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Stand: 04.04.2019

Das „Rote Panda Projekt“ im östlichen Himalaya

Der Rote Panda (syn. Kleiner Panda, Katzenbär, Feuerfuchs) ist eine ganz besondere Tierart - nämlich die einzige seiner Familie. Doch der Katzenbär hat zunehmend Probleme: Schwindenden Lebensraum, Wilderei und Klimawandel.

Roter Panda © iStock / Getty Images
Roter Panda © iStock / Getty Images

Ein richtiger Bär? Oder doch eher eine Art Waschbär? Lange Zeit waren sich Wissenschaftler nicht sicher, was der Rote Panda genau für ein Tier ist. Um die Verwirrung vollständig zu machen, gab der Erstbeschreiber des Roten Pandas, Frederic Cuvier der Art den Namen Ailurus fulgens (dt. Glanzkatze).

Verbreitungsgebiet des Roten Pandas
Verbreitungsgebiet des Roten Pandas

Heute weiß die Wissenschaft: Das "schönste Säugetier auf Erden" - wie Cuvier den Roten Panda genannt hatte - ist weder Bär, noch Waschbär, noch Katze, sondern Teil einer eigenen Familie, die schon seit ca. 30 Millionen Jahren von seinen nächsten Verwandten, den Mardern, Stinktieren und Waschbären, getrennt ist. Die Vorfahren des Roten Pandas waren bis vor vier Millionen Jahren auch in Nordamerika und Europa verbreitet. Mit Beginn der letzten Kaltzeit sind diese Ahnen jedoch überall ausgestorben – außer in den Bergwäldern im Himalaya und seinen Randgebirgen in den Ländern Indien, Nepal, Bhutan, Myanmar und China.


Der Rote Panda ist das Wappentier des kleinen indischen Bundestaats Sikkim, der im südlichen Himalaya eingezwängt zwischen China, Nepal und Bhutan liegt. Über zehn Jahre lang war der WWF Deutschland dort aktiv und hat sich erfolgreich für den Schutz des Roten Pandas eingesetzt. 240 Hektar Lebensraum wurden durch Aufforstung zurückgewonnen und die Wilderei stark eingedämmt. „Bevor sich der WWF des Roten Pandas angenommen hat, waren die Tiere de facto schutzlos. Wir sind Deutschland dafür sehr dankbar, dass sich das geändert hat“, versichert Priya Shrestha vom WWF-Büro Sikkim.

Roter Panda auf der Roten Liste

In seinen Verbreitungsstaaten genießt der Rote Panda die höchste Schutzstufe. Leider oftmals nur auf dem Papier. © iStock / Getty Images
Rote Pandas © iStock / Getty Images

Doch nicht nur in Indien, sondern auch anderswo ist der Rote Panda bedroht. Der Lebensraum der Katzenbären wird immer weiter abgeholzt und ist inzwischen auf unter 25.000 km² geschrumpft und mit Straßen, Siedlungen und anderer menschlicher Infrastruktur durchzogen. Das schneidet die Lebensräume der plüschigen Bergbewohner voneinander ab und erschwert den genetischen Austausch der Tiere. Neben dem Lebensraumverlust brachte seine Schönheit den Roten Panda an den Rand des Aussterbens: Wegen seines Fells wurde er erbarmungslos gejagt. Die Wilderei auf den Roten Panda ist zwar zurückgegangen, aber noch lange nicht erloschen. So kam es vor einigen Jahren in einigen seiner Verbreitungsgebiete trotz Jagd- und Handelsverbots wieder in Mode, sich mit den auffälligen rotbraunen Pelzmützen zu schmücken. Weltweit gibt es von diesen etwa ein Meter großen Katzenbären weniger als 10.000 geschlechtsreife Tiere. In den letzten zwei Jahrzenten ist die Population um 50 Prozent gesunken. Daher wird Rote Panda seit 2015 auf der Roten Liste der bedrohten Tierarten der Weltnaturschutzunion IUCN als stark gefährdet eingestuft.

 

Seit 1975 ist der internationale Handel mit dem Roten Panda durch das Washingtoner Artenschutzübereinkommen (CITES) streng reglementiert, seit 1995 sogar komplett verboten. Jagd und Handel des äußerst seltenen und bedrohten Katenbären sind in seinen Verbreitungsländern offiziell verboten.

Neues Engagement in Bhutan

Die Reviere der Roten Pandas werden zerstört © Ola Jennersten / WWF
Die Reviere der Roten Pandas werden zerstört © Ola Jennersten / WWF

Seit 2019 widmet sich der WWF Deutschland dem Pandaschutz in Bhutan, einem Himalaya-Staat etwa so groß wie die Schweiz. Das Königreich Bhutan besteht zu einem Viertel (!) aus Nationalparks. Doch vor der Bedrohung durch die Klimaveränderung sind auch diese schwer zu schützen. Die kontinuierliche Erwärmung verursacht Trockenheit. Immer häufiger kommt es zu Waldbränden. Nicht nur dadurch werden Panda-Reviere zerstört: Die Bevölkerung hat sich seit 1980 mehr als verdoppelt. Immer mehr Wald wird für Straßen, Siedlungen und Wasserkraftwerke gerodet.

