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Stand: 13.09.2018

Großmütter bringen ein Dorf zum Leuchten - Sonnen-Energie für Madagaskar

Es ist ein strahlender Erfolg – im wahrsten Sinn. Sieben Großmütter haben Licht in ihr kleines, abgelegenes Dorf im Hochland von Madagaskar gebracht. Sie können weder lesen noch schreiben, trotzdem haben sie ein College besucht und sind jetzt ausgebildete Solartechnikerinnen.

Ein Dorf wird erleuchtet © Tony Rakotondramanana
Ein Dorf wird erleuchtet © Tony Rakotondramanana

Das Solarlicht-Projekt des WWF hat das Dorf Iavomanitra mit seinen 240 Häusern völlig verändert: Schulkinder können auch abends Hausaufgaben machen, Erwachsene länger arbeiten oder die neue Abendschule besuchen. Die Solar-Großmütter sind im Dorf jetzt hochgeachtet und inspirieren andere, sich weiter zu bilden. Und: Die Umwelt profitiert. Statt mit Holz zu heizen und zu kochen, gibt es günstigen Solarstrom. Das schont Madagaskars schwindende Regenwälder, weil weniger Holz gerodet wird.

Arme Menschen lernen in einfachen Schulen, wie sie ihr Leben verbessern können

Das Licht verbessert die Lebensqualität der Bewohner © Tony Rakotondramanana
Das Licht verbessert die Lebensqualität der Bewohner © Tony Rakotondramanana

Für die 45 Jahre alte Lydia und die sechs anderen Solar-Großmütter war es die Chance ihres Lebens: Sie haben sich mutig in ein Flugzeug gesetzt, sind über den Indischen Ozean geflogen und fern von der Heimat zur Schule gegangen. „Vor drei Jahren wusste ich weder, wo Indien liegt, noch was Sonnenenergie ist“, sagt Lydia. Jetzt ist sie selbstbewusst und stolz. Jetzt hat sie einen Abschluss in angewandter Solartechnik. Dank des Barefoot-Colleges in Indien. Menschen aus armen Ländern, zwischen 40 und 55 Jahre alt, lernen dort ein halbes Jahr lang Basiswissen zur Solartechnik. Die meisten von ihnen sind Frauen, Analphabetinnen. Der Unterricht ist deshalb in Zeichensprache, mit Puppentheater, Bildern und Farbcodes. Weil die Frauen älter sind, und tief verwurzelt in ihrer Heimat, werden sie– so schätzt es das Barefoot-College ein – ihre Dörfer nach der Ausbildung nicht verlassen und ihr Wissen lange nutzen und weitergeben können.

Licht macht schlau - Inzwischen sind alle Haushalte in Iavomanitra elektrifiziert

Per Buschtaxi, im Einbaum und zu Fuß ist die neue, vom WWF bezahlte Solarausrüstung ins Dorf gekommen. Die Solar-Großmütter installierten Batterien, Regulatoren und LED-Leuchten in allen Häusern. „Ein unglaublicher Wandel hat hier stattgefunden“, sagt Voahirana Randriambola, Energieprogrammleiterin beim WWF Madagaskar, „so schnell sind die positiven Auswirkungen unserer Arbeit selten sichtbar.“ Tatsächlich: Wo früher kurz nach Sonnenuntergang Stille herrschte, ist jetzt Trubel. Frauen sitzen um Solarlaternen und flechten Bastmatten, die sie auf dem Markt verkaufen. Kinder lösen im Licht Hausaufgaben. Die Menschen husten weniger, seit keine Petrollämpchen mehr qualmen. Im Gemeindehaus gibt es inzwischen die erste Abendschule für Erwachsene. Sie ist Lydias ganzer Stolz. Sie hat keinen Schulabschluss und lernt dort Lesen und Schreiben. Ihre Eltern konnten sich das Schulgeld nicht leisten. Auch Lydia konnte keinem ihrer Kinder lange die Schule bezahlen. „Nun soll es wenigstens meinen Enkeln besser gehen, dafür habe ich ihnen Licht gebracht“, sagt sie.

Den Regenwald schützen – mit Solarenergie

Endlich nicht mehr im Dunkeln spielen © Tony Rakotondramanana
Endlich nicht mehr im Dunkeln spielen © Tony Rakotondramanana

Damit die Großmütter nicht mehr nach Indien reisen müssen, plant der WWF ein Barefoot College auf Madagaskar. Das Ziel: Bis 2030 sollen insgesamt 744 Solar-Ingenieurinnen Strom in ihre Dörfer bringen. 12 Prozent aller ländlichen Haushalte würden so mit Licht und sauberem Strom versorgt. Das wiederum schont den artenreichen Regenwald von Madagaskar. Dort leben Lemuren und Chamäleons, die man nirgendwo anders findet. Nur: Der Regenwald wird immer weiter abgeholzt, auch für Brennholz. Zugang zu sauberer, erneuerbarer Energie ist deshalb wichtig, um ihn zu retten. Außerdem begleitet der WWF das Solar-Licht-Projekt von Iavomanitra weiter. Noch läuft nicht alles perfekt. Der Solarverein, der die Gelder verwaltet, zahlt den Frauen derzeit noch weniger Lohn für Installation und Unterhalt der Solaranlagen als abgemacht. Denn nicht alle Haushalte zahlen regelmäßig ihren Beitrag. Aber der Wandel ist offensichtlich. Vor kurzem hat eine der Frauen auf einem Fest eine Rede gehalten. Es war das erste Mal, dass eine Frau vor der Gemeinde spricht. Die Solar-Großmütter sind zu Schlüsselfiguren für eine bessere Zukunft geworden.

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