi, Mali, Mosambik, Namibia, Nigeria, Republik Kongo, Republik Liberia, Republik Niger, Ruanda, Sambia, Simbabwe, Senegal, Sierra Leone, Somalia, Südafrika, Südsudan, Swasiland, Tansania, Togo, Tschad, Uganda und die Zentralafrikanische Republik. Anfang des 20. Jahrhunderts waren sie außerdem in Burundi, Gambia und Mauretanien verbreitet. In Gambia sind sie 1913 ausgestorben, in Burundi in den 1970er Jahren und in Mauretanien in den 1980er Jahren. In Swasiland waren sie seit 1920 auch ausgestorben und sind in den 1980er und 1990er Jahren wieder eingeführt worden. Historisch waren Afrikanische Elefanten in ganz Afrika weit verbreitet. In Nordafrika sind sie wahrscheinlich schon seit der Römischen Kaiserzeit ausgestorben.

Das Verbreitungsgebiet der Afrikanischen Elefanten war einst in weiten Teilen zusammenhängend. Heute ist es durch Lebensraumverlust mehr oder weniger stark fragmentiert und verfügt insgesamt nur noch über eine Fläche von rund 3,1 Millionen Quadratkilometern. Der Großteil des Verbreitungsgebietes befindet sich mit 42 Prozent im südlichen Afrika, je ein Viertel in Ost- und Zentralafrika und nur etwa 5 Prozent in Westafrika. Die letzten großen, verbundenen Lebensräume gibt es noch in Teilen des südlichen Afrikas und Zentral- und Ostafrikas. Insgesamt stehen afrikaweit rund 30 Prozent des Verbreitungsgebietes unter Schutz. In Regionen in Zentralafrika, wo es sowohl Regenwälder als auch Savannenländer gibt, überlappen sich die Verbreitungsgebiete der Afrikanischen Savannen- und Waldelefanten. Die Datenlage zur Verbreitung der Afrikanischen Elefanten ist in den verschiedenen Verbreitungsstaaten sehr unterschiedlich. Während die Bestände im südlichen Afrika und in Ost- und Westafrika gut untersucht sind, gibt es wenige Informationen zur Verbreitung der Elefanten in Zentralafrika.

Lebensraum

Afrikanische Savannenelefanten kommen in den verschiedensten Lebensräumen vor, darunter viele Savannenlandschaften wie Grasländer, Buschländer und Trockenwälder, aber auch Regenwälder und Wüsten. Sie leben in Regionen der Tropen, der Subtropen und der Gemäßigten Zone. Dabei bevorzugen Afrikanische Savannenelefanten Trockenwälder und Buschländer im Unterschied zu den regenwaldbewohnenden Afrikanischen Waldelefanten. Die elementaren Ansprüche von Elefanten an einen geeigneten Lebensraum sind die Verfügbarkeit von Nahrung, Wasser und Schatten. Wasserstellen sind typische Treffpunkte für Elefantengruppen. Insgesamt kommen Elefanten vor allem in Schutzgebieten und wenig vom Menschen besiedelten und genutzten Regionen vor.

Elefanten sind in ihrem Lebensraum sogenannte Schlüsselarten. Afrikanische Savannenelefanten tragen maßgeblich dazu bei, Sträucher kurz zu halten und sind als „Landschaftsgärtner“ dadurch existentiell für das Fortbestehen von Grasländern und damit auch für das Vorkommen von vielen Tierarten, die sich von Gräsern ernähren. Schließlich profitiert das gesamte Grasland-Ökosystem von ihrer Anwesenheit. Außerdem fungieren Elefanten als Samenverbreiter. Viele Pflanzen sind hauptsächlich oder ausschließlich von Elefanten als „Samentaxi“ zur Ausbreitung ihrer Samen abhängig. Während andere früchtefressende Tiere vor allem kleinere Samen über kürzere Distanzen verbreiten, säen Elefanten die Samen über ihren Dung in einem größeren Umkreis aus. Elefantendung ist wiederum Lebensraum für unzählige wirbellose Tiere. Letztlich tragen Elefanten durch ihre Lebens- und Ernährungsweise dazu bei die Artenvielfalt und wichtige Lebensräume zu bewahren. Der Schutz der Biodiversität ist eine elementar wichtige Ökosystemdienstleistung, die letztlich auch dem Menschen zu Gute kommt.

