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Stand: 09.10.2017

WWF-Artenlexikon

Leoparden (Panthera pardus)

Lebensraum Regenwälder, Mangrovenwälder, Trockenwälder, Laubwälder, Mischwälder, Nadelwälder, Bergwälder, Sumpfwälder, Savannenwälder, Baumsavannen, Strauchsavannen, Langgrassavannen, schneereiche Regionen, Halbwüsten, Wüsten sowie in der Nähe der Menschen in den Tropen, Subtropen und der gemäßigten Zone in Höhenlagen von bis zu 5200 Metern
Geografische Verbreitung In Afrika und Asien in insgesamt mindestens 61 Ländern (2017)
Gefährdungsstatus Leoparden sind laut Roter Liste der Weltnaturschutzunion IUCN „gefährdet“. Persische Leoparden und Sri-Lanka-Leoparden sind laut Roter Liste der Weltnaturschutzunion IUCN „stark gefährdet“. Amur-Leoparden, Arabischen Leoparden und Java-Leoparden sind laut Roter Liste der Weltnaturschutzunion IUCN „vom Aussterben bedroht“.
Bestandsgröße schätzungsweise mehr als 700.000 Afrikanische Leoparden (2008)
ca. 70 Amur-Leoparden (2015)
ca. 45 bis 200 Arabische Leoparden (2008)
weniger als 500 Chinesische Leoparden
ca. 12.000 bis 14.000 Indische Leoparden in Indien (2014)
weniger als 2500 Indochinesische Leoparden
weniger als 250 Java-Leoparden (2008)
ca. 800 bis 1000 Persische Leoparden (2008)
ca. 700 bis 950 Sri-Lanka-Leoparden (2015)

Lautloser Jäger

Leoparden ernähren sich ausschließlich von Fleisch. Dolchartige Eckzähne, messerscharfe Krallen, gute Nachtsicht, kräftige Muskeln und eine tarnende Musterung befähigen sie, schnelle, schwergewichtige, wehrhafte und manchmal sogar gefährliche Beutetiere überwältigen zu können. Unter den Raubtieren gehören Leoparden zu den besten Schleichjägern. Sie können sich besonders nah an ihre Beutetiere heranschleichen. Zum Angriff schießen sie aus dem Hinterhalt hervor, stürzen sich auf die Beute und reißen sie nieder. Größere Tiere töten sie mit einem Kehlbiss, kleinere mit einem Nackenbiss. Zur Verteidigung ihrer Mahlzeit vor Nahrungskonkurrenten ziehen Leoparden ihren Riss über Hunderte von Metern über den Boden und klettern dann mit der Beute im Schlepptau bis in mehrere Meter Höhe ins Geäst von Bäumen.

Durch ihre gute Anpassungsfähigkeit haben Leoparden das größte Verbreitungsgebiet aller Katzen. Allerdings sind sie in 63 bis 75 Prozent ihres historischen Verbreitungsgebietes bereits ausgestorben. Seit den 1990er Jahren sind weltweit mehr als 30 Prozent des Leopardenlebensraumes verloren gegangen und in vielen Regionen nimmt der Lebensraumverlust weiter zu. Zudem werden Leoparden gejagt, vor allem weil ihre Knochen in Asien in den letzten Jahren zu einer beliebten Alternative zu Tigerknochen in der Traditionellen Asiatischen Medizin geworden sind.

Systematische Einordnung

Der Leopard (Panthera pardus) gehört zur Familie der Katzen und zur Unterfamilie der Großkatzen. Zusammen mit dem Tiger, dem Löwen, dem Jaguar und dem Schneeleoparden bildet er die Gattung der Pantherkatzen. Früher ging man von 24 Unterarten der Leoparden aus, heute werden nach genetischen Analysen nur noch neun Unterarten unterschieden: Afrikanischer Leopard (P. p. pardus), Amur-Leopard (P. p. orientalis) Arabischer Leopard (P. p. nimr), Chinesischer Leopard (P. p. japonensis), Indischer Leopard (P. p. fusca), Indochinesischer Leopard (P. p. delacouri), Java-Leopard (P. p. melas), Persischer Leopard (P. p. tulliana) und Sri-Lanka-Leopard (P. p. kotiya).

Merkmale

Leoparden sind kleiner als Löwen, Tiger und Jaguare. In den verschiedenen Regionen gibt es deutliche Unterschiede in Größe und Masse. Männliche Leoparden sind generell größer und kräftiger als die Weibchen. Die Kopfrumpflänge beträgt 92 bis 190 Zentimeter, die Schulterhöhe bis zu 80 Zentimeter und die Schwanzlänge 64 bis 99 Zentimeter. Sie wiegen 17 bis 90 Kilogramm.

