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Stand: 20.02.2018

Wenn Minuten zählen - Ein Rettungswagen für Amur-Tiger

Die Dimensionen dieses Rettungswagens sind ganz andere als bei einem Krankenwagen für Menschen: Seit Ende Januar 2018 rollt eine Tierklinik auf Rädern durch den Südosten Russlands. Endlich können Tiger direkt vor Ort behandelt werden. Das ist gerade jetzt bitter nötig und hilft, Konflikte mit Menschen zu verhindern.

Der Tiger-Rettungswagen im Fernen Osten Russlands © WWF Russland
Der Tiger-Rettungswagen im Fernen Osten Russlands © WWF Russland

Schon das Fahrzeug sieht imposanter aus als ein normaler Krankenwagen. Es ist ein russischer Kamaz-Truck mit riesigen, geländegängigen Reifen und einer Hebevorrichtung für große Tiere. Über dem stabilen Operationstisch im Inneren hängt ein Beatmungsgerät, daneben geht es zum Rückzugsraum für die Mitarbeiter. Schließlich haben sie keine ungefährlichen Patienten auf dem Tisch.

Tiger-Notfälle häufen sich

Es ist tiefer Winter im Fernen Osten Russlands. Hier und im angrenzenden nordöstlichen China leben die letzten etwa 540 Amur-Tiger. Seit es kalt geworden, ist tauchen gehäuft abgemagerte Tiger in der Nähe von Siedlungen auf – mehr als in den letzten Jahren. Warum sie keine Beute machen können, weiß niemand. Nähern sich die Tiere in ihrer Not aber den Menschen, werden sie zum Konfliktfall. Die Jagdbehörde kann den Abschuss anordnen.

Amur-Tiger (Panthera tigris altaica) sind stark gefährdet und stehen unter Schutz. Sibirische Tiger werden diese größten lebenden Katzen der Welt auch genannt, deren Lebensraum die kalten Gebiete sind. Der größte Feind der Amur-Tiger ist die Wilderei. Doch in diesem Jahr scheint ihnen auch die Kälte zu schaffen zu machen.

Einsatz für den Tiger-Krankenwagen

Soll ein so genannter Konflikttiger überleben, muss man ihn entweder verscheuchen oder narkotisieren, einfangen und behandeln, um ihn später wieder auswildern zu können. Im Tiger-Krankenwagen wird das betäubte Tier professionell betreut und umfassend untersucht, damit man es dafür später nicht noch einmal betäuben muss. Auch Verletzungen werden sofort behandelt. Denn die Fahrt in die Auswilderungsstation kann im russischen Fernen Osten weit sein und manchmal einen ganzen Tag dauern. „Wir haben lange von einem solchen mobilen Krankenhaus geträumt“, sagt Viktor Kuzmenko, Leiter des Auswilderungszentrums Alekseevka in der russischen Region Primorje. „Es ermöglicht Erste-Hilfe-Maßnahmen unter Feldbedingungen, ohne wertvolle Zeit zu verlieren.“ So kann der Krankenwagen Tiger retten, die in Fallen für andere Wildtiere geraten sind, die von Autos angefahren oder von Wilderern verletzt wurden. 

Innen für den Tigereinsatz ausgerüstet © WWF Russland
Innen für den Tigereinsatz ausgerüstet © WWF Russland

Erste Hilfe für Tiger-Waisen

Es ist kein Einzelfall: Immer wieder werden in der Region verwaiste Tigerjunge gefunden, deren Mutter gewildert wurde. Noch können sie nicht für sich sorgen, sind häufig unterkühlt und unterernährt. Nach der Behandlung bringt der Tiger-Krankenwagen sie in die Auffangstation Alekseeva. Mit so wenig menschlichem Kontakt wie möglich lernen die jungen Tiger hier jagen, um später allein in freier Wildbahn überleben zu können – und sich nicht aus Hunger Siedlungen und zum Beispiel Haustieren zu nähern. Denn mit dem schwindenden Lebensraum der Tiere wird der Abstand zum Menschen immer geringer.

 

Rettungswagen für den Artenschutz

Der Krankenwagen ist für Tiger da, die den Menschen gefährlich werden können, die also Problemtiger sind. Sie zu retten ist Teil des Artenschutzes. „Jedes Jahr gibt es im südlichen Fernen Osten etwa 500 Konflikte zwischen Mensch und Wildtieren“, so Pavel Fomenko vom WWF Russland. „Bis zu 60 davon mit Amur-Tigern und Amur-Leoparden. Wir bauen ein ganzes System auf, um diese Konflikte zu verringern.“ Wichtiger Teil dieses Systems ist der neue Tiger-Krankenwagen. 

Mit der Ausstattung eines Krankenwagens ist es nicht getan. Um bei Mensch-Tier-Konflikten schnell und professionell eingreifen zu können, müssen zum Beispiel auch die Ranger regelmäßig geschult werden. 

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