Ernährungsweise

Elefanten sind generalistische Pflanzenfresser. Sie fressen sämtliche regional und saisonal verfügbaren Gräser, Blätter, Wurzeln, Rinde, Stängel, Früchte und Samen. Je nach Saison und Wachstumsstand der einzelnen Pflanzen fressen die Elefanten unterschiedliche Teile von ihnen. In Grasländern kann die Nahrung der Afrikanischen Savannenelefanten in der Regenzeit zu über 70 Prozent aus Gräsern bestehen, während sie in der Trockenzeit und in den Regenwäldern kaum Gras finden. Ihr Futterpflanzenspektrum umfasst oftmals mehrere Hundert verschiedene Pflanzenarten, darunter auch zahlreiche dornige Gewächse. Meistens suchen Afrikanische Savannenelefanten am Boden und in Höhen von bis zu zwei Metern nach Nahrung. Sie sind aber durchaus in der Lage, mit ausgestrecktem Rüssel Nahrung in rund sechs Meter Höhe zu erreichen. Wenn sie an hohen Bäumen fressen wollen, kommt es immer wieder vor, dass sie diese lieber zerlegen oder sogar umlegen, um dann in angenehmerer Höhe fressen zu können. Manchmal kann das auch in einem zu großen Ausmaß passieren, zum Beispiel als im Jahr 1984 sechs Afrikanische Savannenelefantenbullen in der Masai Mara in Kenia während einer Dürre auf der Suche nach Nahrung innerhalb von 24 Stunden in einem etwa zwei Quadratkilometer großen Gebiet rund ein Drittel der Akazienbäume zerstört haben.

Bei der Nahrungsbeschaffung werden die Stoßzähne und der Rüssel als Werkzeuge beispielsweise zum Entrinden von Bäumen, zum Abrechen von Ästen und zum Ausgraben von Wurzeln benutzt. Mit Hilfe der Greiffinger an der Rüsselspitze können Elefanten sogar Nüsse knacken. Zur Aufnahme von Mineralien suchen Afrikanische Savannenelefanten regelmäßig Salzlecken auf und fressen mineralische Erde.

Afrikanische Savannenelefanten verbringen typischerweise mehr als 17 Stunden pro Tag mit der Nahrungsaufnahme und nehmen dabei etwa ein Prozent ihres Körpergewichts an Futter auf. Allerdings haben sie eine relativ schnelle und unvollständige Verdauung. Sie verwerten nur etwa 40 bis 50 Prozent der Nahrung. Andererseits sind sie aber auch in der Lage, wenig nahrhafte Nahrung wie beispielsweise Holzfasern zu verdauen. So überstehen Elefanten Nahrungsmangel während Dürrezeiten relativ gut.

Sie sind hingegen stark von der Verfügbarkeit von Wasser abhängig. Zum Trinken saugen sie Wasser mit dem Rüssel ein und spritzen es sich dann in den Mund. Wenn möglich, trinken sie einmal täglich und nehmen dabei über 100 Liter Wasser zu sich. In trockenen Gebieten wie beispielsweise im Etosha-Nationalpark in Namibia legen Elefanten weite Strecken zwischen den Nahrungsgründen und Wasserstellen zurück. Sie trinken dabei etwa alle zwei bis drei Tage, in seltenen Fällen wie zum Beispiel in der Wüste Namib im südlichen Afrika sogar nur alle vier Tage. Im Tsavo-Nationalpark in Kenia pendeln die Elefanten in der Trockenzeit bis zu ca. 15 Kilometer zwischen den Futterplätzen und einer Trinkmöglichkeit, in der Wüste Namib sogar bis zu 70 Kilometer. In der Not graben Elefanten manchmal auch nach Grundwasser. Insgesamt sind Weibchen, vor allem wenn sie Nachwuchs haben, stärker von der Nähe zu Wasser abhängig als Bullen. Sexuell inaktive Männchen können somit in Gebieten fressen, die für die Herden der Elefantenkühe zu abgelegen sind.

Bestandsgröße und Gefährdungsstatus

Vor knapp einhundert Jahren streiften noch etwa drei bis fünf Millionen Afrikanische Elefanten durch das subsaharische Afrika. Aber der Elfenbeinhandel und Lebensraumverlust ließen die Bestände im 20. Jahrhundert stark einbrechen. In den 1980er Jahren wurden jedes Jahr insgesamt um die 100.000 Afrikanischen Elefanten getötet. Im Zeitraum von 1979 bis 1989 ging so mehr als die Hälfte des Gesamtbestandes verloren. Von den rund 1,3 Millionen Afrikanischen Elefanten im Jahr 1979 waren zehn Jahre später nur noch etwa 500.000-600.000 am Leben.