Leoparden besitzen einen lang gestreckten, muskulösen Körper, einen großen, runden Kopf, mächtige Muskelpakete am Nacken und an den Schultern, kurze muskulöse Beine mit breiten Pfoten und einen langen Schwanz. Der robuste Schädel bietet viel Fläche für den Ansatz der kräftigen Kiefermuskulatur. Die langen, spitzen Eckzähne eignen sich zum Fangen und Töten der Beute. Im Maulwinkel bilden die Reißzähne eine Art Schere zum Abschneiden von Fleisch. Mit der rauen Zunge können Leoparden Fleisch vom Knochen abschaben.

Leoparden zählen zu den Zehengängern. Unter den Pfoten befinden sich dicke stoßdämpfende Sohlenpolster, mit denen sie lautlos auftreten können. Jede Pfote ist mit vier messerscharfen, hakenartigen, im Ruhezustand eingezogenen Krallen ausgestattet.

Leoparden sehen äußerst gut. Im Hintergrund ihrer Augen befindet sich eine reflektierende Membran. An diesem sogenannten Tapetum lucidum wird das Licht gespiegelt und zurückgestrahlt. So passiert es die Netzhaut ein zweites Mal. Die doppelte Lichtverwertung trägt dazu bei, dass Leoparden auch nachts relativ gut sehen können. Die extrem empfindlichen Tasthaare am Maul, an den Backen und über den Augen sind bei Leoparden besonders lang. Sie erleichtern die Orientierung vor allem bei Dunkelheit.

Das Fell der Leoparden ist gemustert. Jeder Leopard hat eine individuelle Musterung, die zur Individualerkennung dienen kann. Das Muster besteht am Rücken und den Körperseiten aus dunkelbraunen bis schwarzen Ringen, die einen gegen die Grundfarbe etwas verdunkelten Hof umschließen. Der Kopf, der Hals, die Schultern, der Bauch, die Beine und der Schwanz sind schwarz gefleckt. Die Grundfarbe variiert von hellgelb über rötlich bis rostbraun. An der Brust, am Bauch und an den Innenseiten der Beine ist das Fell heller bis weiß. Bei Leoparden gibt es auch sogenannte Schwärzlinge, bei denen die typische Musterung trotzdem leicht durchscheint. Dieser Melanismus wird bei Leoparden durch ein rezessives Gen vererbt. Dabei können gleichzeitig helle und schwarze Wurfgeschwister vorkommen. Früher dachte man, dass schwarze Leoparden eine eigene Art bilden. Bei der Musterung und den Farben der Leopardenfelle gibt es große Unterschiede in den verschiedenen Regionen des Verbreitungsgebietes. In den wärmeren Regionen des Verbreitungsgebietes ist das Fell der Leoparden außerdem kurz und rau, in den kälteren Regionen hingegen bis zu sieben Zentimeter lang, dicht und weich.

Unter den Katzen zählen Leoparden zu den geschicktesten Kletterern. Die seitlich verlagerten Schulterblätter und die langen, hakenartigen Krallen unterstützen das Erklimmen von Bäumen und steilen Felsen. Leoparden können im Unterschied zu den meisten anderen Katzen sogar kopfüber abwärts klettern. Des Weiteren verfügen sie über ein enormes Sprungvermögen und sind gute Schwimmer.

Die größten Leoparden kommen in manchen Regionen Afrikas und Zentralasiens sowie im Iran vor. Zu den kleinsten gehören die Leoparden in der ehemaligen Kappprovinz in Südafrika und auf der Arabischen Halbinsel. Das Fell der Persischen Leoparden in Zentralasien ist besonders hell. Sie bekommen ebenso wie die Amur-Leoparden ein dichtes, langhaariges Winterfell. Die meisten Schwärzlinge kommen bei den Java- und Indochinesischen Leoparden in den Regenwäldern Javas, Thailands und Malaysias sowie zu einem geringeren Anteil bei den Indischen Leoparden vor.

Lebensweise

Leoparden sind Einzelgänger und leben größtenteils in festen Revieren. Die Reviere der Männchen sind größer als die der Weibchen, werden streng gegen andere Männchen verteidigt und umfassen mehrere Reviere von Weibchen. Die Reviere der Weibchen überlappen mit denen anderer Weibchen. Das Brüllen der Leoparden ertönt vor allem nachts und in den frühen Morgenstunden. Die Reviermarkierung erfolgt außerdem mit Urin, Kratzspuren und Kopf- und Körperreiben. Männchen und Weibchen ohne Reviere streifen auf der Suche nach einem Revier umher. Beim Durchqueren eines besetzten Reviers kann es zu ernsthaften Kämpfen zwischen gleichgeschlechtlichen Leoparden kommen, während gelegentliche Begegnungen von benachbarten Leoparden zumeist friedlich verlaufen. Sollte ein Männchen mit Revier versterben, kann es bei der Neubesetzung seines Territoriums ebenfalls zu schweren Kämpfen kommen. Wenn sich ein neuer Revierbesitzer durchgesetzt hat, zeigt sich in der darauffolgenden Zeit, ob er das Territorium halten kann. Es kann einige Zeit dauern bis wieder Stabilität einkehrt.

