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Stand: 05.06.2019

Gute und schlechte Nachrichten aus dem Waisenhaus

Im vergangenen Jahr machten sich fünf Jungbären vom Waisenhaus auf in die Freiheit. Acht Bären kamen dagegen neu im Waisenhaus an, leider verstarb eines davon wenige Tage nach seiner Ankunft. Die verbleibenden sieben Geschwister haben ihren ersten Winter erfolgreich verschlafen und sind nun in einem neuen Gehege angekommen. Leonardo Bereczky, Gründer des Waisenhauses für Bärenkinder, berichtet, wie die Auswilderung der Bären abläuft.

Zwei Generationen leben im Waisenhaus

Im Waisenhaus werden zwei Bärenkinder-Generationen parallel aufgepäppelt. Die Bären bleiben maximal zwei Jahre im Waisenhaus. Die zwei Generationen halten sich in getrennten Gehegen auf. Während ihrer Zeit im Waisenhaus durchlaufen die Bären verschiedene Gehege – abhängig von ihren Bedürfnissen und der Jahreszeit. Die Gehege sind miteinander verbunden, sodass die Bären ganz allein ins nächste wandern. "Wir öffnen die Türen zwischen den Gehegen, wenn die Bären gerade nicht in der Nähe sind", erklärt Leonardo Bereczky.

 

Finanziert wird die Arbeit des Teams mit Hilfe von Spenden. Der WWF unterstützt die Auffangstation für Bärenkinder; die Hilfe dafür ist Teil des groß angelegten Engagements des WWF zu großen Beutegreifern. Ziel des Projekts LIFE EuroLargeCarnivores ist es, einen europaweiten Austausch zu ermöglichen und bestehende Lösungen für das Zusammenleben mit Wildtieren bekannter zu machen.

Natürliche Auswilderung

Klettern will gelernt sein. © WWF Rumänien
Klettern will gelernt sein. © WWF Rumänien

Die Bärenwaisen beginnen ihr Leben in Freiheit auf ganz natürliche Weise und völlig unbehelligt vom Menschen. Die Gehege sind so gestaltet, dass sie den Bären alles bereitstellen, was sie benötigen – sie sind Waisen und keine Gefangenen. Zwischen Spätsommer und Herbst verändert sich das Verhalten der Bärenkinder, sie werden neugierig und erkunden immer stärker ihre Umgebung. Genau so verhalten sie sich auch in freier Wildbahn: Im zweiten Jahr, das sie mit ihrer Mutter verbringen, werden die Jungen entwöhnt und beginnen ein selbständiges Leben.

 

"Wir beobachten das Verhalten der Bärenkinder und bemerken diese Veränderung. Dann ist es Zeit, die Tore des letzten Geheges zu öffnen", erzählt Leonardo. Er entscheidet, wann der richtige Zeitpunkt dafür gekommen ist. Wichtig ist nicht nur der Gesundheitszustand und das Verhalten der Bären, auch Nahrung muss in der direkten Umgebung reichlich vorhanden sein.

 

"Nachdem das Tor geöffnet ist, bleiben die Bären meist noch einige Zeit in der Nähe und kehren auch in das Gehege zurück", so Leonardo. "Wir lassen ihnen auch immer ein bisschen extra Futter da, für den Fall, dass sie es brauchen."

Die Rückkehr wird seltener

Tage und Wochen vergehen, während denen sich die Jungbären immer weiter vom Waisenhaus entfernen bis sie sich schließlich dazu entscheiden, für immer zu gehen und ein neues Leben in der rumänischen Wildnis zu beginnen. So wird das letzte Gehege schließlich frei für die nächste Generation.

 

"In seltenen Fällen werden die Jungbären 'hart' ausgewildert", berichtet Leo. "Wir machen das, wenn die Bären betäubt und in eine andere Gegend gebracht werden, z. B. um den Bestand der Bären dort anzuheben." Der Zeitpunkt ist derselbe wie bei der natürlichen Auswilderung – irgendwann zwischen August und Oktober, wenn die Bären das richtige Gewicht erreicht haben. Leonardo Bereczkys Beobachtungen haben gezeigt, dass die Bären eine höhere Überlebenschance haben, wenn sie zum Zeitpunkt ihrer Auswilderung mehr als 40 kg wiegen.

2018: Fünf Bären in Freiheit

Der Winterschlaf ist zu Ende. © WWF Rumänien
Der Winterschlaf ist zu Ende. © WWF Rumänien

2018 wurden fünf Bären erfolgreich in die Freiheit entlassen und acht neue Jungtiere im Waisenhaus aufgenommen. "Leider hat eines der acht Bärenkinder nicht überlebt", berichtet Leonardo. "Es zeigte keine Anzeichen von Krankheit oder verändertem Verhalten. Aber als ich eines Morgens die Hütte betrat, lag es tot auf dem Boden. Wir wissen leider nicht, woran es gestorben ist, aber wir sind froh, dass es nichts Ansteckendes war und die anderen Bären überlebt haben."

 

Die verbleibenden sieben Bären haben ihren ersten Winter erfolgreich hinter sich gebracht – sie haben ihn in einer selbst gegrabenen Höhle verschlafen. Vor etwa eineinhalb Monaten sind sie aufgewacht. "Sie sind nun das zweite Jahr im Waisenhaus, weshalb wir seltener nach ihnen schauen", so Leonardo. "Sie werden ausschließlich mit Hilfe einer Drohne mit Futter versorgt. Auf diese Weise stellen wir sicher, dass sie bis zu ihrer Auswilderung natürliches Verhalten entwickelt haben und sich selbstständig in der Wildnis versorgen können."

Das können Sie zur Unterstützung der Auffangstation tun

Braunbären © Leonardo Bereczky

Mit 50 € leisten Sie einen sehr wichtigen Beitrag zu unserem breit angelegten Engagement für die großen Beutegreifer in Europa.

Braunbär © Leonardo Bereczky

Mit 80 € können wir für ein Bärchen, das krank oder unterernährt in die Station kommt, die nötigen Medikamente beschaffen.

Braunbär © Leonardo Bereczky

Mit 150 € finanzieren Sie das Futter für ein Bärchen für fast einen ganzen Monat. Aktuell leben in der Station 12 kleine Bären.

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