Die Weltnaturschutzunion IUCN hat im Jahr 2016 den aktuellen Statusbericht über Afrikanische Elefanten veröffentlicht. Demnach zählt der Gesamtbestand der Afrikanischen Elefanten inklusive beider Unterarten heute rund 415.000 Tiere. Das sind mehr als 100.000 Exemplare weniger als noch im Jahr 2006. Die Gesamtpopulation der Afrikanischen Elefanten ist in den letzten zehn Jahren um rund ein Fünftel eingebrochen. Dem Statusbericht zur Folge leben heute etwa 70 Prozent der Afrikanischen Elefanten im südlichen Afrika, 20 Prozent in Ostafrika, 6 Prozent in Zentralafrika und knapp 3 Prozent in Westafrika. Die mit Abstand meisten Elefanten leben in Botswana, wo es ca. 131.500 Tiere gibt, gefolgt von Simbabwe mit rund 82.500 und Tansania mit etwa 50.500 Elefanten. In Kenia und Namibia leben je ca. 23.000 Elefanten, in Sambia etwa 22.000, in Südafrika ca. 19.000, in Mosambik etwa 11.000, in Burkina Faso, Gabun, Kamerun und im Südsudan je ca. 7.000, in der Republik Kongo etwa 6.000, in Uganda ca. 5.000, in Angola etwa 3.500, in Benin ca. 3.000, in der Demokratischen Republik Kongo etwa 2.000, in Malawi ca. 1.500, in Äthiopien und Ghana je etwa 1.000, in Äquatorialguinea ca. 900, im Tschad etwa 800, in der Zentralafrikanischen Republik ca. 700, in Mali etwa 250 und in den Ländern Elfenbeinküste, Eritrea, Guinea, Guinea-Bissau, Nigeria, Republik Liberia, Republik Niger, Ruanda, Senegal, Sierra Leone, Somalia, Swasiland und Togo jeweils weniger als 250 Afrikanische Elefanten.

Während die Bestände der Elefanten vielerorts abnehmen und mancherorts sogar verschwinden, wachsen die Populationen in einigen Teilen des Verbreitungsgebietes im südlichen und östlichen Afrika um rund vier Prozent im Jahresdurchschnitt. Solch ein Bestandszuwachs hat bei gleichzeitigem Lebensraumverlust in einigen Landschaften und Nationalparks im südlichen Afrika Überpopulationen verursacht, die die Vegetation und Biodiversität bedrohen.

In der Roten Liste der Weltnaturschutzunion IUCN sind Afrikanische Elefanten insgesamt als gefährdet eingestuft. Im Washingtoner Artenschutzübereinkommen CITES sind die Afrikanischen Elefanten mit der Ausnahme der Populationen von vier Ländern im Anhang I gelistet. Ein internationaler kommerzieller Handel mit Elefanten oder Produkten aus Elefantenteilen ist somit strengstens verboten.

Die Populationen in Botswana, Namibia, Simbabwe und Südafrika, sind im Anhangs II des Washingtoner Artenschutzübereinkommens CITES gelistet. Diese vier Länder dürfen unter strengen Auflagen Produkte aus Elefantenhaaren, -häuten und –leder, Jagdtrophäen und lebende Tiere für Schutzprogramme exportieren. Die Trophäenjagd ist außerdem in Kamerun, Mosambik, Sambia und Tansania unter Einhaltung einer bestimmten Quote erlaubt.

Bedrohungsfaktoren

Die größten Bedrohungen für Elefanten sind heutzutage Wilderei, Lebensraumverlust und Mensch-Wildtier-Konflikte. Die Stoßzähne der Elefanten werden schon seit Jahrtausenden kunstvoll verarbeitet. Elfenbein hat eine vergleichsweise weiche Konsistenz, ist mit einem Messer leicht zu bearbeiten und ein beliebter Rohstoff für Schnitzereien, Schmuck, Einlegearbeiten sowie luxuriöse Gebrauchsgegenstände. Schon vor einigen Hundert Jahren war Elfenbein so begehrt und teuer, dass es auch das „weiße Gold“ der Elefanten genannt wurde.