Die Reviergröße ist vom Geschlecht der Leoparden und zudem von der Lebensraumqualität abhängig. Bei weiblichen Leoparden sind Reviergrößen von acht Quadratkilometern im Chitwan-Nationalpark in Nepal, über 33 bis 62 Quadratkilometer im russischen Fernen Osten, bis zu 487 Quadratkilometern in besonders beutearmen Regionen bekannt. Die Reviere der Männchen sind häufig zwei bis drei Mal so groß wie die der Weibchen und umfassen in der Wüste Kalahari etwa 800 Quadratkilometer. Die Leopardendichte kann zwischen weniger als einem und mehr als 30 Leoparden pro 100 Quadratkilometer betragen. Zu den Regionen mit der höchsten Leopardendichte gehören die Savannenwälder in Schutzgebieten in Ostafrika und im südlichen Afrika.

Leoparden sind typischerweise nachtaktiv, in manchen Regionen aber auch tagaktiv. Auf der Suche nach Nahrung legen sie täglich mehrere Kilometer zurück. Es sind Streckenlängen von durchschnittlich 2,6 Kilometern im Tsavo-Nationalpark in Kenia bis durchschnittlich rund 14 Kilometer in der Kalahari im südlichen Afrika bekannt.

Bei Leoparden kommen Männchen und Weibchen nur zur Paarung zusammen. Sie verbringen dann wenige Tage miteinander. Die Weibchen bilden mit ihren Jungtieren hingegen über viele Monate feste Kleingruppen. Zu den friedlichen sozialen Interaktionen der Leoparden gehören das sogenannte „Greeting“ und das „Grooming“. Beim Greeting reiben die Leoparden ihre Köpfe und Körper aneinander, beim Grooming lecken sie sich gegenseitig die Gesichter und das Fell.

Leoparden teilen sich einen Großteil ihres Verbreitungsgebietes mit Löwen oder Tigern, die beide größer und stärker sind als sie. Nicht nur die Jungtiere sondern gelegentlich auch ausgewachsene Leoparden werden von ihnen immer wieder zur Reduzierung von interspezifischer Konkurrenz getötet. Außerdem werden Leoparden gelegentlich Opfer von anderen Fleischfressern wie beispielsweise Krokodilen.

Fortpflanzung

Leoparden werden etwa mit zwei bis drei Jahren geschlechtsreif. Weibchen werden dann im Alter von ca. drei Jahren zum ersten Mal trächtig. Männliche Leoparden fangen etwa mit drei bis vier Jahren an sich fortzupflanzen. Die paarungsbereite Zeit der Weibchen wird Rolligkeit genannt. Rollige Weibchen suchen mit Duftmarken und Gebrüll nach einem Geschlechtspartner - meistens dem Männchen, mit dem ihre Reviere überlappen. Wenn sich ein Männchen und ein Weibchen gefunden haben, verbringen sie ein bis zwei Tage zusammen und paaren sich in dieser Zeit mehrfach. Für den Geschlechtsakt legt sich das Weibchen auf den Bauch und das Männchen steigt über ihren Rücken. Die Kopulation endet oft aggressiv und damit, dass das Männchen dem Weibchen in den Nacken beißt, woraufhin das Weibchen aufspringt und sich wehrt. Die Empfängnisrate beträgt insgesamt etwa 50 bis 67 Prozent.

