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Stand: 22.08.2019

Der weltweite Durst nach Wasser in Zeiten der Klimakrise

Jedes Jahr sind weltweit durchschnittlich 55 Millionen Menschen von Dürren betroffen. Im Zuge der Erderwärmung wird deren Häufigkeit und Dauer weiter zunehmen. Die Folgen sind weitreichend für Mensch und Natur: Ernteeinbußen, Trinkwasserrationierung, ausgetrocknete Gewässer und zerstörte Ökosysteme stellen uns vor große Herausforderungen. 

Ausgetrocknete Gewässer und zerstörte Ökosysteme stellen uns vor große Herausforderungen. © Olivier Mesnage / Unsplash
Ausgetrocknete Gewässer und zerstörte Ökosysteme stellen uns vor große Herausforderungen. © Olivier Mesnage / Unsplash

In einer Welt, die stark auf wasserabhängige Formen der Energieerzeugung setzt, führen häufigere und intensivere Phasen extremer Dürren zu akutem Ausfallpotenzial. Fast die Hälfte der weltweiten Wärmekraft – hauptsächlich aus Kohle, Erdgas und Atomkraft – wird in Gebieten mit hohem Dürrerisiko produziert. 43 Prozent der gesamten Süßwasserentnahme in Europa wird allein für die Kühlung von solchen thermischen Kraftwerken genutzt. In Spanien zum Beispiel haben mehr als 50 Prozent der erfassten Kraftwerke ein hohes bis sehr hohes Risiko, von Dürren betroffen zu sein.

Wasser – Herz der Lebensmittelproduktion

Wasser ist auch Herzstück der Lebensmittelproduktion. Doch unsere Landwirtschaft ist stark abhängig von Witterungsbedingungen. Mehr als 80 Prozent der durch Dürren verursachten Schäden und Verluste entfallen auf diesen Wirtschaftszweig. Dies kann zu Ernteausfällen, Verlust von Viehbeständen oder zum Anstieg von Rohstoffpreisen führen. Wichtige Grundnahrungsmittel wie Weizen, Mais und Reis sind weltweit einem hohen Dürrerisiko ausgesetzt. So kommen zum Beispiel 22 Prozent der globalen Weizenproduktion (123,7 Millionen Tonnen) aus Gebieten mit hohem bis sehr hohem Dürrerisiko. Dies ist ein Problem, denn aufgrund des global wachsenden Bedarfs an Nahrungsmitteln nimmt der Druck auf die Süßwasserressourcen weiter zu. 

Weltweit befinden sich bereits 19 Prozent der Städte mit mehr als einer Million Einwohnern in Gebieten mit hohem bis sehr hohem Dürrerisiko; betroffen sind dort insgesamt rund 370 Millionen Menschen. Dazu zählen Megastädte wie Delhi, Kairo, Rio de Janeiro und Hyderabad, die jeweils mehr als 10 Millionen Einwohner haben. Aber auch Städte in Industrienationen sind stark von Dürren betroffen. So zählen neben Istanbul unter anderem auch Madrid, Lissabon und Amsterdam zu den Städten mit dem höchsten Dürrerisiko innerhalb Europas.

Dürren auch in Deutschland

Dürre im Senegal. © Michel Terrettaz / WWF
Dürre im Senegal. © Michel Terrettaz / WWF

Extremwetterereignisse werden keine Einzelfälle bleiben. Vielmehr werden sie mit der Erderhitzung immer wahrscheinlicher. Auch hier in Deutschland müssen wir künftig häufiger, wenn nicht gar in regelmäßigen Abständen, mit Dürren rechnen. Überdurchschnittliche Temperaturen und unterdurchschnittliche Niederschlagsmengen prägten das Dürrejahr 2018 und hatten schwerwiegende Folgen.

 

Ernterückgänge, Feldbrände, eingeschränkte Futterversorgung – besonders die Landwirte waren hierzulande von der anhaltenden Dürreperiode betroffen. Die Nachwirkungen der Dürre des vergangenen Jahres sind auch 2019 noch immer deutlich spürbar. Die diesjährige Getreideernte ist unter schwierigen Vegetationsbedingungen herangewachsen, da die extreme Trockenheit des Sommers 2018 bis zur Aussaat im vergangenen Herbst anhielt.

Wald im Klimastress

Diese langen Phasen extremer Trockenheit in immer kürzeren Intervallen gehören auch zu den zentralen Herausforderungen für die Forstwirtschaft. Seit fast zwei Jahren befindet sich der Wald im extremen Klimastress, weswegen der Bund deutscher Forstleute (BDF) im Juli dieses Jahres den Klimanotstand für den Wald ausgerufen hat. Allein aufgrund von Bränden ist im vergangenen Jahr Wald auf einer Fläche der Größe von 3.300 Fußballfeldern verloren gegangen. Zusammen mit anderen Schäden wie Stürmen, Dürren und Borkenkäfern ist das ein Waldverlust von 110.000 Hektar.

 

Die ambitionierte Umsetzung der Klimaziele ist erforderlich, um einen sozial-ökologischen und wirtschaftlich sinnvollen Kilmaschutz und die Anpassung an die Veränderungen auf der Welt zu erreichen. Ein nachhaltiges Wassermanagement muss etabliert, Dürrerisiken müssen antizipiert und die Widerstandsfähigkeit von Wasserversorgungssystemen gewährleistet werden. Die Stärkung von Partnerschaften und kollektiven Maßnahmen ist für eine bessere Wasserwirtschaft von entscheidender Bedeutung.

Das fordert der WWF

  1. Die Staatengemeinschaft muss ihre Klimabeiträge deutlich erhöhen (mindestens 65 Prozent Emissionsreduktion bis 2030 gegenüber 1990) und die Ziele des Pariser Abkommens mit wirkungsvollen Maßnahmen unterlegen, um die Erderhitzung auf 1,5 Grad zu begrenzen.
  2. Süßwasserschutz muss als zusätzlicher Schwerpunkt für die Anpassung an die Erderhitzung, insbesondere bei der Internationalen Klimaschutzinitiative des BMUB und innerhalb der Entwicklungszusammenarbeit, des BMZ oder der EU, verstanden werden.
  3. Verbindliche soziale, menschenrechtliche und ökologische Standards müssen in EU-Handels-, Investitions- und Wirtschaftsabkommen festgelegt werden. Ein Sorgfaltspflichtgesetz, inklusive ökologischer Kriterien, insbesondere für wasserintensive Wirtschaftszweige, muss verabschiedet und umgesetzt werden.
  4. Unternehmen sind aufgefordert, eine vollständige Transparenz über ihre Lieferketten zu gewährleisten, Wasserrisiken durch systematische Analysen zu identifizieren und gemeinsam mit relevanten Akteuren durch effektive Maßnahmen vor Ort darauf zu reagieren.
  5. Der Süßwasserschutz muss bei der Festlegung von Rahmenbedingungen für nachhaltige Finanzierung, u. a. dem EU Sustainable Finance Action Plan und der Task Force on Climate-related Financial Disclosure (TCFD) priorisiert werden.
  6. Wir alle können mit unserem Einkauf einen Unterschied machen, u. a. durch eine regionale, saisonale und fleischarme Ernährung, eine möglichst lange Nutzung von Konsumartikeln, wie Textilien oder Elektronikgeräten, sowie deren Reparatur und Recycling.