Zum Start des Panda-Projekts muss die Lage der Roten Pandas in Bhutan erforscht werden. Denn nur dann kann der WWF genau wissen, wie, wie sehr und wo genau er dort helfen muss. Der erste Schritt wird daher sein, Näheres über die Verbreitung und die bevorzugten Lebensräume der Katzenbären zu erfahren. Niemand weiß, wie viele Rote Pandas es in Bhutan noch gibt. Nicht einmal Experten geben dazu Schätzungen ab. Man weiß nur, dass es sie noch gibt – in 13 von 20 Distrikten wurden die geheimnisvollen Tiere nachgewiesen – und dass ihre Zahl abnimmt. Woher man das weiß? Rote Pandas machen ihre Hinterlassenschaften immer am selben Ort. Die bekannten „Panda-Klos“ bleiben aber immer häufiger ungenutzt. Neue entdeckt man selten. Zudem schlagen sich Panda-Experten in Bambus-Gestrüppe und klettern auf Bäume. Dort suchen sie nach Kratzspuren.

Den Roten Panda schützen - mit den Einwohnern

Weil ein großer Teil des Panda-Lebensraums in Bhutan außerhalb der Schutzgebiete liegt, kann der Rote Panda nur mit Hilfe dieser Gemeinden effektiv geschützt werden. Daher bemüht sich der WWF, die Menschen Bhutans in die Umweltschutzarbeit mit einzubeziehen. In Workshops wird das Bewusstsein von Lokalbevölkerung und Regierungsbediensteten für die Bedrohung der Pandas geschärft. Eine Ursache sowohl für die Vernichtung des Waldes als auch für die Wilderei ist die Armut der Bevölkerung. Das Schaffen von neuen, lohnenden Erwerbsquellen als Alternative zur Naturzerstörung kann deshalb wirksam zum Artenschutz beitragen. Der WWF unterstützt die Menschen vor Ort darin, Heilpflanzen und andere Waldprodukte auf nachhaltige Weise zu ernten. Die lokale Bevölkerung hat dann mehr davon, die Wälder zu schonen, als sie abzuholzen. Auch ein Rückfall in die Wilderei wird damit umso unwahrscheinlicher.

Zusammenarbeit mit Zoos

Team Roter Panda Krefeld © Kai und Kristin Fotografie
Team Roter Panda Krefeld © Kai und Kristin Fotografie

Der WWF Deutschland unterstützt den Schutz des Roten Pandas seit 2005, unter anderem mit Hilfe des Verbands Deutscher Zoodirektoren (VDZ). Die wissenschaftlich geführten Zoos haben es sich bereits vor einigen Jahren zur Aufgabe gemacht, eine Reservepopulation für den bedrohten Bambusfresser aufzubauen. Ein globaler Managementplan wurde eingerichtet, der nahezu alle Kontinente umfasst und Zoos weltweit zum Schutz der Katzenbären zusammenbringt. Ein Teil davon ist das Europäische Erhaltungszuchtprogram (EEP), das vom Zoo Rotterdam koordiniert wird. Mit fast 400 Tieren pflegen 155 europäische Zoos und Tiergärten derzeit über die Hälfte des weltweiten Zoo-Bestandes von Roten Pandas. Der Erhalt dieser Vielfalt im Zoo ist entscheidend, um eine gesunde Reservepopulation für zukünftige Wiederansiedlungen bereitzustellen – falls dies nötig werden sollte. Der WWF Deutschland hat daher in der Vergangenheit eine Studie zur genetischen Vielfalt innerhalb der Panda- Population in europäischen Zoos unterstützt.

Als weiterer Partner für den Schutz des Roten Pandas engagiert sich der Zoo Krefeld, mit dem der WWF 2019 die Artenschutz-Kooperation „Team Roter Panda Krefeld“ gegründet hat. Seit Jahrzehnten leben dort Rote Pandas. Allein in den letzten 20 Jahren wurden 12 Jungtiere aufgezogen. Jeder Nachwuchs erhöht die Chance, die Art zu retten.

Der Rote Panda als Inspiration

Dass der Rote Panda ein ganz besonderes Tier ist, hat im Übrigen auch die „Mozilla-Foundation“ erkannt. Der „Firefox“, einer der meistbenutzten Internet-Browser der Welt, verdankt seinen Namen nämlich eben jenem kleinen drolligen Katzenbären. Allerdings haben die Logo-Designer nicht genau hingeschaut, denn der Firefox ähnelt tatsächlich mehr einem Fuchs als einem Roten Panda.

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Roter Panda im Arten A-Z

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