Die Tragzeit dauert ungefähr 96 Tage. An einem versteckten Ort bringt das Weibchen meist ein bis drei Junge zur Welt. In seltenen Fällen werden bei einem Wurf aber auch bis zu sechs Junge geboren. In manchen Regionen finden die Geburten über das ganze Jahr verteilt statt, in anderen sind sie mit der Geburtssaison ihrer Beutearten synchronisiert oder von den Niederschlagsmengen abhängig. Die Leopardenkinder werden blind und nackt und mit einem Geburtsgewicht von etwa 500 bis 600 Gramm geboren. In den ersten Lebenstagen bleibt die Mutter fast die ganze Zeit bei ihrem Nachwuchs. Nach ein paar Tagen geht sie wieder regelmäßig auf die Jagd und lässt ihre Jungen im Versteck zurück. Wenn die Jungen ein paar Monate alt sind, können sie schon einige Tage allein bleiben. Gelegentlich zieht das Weibchen mit ihren Jungen in ein neues Versteck um. Im Alter von ungefähr drei Monaten fangen die Leopardenkinder an ihre Mutter hin und wieder zu begleiten. Im Spiel raufen die Geschwister miteinander, jagen sich und probieren sich aus. Spätestens, wenn mit sieben bis acht Monaten die bleibenden Eckzähne da sind, üben sich die Jungtiere darin kleine Beutetiere zu töten. Die Jungensterblichkeit ist bei Leoparden sehr hoch. Im ersten Lebensjahr versterben zwischen 50 und 90 Prozent der Jungen unabhängig vom Geschlecht. Dabei ist der Aufzuchterfolg von Weibchen im Alter von neun bis 14 Jahren größer als der von jüngeren und älteren Weibchen. Die Leopardenväter beteiligen sich nicht an der Aufzucht ihrer Jungen. Nach 12 bis 18 Monaten sind die jungen Leoparden in der Lage mehr oder weniger selbstständig zurechtzukommen und verlassen ihre Mutter im Alter von 15 bis 36 Monaten. Dabei lassen sich junge Weibchen gerne in der Nähe ihrer Mütter nieder, während junge Männchen weiter weg ziehen. Manchmal bleiben Geschwister in den ersten Monaten nach der Trennung von der Mutter noch zusammen bis schließlich jeder seine eigenen Wege geht. Im subadulten Alter beträgt die Sterblichkeit bei jungen Männchen etwa 29 Prozent und die der jungen Weibchen ca. 15 Prozent. Die Todesursachen sind dabei vor allem innerartliche Konkurrenz und sogenannte Mensch-Wildtier-Konflikte (siehe Kapitel Bedrohungsfaktoren). Frühestens 15 Monate nach dem vorherigen Wurf werden die Weibchen wieder trächtig, manchmal aber auch erst nach über zwei Jahren. Leoparden können sich bis zu einem Alter von etwa 16 Jahren fortpflanzen. Im Kruger-Nationalpark in Südafrika erreichen rund vier Fünftel der erwachsenen Leoparden ein hohes Alter.

Wenn das Revier eines Männchens von einem neuen Männchen übernommen wird, kommt es häufig vor, dass der Neue die abhängigen Jungtiere, die von seinem Vorgänger stammen, tötet. Dadurch werden die Weibchen schneller wieder paarungsbereit und das neue Männchen kann seinen Fortpflanzungserfolg erhöhen. Andererseits reduzieren Kindstötungen den Fortpflanzungserfolg der Weibchen und den der gesamten Population. Im Wildschutzgebiet Sabi Sand in Südafrika ist Infantizid beispielsweise die Ursache von etwa 40 Prozent der Jungensterblichkeit. Der Fortpflanzungserfolg der Weibchen ist vor allem von der Qualität des Lebensraumes und vom Schutz ihrer Jungen vor Infantizid abhängig.

Geografische Verbreitung

Leoparden haben das größte Verbreitungsgebiet aller Katzen. Während sie in einigen Regionen noch zahlreich und flächendeckend zu finden sind, kommen sie mancherorts allerdings nur noch verinselt vor. In 63 bis 75 Prozent ihres historischen Verbreitungsgebietes sind sie bereits ausgestorben. Aktuell leben Leoparden in mindestens 61 Ländern.

In Afrika haben Leoparden das größte Verbreitungsgebiet. Sie kommen vor in Ägypten, Äquatorialguinea, Äthiopien, Angola, Benin, Botswana, Burkina Faso, der Demokratischen Republik Kongo, Dschibuti, der Elfenbeinküste, Eritrea, Gabun, Ghana, Guinea, Guinea-Bissau, Kamerun, Kenia, Malawi, Mosambik, Namibia, Nigeria, der Republik Kongo, der Republik Liberia, der Republik Niger, Ruanda, Sambia, Senegal, Sierra Leone, Simbabwe, Somalia, Sudan, Südafrika, Südsudan, Swasiland, Tansania, Tschad, Uganda und der Zentralafrikanischen Republik. In Algerien, Burundi und Mali ist ihr Vorkommen unsicher. In Gambia und Lesotho sind sie wahrscheinlich bereits ausgestorben. Früher kamen sie außerdem in Marokko, Mauretanien, Togo und Tunesien vor. Insgesamt haben die Leoparden in Afrika bis heute 48 bis 67 Prozent ihres historischen Verbreitungsgebietes verloren. In Nordafrika beträgt der Lebensraumverlust rund 97 Prozent, in Westafrika 86 bis 95, in Zentralafrika 45 bis 66 Prozent, in Ostafrika 45 bis 60 Prozent und im südlichen Afrika schätzungsweise rund 21 Prozent.