Im Altertum war das Ausmaß des Elfenbeinhandels zunächst durch die rudimentären Jagdmethoden und Handelsstrukturen begrenzt. Allerdings wird vermutet, dass die Nachfrage nach Elfenbein im Römischen Reich zur Ausrottung der Elefanten in Nordafrika und im Mittleren Osten geführt hat. Die Erschließung des afrikanischen Kontinents, transatlantische Handelsbeziehungen und die Jagd mit Feuerwaffen eröffneten in der Kolonialzeit eine neue Dimension des Elfenbeinhandels, die eng mit dem Sklavenhandel verbunden war. In Europa und Amerika wurden jährlich tonnenweise Elfenbein zu Besteckgriffen, Klaviaturen, Billardkugeln und vielem mehr verarbeitet. Der Haupthandelsplatz war Europa. Insgesamt wurden im 19. Jahrhundert in Afrika im „Elfenbeinrausch“ ca. 20 Millionen Elefanten getötet. Am Ende des 19. Jahrhunderts und zu Beginn des 20. Jahrhunderts verursachten die Abschaffung des Sklavenhandels, die beiden Weltkriege sowie die Einführung von Kunststoff eine Abnahme der Nachfrage nach Elfenbein in Europa. So konnten sich die Elefantenbestände in Afrika zunächst erholen.

In der Zwischenzeit verlagerten sich die Haupthandelsplätze für Elfenbein nach Ostasien. In der Folge erreichte die Jagd nach Elfenbein seit den 1970er Jahren einen erneuten Höhepunkt. Um den internationalen Elfenbeinhandel zu kontrollieren und die Restbestände der Elefanten zu schützen wurden die Asiatischen Elefanten 1975 im Washingtoner Artenschutzübereinkommen CITES im Anhang I gelistet und die Afrikanischen Elefanten 1977 im Anhang II. Dadurch war der Handel mit Asiatischen Elefanten und Teilen von ihnen verboten und der mit Afrikanischen Elefanten und Teilen von ihnen streng reguliert. Zwischen 1970 und 1989 starben trotzdem etwa 700.000 Afrikanische Elefanten für ihr Elfenbein und die Bestände wurden in vielen Teilen des Verbreitungsgebietes ausgerottet. Dies führte dazu, dass die Afrikanischen Elefanten 1989 im Washingtoner Artenschutzübereinkommen CITES in den Anhang I aufgenommen wurden. Ein internationaler Handel mit Afrikanischen Elefanten und Teilen von ihnen war somit auch vollständig verboten.

In den darauffolgenden Jahren konnten sich einige Elefantenbestände vor allem im südlichen Afrika gut erholen. So wurden im Jahr 1997 die Regularien gelockert und die Populationen von Botswana, Namibia und Simbabwe wieder in den Anhang II des Washingtoner Artenschutzübereinkommen CITES aufgenommen. Im Jahr 2000 folgte die Population von Südafrika. In den Jahren 1999 und 2008 wurden diesen drei beziehungsweise vier Ländern im Rahmen der CITES-Konvention insgesamt zwei Verkäufe von Elfenbeinlagerbeständen gestattet. Beim ersten Verkauf erwarb Japan 1999 rund 50 Tonnen Elfenbein. Im Jahr 2008 ersteigerten Händler aus China und Japan eine Menge von etwa 101 Tonnen Elfenbein.

Seit dem Jahr 2007 befindet sich Afrika erneut in einer Wildereikrise, die sich bis heute weiter zuspitzt. Dabei wirkt die anhaltende große Nachfrage aus Fernost als die treibende Kraft. Über die Jahre hat sich eine hoch professionelle Wildtiermafia mit einem komplexen Netzwerk aus Wilderern, Schmugglern und Händlern etabliert. Derzeit werden afrikaweit rund 20.000 Elefanten pro Jahr, also durchschnittlich ein Elefant pro halber Stunde, gewildert. Dabei sind vor allem Zentral- und Ostafrika häufiger Tatort der Elefantenwilderei. Aber auch andere Regionen haben dramatische Bestandseinbrüche erlebt. Im Wildreservat Selous in Tansania hat die Population bis zum Jahr 2016 in weniger als 40 Jahren um 90 Prozent abgenommen. Mehr als 85 Prozent des insgesamt beschlagnahmten Elfenbeins im Zeitraum zwischen 1996 und 2014 stammte Untersuchungen zur Folge aus Tansania und Mosambik. Die Wilderer sind teilweise schwer bewaffnet und militärisch ausgebildet.

