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Stand: 12.06.2018

Hintergrundinformationen zur Wasserrahmenrichtlinie

Fluss Versoix in der Schweiz fließt im Frühjahr durch einen Wald © Michèle Dépraz / WWF
Fluss Versoix in der Schweiz fließt im Frühjahr durch einen Wald © Michèle Dépraz / WWF

Was ist die Wasserrahmenrichtlinie?

Die Wasserrahmenrichtlinie (WRRL, 2000/60/EG) wurde 2000 von den EU-Mitgliedsstaaten verabschiedet. Die europäische Wasserpolitik wurde damit grundlegend reformiert. Erstmals werden Gewässer (Flüsse, Seen, Übergangsgewässer, Grundwasser, Küstengewässer) als Ökosysteme verstanden und erstmals werden Ziele für einen besseren Zustand dieser mit konkreten Fristen beschrieben.

 

Zentrale Teile der Richtlinie sind ein Verschlechterungs- und ein Verbesserungsgebot. So müssen für die wirtschaftliche Entwicklung in Europa Lösungen gefunden werden, die nicht zu einer weiteren Verschlechterung des ökologischen Zustands der Wasserkörper führen. Zudem wird eine systematische Verbesserung des Zustands aller Gewässer gefordert. In drei sechsjährigen „Bewirtschaftungszyklen“ sollen diese bis spätestens 2027 in einem „guten“ ökologischen und chemischen Zustand sein. Für Grundwässer ist ein guter mengenmäßiger und chemischer Zustand zu erreichen.

 

Die Wasserrahmenrichtlinie ist damit ein weltweites Beispiel für eine moderne Wasserpolitik. Gewässer werden als länderübergreifende Einheiten verstanden für die internationale und nationale Politik Hand in Hand zuständig ist. Erstmals wurden durch die Richtlinie EU-weite Analysen unserer Gewässer vorgenommen – ein langfristig aktives Netz aus Messstationen wurde installiert.

Überschwemmung in Frankfurt aufgrund fehlender Überschwemmungsebenen © Hartmut Jungius / WWF
Überschwemmung in Frankfurt aufgrund fehlender Überschwemmungsebenen © Hartmut Jungius / WWF

Was steht auf dem Spiel?

Nach Art. 19 der Wasserrahmenrichtlinie wird die Richtlinie nach 19 Jahren überprüft und gegebenenfalls geändert. Für eine Änderung der Richtlinie muss diese geöffnet werden, eine Gelegenheit die viele für eine Aufweichung nutzen wollen.

 

Wer über die Aufweichung der Wasserrahmenrichtlinie verhandelt, spielt mit der Qualität unserer Gewässer. Damit sind weitreichende Folgen für die Umwelt und die Lebensqualität jedes Einzelnen verbunden.

 

So wurden vor allem in den industriellen Zeiten Flüsse begradigt oder verlegt und zu Wasserstraßen ausgebaut, Dämme wurden errichtet, chemische Abfälle in die Gewässer geleitet. Verdreckte Gewässer, Fischsterben und Flutkatastrophen waren die Folge. Diese Entwicklungen sollen durch die Wasserrahmenrichtlinie korrigiert werden. Konkret geht es um die Renaturierung unserer Gewässer, ohne ihre wirtschaftliche Funktion aufzugeben.

 

Wenn die Wasserrahmenrichtlinie bis 2027 konsequent umgesetzt wird, hat dies positiven Einfluss auf die Artenvielfalt der Natur und die Freizeitgestaltung des Menschen. Wird die Wasserrahmenrichtlinie nicht umgesetzt, leidet nicht nur die Umwelt. So beziffert eine Studie der Europäischen Kommission aus dem Jahr 2011 die Folgekosten für eine unzureichende Umsetzung der EU-Wassergesetzgebung auf 5 bis 20 Mrd. Euro – pro Jahr (Quelle: European Commission, Directorate-General Environment, The costs of not implementing the environmental acquis, 2011). Als Grund dafür werden hohe Kosten bspw. für die Flutsicherung oder Wasseraufbereitung genannt.

Wie steht es um Gewässer und Wasser in Deutschland?

Die deutschen Gewässer sind heute überwiegend in einem schlechten Zustand. 2015 waren lediglich 8,2 Prozent der Oberflächengewässer in einem „guten“ oder „sehr guten“ ökologischen Zustand. Chemisch sind sogar 100 Prozent in keinem „guten“ Zustand. Besser sieht es beim Grundwasser aus. Hier sind 95,7 Prozent in einem mengenmäßig „guten“ Zustand. Chemisch sind allerdings 36 Prozent in einem schlechten Zustand. Ein großes Problem: Die Nitratbelastung im Grundwasser.

 

Haupteinflussnehmer auf die Qualität der Gewässer sind Landwirtschaft, Industrie, Schifffahrt, Wasserkraft sowie Bergbau.

 

Die Zahlen zeigen die Notwendigkeit der Wasserrahmenrichtlinie. Der überwiegend schlechte Zustand der Gewässer kann nur durch klare Gesetzgebung und deren ambitionierte Umsetzung verbessert werden.

   
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