In Asien sind Leoparden in den folgenden Ländern beheimatet: Afghanistan, Armenien, Aserbaidschan, Bangladesch, Bhutan, China, Indien, Indonesien, Islamische Republik Iran, Jemen, Kambodscha, Malaysia, Myanmar, Nepal, Oman, Pakistan, Republik Irak, Russland, Saudi-Arabien, Thailand, Sri Lanka, Türkei und Turkmenistan. In Usbekistan ist ihr Vorkommen unsicher. In Georgien, Israel, Laos, Nordkorea, Tadschikistan und Vietnam sind Leoparden wahrscheinlich bereits verschwunden. Früher waren sie außerdem in Hongkong, Jordanien, der Republik Korea, Kuwait, im Libanon, Singapur, Syrien, den Vereinten Arabischen Emiraten und auf der ägyptischen Halbinsel Sinai verbreitet. Dabei lebt der Arabische Leopard auf der Arabischen Halbinsel, der Persische Leopard vorwiegend im Kaukasus, in Vorderasien sowie in Zentralasien, der Indische Leopard auf dem indischen Subkontinent, der Sri-Lanka-Leopard ausschließlich auf Sri Lanka, der Indochinesische Leopard in Südostasien und im Süden Chinas, der Java-Leopard ausschließlich auf der Insel Java, der Chinesische Leopard ausschließlich in China und der Amur-Leopard in Nordostasien. Insgesamt haben die Leoparden in Asien bis heute 83 bis 87 Prozent ihres historischen Verbreitungsgebietes verloren. Die vier Unterarten Arabischer Leopard, Amur-Leopard, Chinesischer Leopard und Indochinesischer Leopard sind dabei am stärksten betroffen. Sie haben bereits mindestens 93 Prozent ihres historischen Verbreitungsgebietes verloren. Des Weiteren sind bereits 84 Prozent des Lebensraumes des Java-Leoparden, mindestens 84 Prozent des Lebensraumes des Persischen Leoparden, mindestens 70 Prozent des Lebensraumes des Indischen Leoparden und 63 Prozent des Lebensraumes des Sri-Lanka-Leoparden verloren gegangen.

Insgesamt stehen afrika- und asienweit aktuell rund 17 Prozent des Verbreitungsgebietes unter Schutz. Beim Sri-Lanka-Leopard sind zum Beispiel etwa die Hälfte des Verbreitungsgebietes geschützt, während es beim Arabischen Leoparden nur ca. neun Prozent sind.

Lebensraum

Leoparden sind sehr anpassungsfähig und kommen in den Tropen, Subtropen und der gemäßigten Zone in den verschiedensten Lebensräumen vor: in Regenwäldern, Mangrovenwäldern, Trockenwäldern, Laubwäldern, Mischwäldern, Nadelwäldern, Bergwäldern, Sumpfwäldern, Savannenwäldern, Baumsavannen, Strauchsavannen, Langgrassavannen, Halbwüsten und Wüsten. Sie leben aber auch in der Nähe der Menschen wie beispielsweise an Ortsrändern und auf Teeplantagen. Insgesamt sind sie in schneereichen Regionen mit strengen Winterfrösten als auch in heißen, trockenen Gebieten beheimatet und kommen in Höhenlagen von bis zu 5200 Metern vor. In schneebedeckten Regionen bevorzugen Leoparden Lebensräume mit einer durchschnittlichen Schneedecke von unter 15 Zentimetern. Dabei sind die speziellen Ansprüche, die Leoparden an einen geeigneten Lebensraum stellen, gering solange ganzjährig Beutetiere und Verstecke vorhanden sind.

Ernährungsweise

Leoparden ernähren sich ausschließlich von Fleisch und gelten als einer der besten Schleichjäger. Sie gehören zu den Top-Prädatoren in ihrem Lebensraum. Als Spitze der Nahrungskette sind sie somit ein besonders wichtiger Teil des natürlichen Nahrungsnetzes. In den meisten Regionen ihres Verbreitungsgebietes jagen sie in der Dämmerung und nachts. Beim Umherstreifen orten sie Beute über das Gehör und die Sicht. Sobald sich eine Gelegenheit zur Jagd bietet, legen sie sich auf die Lauer. Beim Anpirschen kriechen sie mit geducktem Körper dicht über dem Boden und nutzen geschickt sämtliche Versteckmöglichkeiten. Im Vergleich zu anderen großen Katzen schaffen Leoparden es sich besonders nah an ihre Beutetiere heranzuschleichen und greifen sie manchmal aus weniger als zehn Meter Entfernung an. Zum Angriff schießen sie dann aus dem Hinterhalt hervor, stürzen sich auf die Beute und reißen sie nieder. Größere Beutetiere töten sie mit einem Kehlbiss, kleinere mit einem Nackenbiss. Wenn sie ein Beutetier nach wenigen Metern nicht überwältigen konnten, nehmen sie selten die Verfolgung auf. Neben der Schleichjagd praktizieren Leoparden auch die Lauerjagd, bei der sie in einem Versteck zum Beispiel an einer Wasserstelle oder nahe eines Wildwechsels warten bis ein Beutetier in die Nähe kommt.