Wie das Elfenbein dann genau von Afrika nach Asien gelangt, ist nicht vollständig bekannt. Aufgriffe lassen vermuten, dass sich die Hauptschmuggelrouten regelmäßig ändern. Oftmals wird das Elfenbein zunächst über innerafrikanische Transitländer geschmuggelt, bevor es nach Asien gelangt. Die großen Ladungen Elfenbein werden typischerweise per Schiff geschmuggelt. Auf jeden Fall zeigen Sicherstellungen, dass das illegale Elfenbein teilweise gut getarnt wird. Stoßzähne und Elfenbeinschnitzereien werden zum Beispiel in ausgehöhlten Baumstämmen oder in einer Charge Maiskörnern versteckt, in Ton eingetöpfert, schwarz eingefärbt und als Ebenholzschnitzereien deklariert und vieles mehr. Im Zeitraum zwischen 2007 und 2014 wurden von den zuständigen Behörden insgesamt mehr als 270 Tonnen Elfenbein beschlagnahmt. Ziel der Schmuggelware sind vor allem die Schwarzmärkte in China. Doch während die Händler große Profite erzielen, erhalten die Wilderer in Afrika nur einen Bruchteil der Gewinne. Schlupflöcher für den Handel mit Elfenbein bieten einige nationale Binnenmärkte. Die Handelsregulation beziehungsweise der Handelsbann durch das Washingtoner Artenschutzübereinkommen CITES gilt nur für den internationalen Handel. Der nationale Elfenbeinhandel ist hingegen in vielen asiatischen und einigen außer-asiatischen Ländern erlaubt. Im Jahr 2016 gehörten China, Hongkong, Thailand und die USA zu den weltgrößten legalen Elfenbeinmärkten. Diese oft unkontrollierten nationalen Binnenmärkte laden dazu ein, illegales Elfenbein „reinzuwaschen“.

Bei Elefanten kann die Entnahme einzelner Individuen das soziale Gefüge einer Population empfindlich stören (siehe Kapitel Lebensweise). Wilderer bevorzugen vor allem ältere Elefanten mit großen Stoßzähnen. Der Tod einer Leitkuh, kann beispielsweise zum Zusammenbruch der Herde führen. Wenn ein älterer Bulle geschossen wird, verpasst dieser unter Umständen seine reproduktivste Lebensphase. Zudem spielt die ältere Generation bei Elefanten eine Schlüsselrolle für das soziale Lernen des Nachwuchses.

Neben der Wilderei leiden Elefanten ebenso wie viele andere Wildtiere unter dem Verlust ihres natürlichen Lebensraumes. Afrika hat ein enormes Bevölkerungswachstum. Weite Teile des Verbreitungsgebietes der Elefanten sind Acker- und Weideflächen sowie der Infrastruktur zum Opfer gefallen. Dabei ist nicht nur die Abnahme der Gesamtfläche des Lebensraums der Elefanten ein Problem, sondern auch die Fragmentierung der Verbreitungsgebiete und fehlende Verbindungen der Populationen. Dadurch nimmt der genetische Austausch ab. Außerdem erschwert diese Zerstückelung der Gebiete das Abwandern einzelner Tiere aus besonders dicht besiedelten Regionen in weniger dicht besiedelte Gebiete.

Die zunehmende Nähe von Menschen und Elefanten führt außerdem häufig zu sogenannten Mensch-Wildtier-Konflikten. Der Anbau von Feldfrüchten wie vor allem Mais lockt Elefanten an, die die Felder der Bauern immer wieder plündern. Innerhalb einer Nacht kann ihnen so eine komplette Jahresernte verloren gehen. Des Weiteren kommt es bei Begegnungen mit Elefanten manchmal vor, dass diese die Bauern angreifen. Allein in Kenia sind dabei in den letzten sieben Jahren mehr als 200 Menschen getötet worden. Im Gegenzug werden auch viele Elefanten aus Angst, Rache und zur Vorsorge getötet. In Kenia geben die zuständigen Behörden beispielsweise jedes Jahr rund 50 bis 120 sogenannte „Problemelefanten“ zum Abschuss frei.

Der Elefantenschutz ist seit Jahrzehnten ein großes Thema für den WWF. Elefanten gehören ebenso wie Eisbären, Nashörner, Tiger, Menschenaffen, Große Pandas und weitere Arten zu den sogenannten Flaggschiffarten des World Wide Fund for Nature. Der WWF ist weltweit in zahlreichen Projekten zum Schutz und zur Erforschung bedrohter Arten aktiv und hat bereits viel erreicht. Weitere Informationen über die Projektarbeit finden sich unter: www.wwf.de/themen-projekte/bedrohte-tier-und-pflanzenarten

Weitere Tierporträts im WWF-Artenlexikon

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