In diesem Jahr fallen der Welttag der Flussdelfine und der Welttag der Wanderfische auf denselben Tag – den 24. Oktober. Zwar sind Delfine Säugetiere und keine Fische, aber die meisten wandern. Und sie sind auf wandernde Fische als Nahrungsgrundlage angewiesen. Deshalb sind Delfine von den gleichen Problemen betroffen wie ihre wandernden Beutefische. Der Living Planet Report des WWF zeigt: Fast jede dritte Süßwasserart ist vom Aussterben bedroht. So auch die Flussdelfine. Die River Dolphin Rivers Initiative des WWF hat sich zum Ziel gesetzt, ihre Zahl bis 2030 um 3.000 Individuen zu erhöhen.

Weltweit gibt es nur noch fünf Arten von Flussdelphinen – sie alle sind gefährdet oder vom Aussterben bedroht. Eine Art ist bereits ausgestorben. Der Rückgang der Populationen ist zum großen Teil auf dieselbe Umweltzerstörung zurückzuführen, die auch zur Entstehung zoonotischer Krankheiten wie COVID-19 führt: Lebensraumzerstörung, Umweltverschmutzung und Klimawandel.

Gesunde Delfine. Gesunder Fluss. Gesunde Menschen.

Jangtse Flussdelfin © naturepl.com / Mark Carwardine / WWF
Jangtse Flussdelfin © naturepl.com / Mark Carwardine / WWF

Flussdelfine sind ein Indikator für die Gesundheit der Flüsse, in denen sie leben. Sie zeigen an, ob das Ökosystem intakt ist, ob das Wasser sauber ist, ob Beutetiere reichlich vorhanden sind. Von den mächtigen Flüssen Ganges, Indus, Mekong, Jangtse, Irrawaddy, Mahakam, Orinoco und Amazonas hängen nicht nur die Delfine ab – auch Hunderte Millionen Menschen leben von ihnen.

Wo eine Flussdelfin-Population gedeiht, ist der Fluss gesund. Sind jedoch nicht viele Delfine vorhanden, gilt Alarmstufe Rot für die Gesundheit der gesamten umliegenden Umwelt. Delfine sind gute Räuber und spielen eine wichtige Rolle dabei, das Gleichgewicht des Flussökosystems zu erhalten.

Ihre Jagd auf Beutefische trägt dazu bei, dass die Populationen anderer Arten stabil und trägt so zum natürlichen Gleichgewicht bei. Übrigens zeigen Studien, dass die Nahrungsfische der Menschen oft nicht zum Beutespektrum der Delfine gehören, sie sind also keine Konkurrenten. Lebenswichtige Faktoren für das Wohlbefinden und die Gesundheit der Menschen, sowie der Vielzahl an Arten, die in und von den Flussgebieten leben.

Was die Flussdelfine bedroht

Flussdelfine benötigen komplexe und große Lebensräume, sie vermehren sich in einem relativ späten Stadium ihres Lebens und haben weniger Nachwuchs als andere Arten. Umso stärker reagieren sie auf Umwelteinflüsse. Veränderungen der Wasserwege – zum Beispiel durch Staudämme – und die damit einhergehende Fragmentierung ihres Lebensraumes haben erhebliche Auswirkungen auf die Flussdelfin-Populationen: Die Fischbestände, die ihnen als Nahrung dienen, nehmen ab, und der Genaustausch innerhalb der Population wird unterbrochen.

Eine große Zahl an Flussdelfinen landet als Beifang in Fischernetzen wo sie sich verfangen und meist qualvoll ertrinken, andere werden bei illegalen Fischereiaktivitäten, wie dem Elektrofischen oder Dynamitfischen, getötet. Wieder andere werden gefangen und als Fischköder genutzt. Flussdelfine leiden auch unter Schadstoffeintrag in die Gewässer, zum Beispiel Pestizide aus der Landwirtschaft oder Quecksilber aus dem Goldabbau.

Delfine sind in der Regel weniger widerstandsfähig gegenüber Umweltveränderungen, da sie zu den wichtigsten Räubern des Flusssystems gehören; sie stehen am Ende der Nahrungskette – Vergiftungen und Schadstoffe akkumulieren sich in ihrem Körper. Die Auswirkungen des Klimawandels, insbesondere Dürren und Überschwemmungen, verschlimmern die Situation der Flussdelfine zusätzlich.

Die Flussdelfin-Flüsse-Initiative des WWF

Flussdelfin © Adriano Gambarini / WWF-Brazil
Flussdelfin © Adriano Gambarini / WWF-Brazil

Die „River Dolphin Rivers“-Initiative (RDRI) des WWF will diesen Trend umkehren. Sie zielt darauf ab, langfristig die Zukunft der Flussdelfine und ihrer Flüsse zu sichern und damit die Zukunft der Gemeinschaften, die von ihnen abhängen. Die Vision der Initiative ist, bis 2030 den Rückgang der Flussdelfin-Populationen in Asien und Südamerika zu stoppen und die am stärksten betroffenen Populationen wiederherzustellen.

„Wir nennen dies unseren „3.000-Delfine-Traum‘“, erklärt Daphne Willems, Projektleiterin der WWF River Dolphin Rivers Initiative: „3.000 Flussdelfine sollen es bis 2030 zusätzlich sein – damit wären wir auf dem besten Weg, die Populationen der am stärksten gefährdeten Tiere zu verdoppeln.“

Um dieses Ziel zu erreichen, geht die WWF River Dolphin Rivers Initiative gegen die drei größten Bedrohungen für Flussdelfine vor: nicht nachhaltige Fischerei, Wasserkraft und Infrastruktur sowie Umweltverschmutzung.

„Der WWF hat langjährige Erfahrung mit dem Schutz von Flussdelfinen, aber wir wissen, dass wir die Kurve nicht alleine kriegen können. Wir wollen eine starke globale Gemeinschaft von Partnern mobilisieren, um die Zukunft der Flussdelfine und der Gemeinschaften zu sichern, die von gesunden und produktiven Süßwasser-Ökosystemen abhängig sind“, so Daphne Willems.

Die Flussdelfin-Arten

Weltweit gibt es nur noch fünf Flussdelfin-Arten: der Jangtse-Flussdelfin, der Amazonas-Flussdelphin, der Tucuxi-Flussdelfin, der Südasiatische Flussdelphin mit den Unterarten Ganges- und Indus-Flussdelfin und der Irrawaddy-Flussdelfin. Sie alle sind gefährdet oder vom Aussterben bedroht.

Der Traum von 3.000 zusätzlichen Delfinen

Mit Ihrer Hilfe können wir es schaffen und diese wunderbaren Geschöpfe bis 2030 vor dem Aussterben retten.

  • Pilotwale © Teo Lucas / Gigante Azul / WWF Wale und Delfine

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