Leoparden haben ein sehr breites Beutespektrum. Sie fressen sämtliche Tiere von Insekten bis zu Huftieren, die zwei bis drei Mal schwerer sind als sie selbst. Einen Großteil der Beute machen kleine bis mittelgroße Säugetiere mit einem Gewicht von fünf bis 45 Kilogramm aus. In den Savannenländern in der Serengeti in Ostafrika, im Kruger-Nationalpark und in der Kalahari im südlichen Afrika zählen Impalas, Thomson-Gazellen und Kap-Springböcke zu den Hauptbeutearten. Dazu kommen Buschböcke, Riedböcke, Streifengnus, Ducker und Zebras sowie Warzenschweine, Erdferkel, Springhasen, Rohrratten, Vögel uvm. Auch vor gefährlichen, wehrhaften und gut geschützten Tieren wie Pythons, Erdwölfen, Ginsterkatzen, Stachelschweinen und Schuppentieren machen Leoparden nicht Halt. In den Regenwäldern Afrikas sind ebenfalls mittelgroße Huftiere die Hauptbeute. Zudem machen verschiedene Primatenarten wie Mangaben, Meerkatzen und Stummelaffen etwa ein Viertel der Nahrung aus. Insgesamt umfasst das Beutespektrum der Leoparden im subsaharischen Afrika mindestens 92 Arten. Wie in Afrika gehören auch in Asien kleine bis mittelgroße Huftiere zu den meist gejagten Beutearten der Leoparden. In den Schutzgebieten Nagarhole-Nationalpark in Indien, Wildschutzgebiet Huai Kha Khaeng in Thailand und Wolong-Naturreservat in China gehören Axishirsche, Muntjaks, Sambars und Schopfhirsche zu den Hauptbeutearten. Im russischen Fernen Osten machen Sibirische Rehe mehr als die Hälfte der Leopardenbeute aus. Weitere gern gejagte Beutetiere in Asien sind Vierhornantilopen, Gaur, Moschustiere, Wildschweine, Takine sowie Marderhunde, Nagetiere, Eidechsen, Fasane usw. Außerdem wurden in China die Überreste von einem Roten Panda und einem Großen Panda in Leopardenkot nachgewiesen. Leoparden kommen auch in Gegenden zurecht, in denen sie nur kleine Beute finden. In der alpinen Zone des Mount-Kenya-Massivs ernähren sie sich zum Beispiel von Klippschliefern und Afrikanischen Furchenzahnratten. In der Nähe von Siedlungen stehen auch Haus- und Nutztiere wie Hunde, Katzen, Schafe, Ziegen, Rindskälber und Schweine auf dem Speiseplan der Leoparden.

Insgesamt haben Leoparden im Vergleich zu anderen Großkatzen einen geringeren Jagderfolg. Dafür verbraucht ihre Jagdweise weniger Energie, weil Leoparden ihrer Beute selten über längere Strecken hinterher sprinten wie beispielsweise Geparden und die Überwältigung der Beute nicht besonders kräftezehrend ist wie zum Beispiel bei Löwen. So können Leoparden den geringeren Jagderfolg durch häufigere Versuche ausgleichen. Außerdem nehmen Leoparden auch Aas und scheuen auch nicht davor zurück anderen, zumeist kleineren Raubtieren die Beute streitig zu machen. Im Gegenzug kann es Leoparden aber auch passieren, dass sie ihre Beute an überlegene Raubtiere verlieren. Um dies zu vermeiden, sichern sie ihre Beute typischerweise in Bäumen, wo vor allem Löwen, Tiger und Hyänen nicht heran kommen. Dazu ziehen und schleppen Leoparden ihre Beute über Hunderte von Metern über den Boden und klettern dann mit der Beute im Schlepptau bis in mehrere Meter Höhe. In Afrika wurde einmal ein Leopard beobachtet, der es geschafft hat, ein ca. 125 Kilogramm schweres Giraffenkalb bis in eine Höhe von 5,70 Meter zu transportieren. Solche anstrengenden Beutesicherungen sind abhängig von der Dichte stärkerer Nahrungskonkurrenten und in den verschiedenen Regionen des Verbreitungsgebietes unterschiedlich häufig. Ein vorteilhafter Nebeneffekt bei der Beutesicherung in Bäumen ist, dass sich dadurch die Haltbarkeit des Fleisches erhöht. Wenn möglich, jagen Leoparden nur alle paar Tage ein größeres Beutetier und fressen dann mehrere Tage lang davon. Ihr durchschnittlicher Fleischbedarf beträgt 2,9 bis 4,7 Kilogramm pro Tag. Im Londolozi Tierreservat in Südafrika riss ein Leopardenweibchen beispielsweise 28 Beutetiere mit einem Gewicht von mehr als zehn Kilogramm in einem Zeitraum von 330 Tagen. Im Allgemeinen ist der Kalorienbedarf von säugenden Müttern am größten, gefolgt von dem der Männchen und ist bei Weibchen ohne Jungtiere am geringsten.

Leoparden können ihren Wasserbedarf einige Zeit lang ausschließlich über den Verzehr ihrer Beute decken. Untersuchungen in der Kalahari im südlichen Afrika zeigen, dass die Leoparden dort beispielsweise bis zu zehn Tage ohne zu trinken auskommen können.

Bestandsgröße und Gefährdungsstatus

Die Entwicklung der Bestände des Afrikanischen Leoparden seit den 1990er Jahren ist insgesamt wenig erforscht. Im Jahr 2008 wurde der Gesamtbestand der Afrikanischen Leoparden auf mehr als 700.000 Tiere geschätzt, wobei diese Anzahl als relativ unsicher gilt. Aus den letzten Jahren liegen vor allem vereinzelte Daten vor. In Nordafrika ist der Leopardenbestand sehr klein und wahrscheinlich weiter abnehmend. Im subsaharischen Afrika nehmen die Bestände in weiten Teilen des Verbreitungsgebietes ebenfalls ab, vor allem außerhalb von Schutzgebieten. Es wird angenommen, dass sich die Leopardenbestände in West- und Ostafrika im Zeitraum zwischen den Jahren 1970 und 2005 insgesamt mehr als halbiert haben. Im südlichen Afrika gibt es in einigen Regionen die noch wohlbehaltensten Populationen. Trotzdem scheinen zumindest die Leoparden in Angola, Mosambik, Sambia, Simbabwe und Südafrika im Vergleich zu den letzten Zählungen weniger geworden zu sein.

In Indien wurde im Jahr 2014 die erste wissenschaftliche Leopardenzählung durchgeführt. Landesweit soll es schätzungsweise 12.000 bis 14.000 Leoparden geben. Damit hat die Unterart des Indischen Leoparden die größte Population im Vergleich der asiatischen Unterarten. In Südostasien werden weniger als 2.500 Indochinesische Leoparden vermutet. Laut der Weltnaturschutzunion IUCN gibt es noch etwa 800 bis 1000 Persische Leoparden. Die Population der Sri-Lanka-Leoparden zählt ca. 700 bis 950 Tiere. In China leben neben einigen Indischen, Indochinesischen und Amur-Leoparden schätzungsweise weniger als 500 Chinesische Leoparden, die in kleinen weniger als 50 Individuen zählenden Teilpopulationen vorkommen. Auf der Insel Java werden heute weniger als 250 Java-Leoparden vermutet. Auf der Arabischen Halbinsel leben noch etwa 45 bis 200 Arabische Leoparden. Die Amur-Leoparden haben mit etwa 70 Tieren die kleinste Population aller Leopardenunterarten.

In der Roten Liste der Weltnaturschutzunion IUCN sind Leoparden als gefährdet gelistet. Dabei gelten die Unterarten der Sri-Lanka-Leoparden und Persischen Leoparden als stark gefährdet und die Amur-Leoparden, Arabischen Leoparden und Java-Leoparden als Unterarten vom Aussterben bedroht. Im Washingtoner Artenschutzübereinkommen CITES sind Leoparden im Anhang I gelistet. Jeder internationale kommerzielle Handel ist somit verboten. In den einzelnen Verbreitungsländern ist der Schutzstatus der Leoparden von der nationalen Gesetzgebung abhängig. In den meisten Ländern sind sie geschützt. Des Weiteren ist die Trophäenjagd auf Leoparden in einigen Ländern erlaubt. Im Rahmen des Washingtoner Artenschutzübereinkommens CITES dürfen die Länder Äthiopien, Mosambik, Namibia, Sambia, Simbabwe und Tansania unter Beachtung der jeweiligen Länderquoten im Jahr 2017 insgesamt 1720 Leopardentrophäen ausführen.

Bedrohungsfaktoren

Heutzutage gehören der Lebensraumverlust, der Rückgang der Beutetierpopulationen, Mensch-Wildtier-Konflikte, unkontrollierte oder überhöhte Trophäenjagdquoten, die Wilderei und der illegale Handel zu den größten Bedrohungen für die Leoparden.

Der Anstieg der Bevölkerung führt vielerorts dazu, dass Naturräume für Siedlungen, Landwirtschaft und Infrastruktur zerschnitten und teilweise geopfert werden. Seit den 1990er Jahren sind im gesamten Verbreitungsgebiet der Leoparden mehr als 30 Prozent des Lebensraumes verloren gegangen. In vielen Teilen des Verbreitungsgebietes nimmt der Lebensraumverlust weiter zu.

Wildtiere, darunter viele Leopardenbeutetierarten sind in vielen Regionen als sogenanntes Buschfleisch eine wichtige Nahrungsquelle für die Bevölkerung. Das Bevölkerungswachstum ebenso wie die Kommerzialisierung des Buschfleischhandels haben zu Überjagung geführt. In weiten Teilen der zentralafrikanischen Wälder gibt es so gut wie keine großen und mittelgroßen Wirbeltiere mehr und es wird vom sogenannten Empty Forest Syndrom, vom Syndrom der leeren Wälder, gesprochen. In West- und Ostafrika und im südlichen Afrika ist die Entwicklung der Bestände der Beutetiere der Leoparden im Zeitraum zwischen 1970 und 2005 in 78 Schutzgebieten untersucht worden. Dabei wurde festgestellt, dass die Beutetiere der Leoparden im subsaharischen Afrika in diesen 35 Jahren durchschnittlich um 59 Prozent abgenommen haben. In vielen Regionen des Verbreitungsgebietes der Leoparden ist die Kapazität für die Dichte der Beutetierbestände deshalb bei weitem nicht ausgefüllt. In manchen Regionen in Sambia wäre beispielsweise Platz für rund 15 bis 16 Mal so viele Huftiere.

Als große Beutegreifer und Fleischfresser können Leoparden in Mensch-Wildtier-Konflikte geraten, wenn sie Nutz- und Haustiere oder sogar Menschen bedrohen. So werden sie immer wieder vorsorglich oder aus Rache getötet. Vor allem in Regenwaldregionen werden Leoparden auch als Konkurrenten um Buschfleisch betrachtet. Als Aasfresser lassen sich Leoparden leicht ködern oder vergiften.

Neben Elefanten, Nashörnern, Büffeln und Löwen gehören Leoparden als die „Big Five“ zu den begehrtesten Jagdtrophäen für Großwildjäger. Für die Trophäenjagd gibt es zwar mittlerweile Quoten, dennoch ist nach wie vor unklar, welche Auswirkungen sie auf die Leopardenbestände genau haben. Der Abschuss eines territorialen Männchens hat beispielsweise zur Folge, dass es Kämpfe um die Neubesetzung seines Reviers gibt und es mindestens einmal zu Tötungen der abhängigen Jungtiere im Revier, die vom Vorgänger stammen, kommt (vgl. Kapitel Lebensweise und Fortpflanzung). So schwächt die Trophäenjagd eine Leopardenpopulation und reduziert ihre Fortpflanzungsrate.

Eine weitere Bedrohung ist die Wilderei für den illegalen Handel mit Leopardenkörperteilen wie Häute, Knochen und Eckzähne. Leoparden werden sowohl in Afrika als auch in Asien gewildert und dann hauptsächlich auf den lokalen Schwarzmärkten angeboten. Leopardenknochen sind in Asien in den letzten Jahren zu einer beliebten Alternative zu Tigerknochen in der Traditionellen Asiatischen Medizin geworden, da es nur noch wenige wildlebende Tiger in Asien gibt und der Handel mit Tigerknochen verstärkt kontrolliert wird. Leopardenhäute und –eckzähne sind in Afrika Bestandteil traditioneller Zeremonien. In Asien sind Leopardenhäute begehrte Luxusgüter. Bis in die 1970er Jahre wurden Leopardenfelle außerdem im großen Stil in der Pelzindustrie zu Bekleidungsstücken für die amerikanische und europäische Modewelt verarbeitet. In Südostasien erzielen Leopardenkadaver aktuell Preise von bis zu 3.000 US-Dollar pro Stück. In Indien gibt es seit dem Jahr 2000 durchschnittlich 3,5 Beschlagnahmungen von Leoparden oder ihren Körperteilen pro Monat. Experten vermuteten, dass in Indien jede Woche etwa vier Leoparden gewildert werden. Bei einer landesweiten Untersuchung der Todesursache verstorbener Leoparden im Iran wurde festgestellt, dass 70 Prozent der Leoparden durch Jagd und Vergiftung ums Leben gekommen sind.

 

Der Leopardenschutz ist seit Jahrzehnten ein großes Thema für den WWF. Leoparden gehören ebenso wie Eisbären, Nashörner, Elefanten, Menschenaffen, Große Pandas und weitere Arten zu den Flaggschiffarten des WWF. Der WWF ist weltweit in zahlreichen Projekten zum Schutz und zur Erforschung bedrohter Arten aktiv und hat bereits viel erreicht. Weitere Informationen über die Projektarbeit finden sich unter: www.wwf.de/themen-projekte/bedrohte-tier-und-pflanzenarten

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