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Stand: 30.08.2019

Hintergrund: Warum Angela Merkel den Amazonas schützen kann

Der Amazonas brennt. Angezündet, um Flächen für eine skrupellose Agrarproduktion zu schaffen. Für Fleisch, das auch in Deutschland auf die Teller kommt. Die Bundeskanzlerin kann die Ursachen für diese Feuer bekämpfen. Das Zauberwort heißt MERCOSUR-EU-Abkommen.

Die Ursachen der Entwaldung müssen bekämpft werden © WWF
Die Ursachen der Entwaldung müssen bekämpft werden © WWF

Was fordert der WWF von der deutschen Bundesregierung?

Bundeskanzlerin Angela Merkel muss sich dafür stark macht, soziale und Umweltmindeststandards in den Freihandelsabkommen zwischen der EU und dem MERCOSUR nachzuverhandeln. Und sie muss der EU und Brasilien deutlich machen, dass Deutschland dem Abkommen vorher nicht zustimmen wird.

 

Außerdem müssen Unternehmen und Bundesregierung die Lieferketten systematisch überprüfen, um sicherzustellen, dass in Deutschland verkaufte Produkte nicht den Amazonas-Regenwald zerstören. Ein EU-Aktionsplan, der diese Fragen regelt, ist längst überfällig.

 

Machen Sie bei unserem Amazonas-Appell an die Bundeskanzlerin mit und fordern Sie von Angela Merkel, das MERCOSUR-EU-Abkommen nachzuverhandeln!

Was ist das Freihandelsabkommen der EU mit den MERCOSUR-Staaten?

Das sogenannte "EU-MERCOSUR-Abkommen" ist ein Handelsabkommen zwischen der Europäischen Union (EU) und mehreren südamerikanischen Ländern, darunter auch Brasilien. Das Handelsabkommen zielt darauf ab, südamerikanische Soja- und Rindfleischexporte in die EU weiter anzukurbeln und mehr Autos und andere Industriegüter aus der EU zu exportieren. Die Verhandlungen des Abkommens haben bereits vor 20 Jahren begonnen – seit Mitte dieses Jahrs steht der Vertrag fest. Unsere Chance: Die Mitgliedstaaten der EU müssen ihm vorher noch zustimmen.

Was haben die Brände im Amazonas mit Deutschland und der deutschen Bundesregierung zu tun?

Brandbekämpfung und Wiederaufforstung sind gut, sie bleiben aber nur Symbolpolitik, wenn die Ursachen der Entwaldung nicht angegangen werden. Der Schlüssel zur Bekämpfung des Problems liegt in Brasilien, aber wir haben eine Mitverantwortung. Denn: Der Regenwald wird vernichtet um Platz zu schaffen für die Interessen der Großgrundbesitzer und skrupelloser Agrarkonzerne. Konkret heißt das Sojaanbau für Futtermittel und Weiden für Viehhaltung, meistens für den Export, zum Beispiel nach Deutschland. Hier gilt es anzusetzen. Wir brauchen eine Handelspolitik, die viel mehr Wert auf echte Nachhaltigkeit legt.

Was ist mit den Nachhaltigkeitsstandards, die im EU-MERCOSUR-Vertrag stehen?

Ohne bessere Sozial- und Umweltstandards ist es bisher ein Abkommen, das die Zerstörung des Amazonas-Regenwaldes faktisch in Kauf nimmt. Denn der Vertrag mit dem MERCOSUR sieht keine Sanktionen vor, wenn ein Land wie Brasilien illegal Wald rodet, um Platz für Sojaanbau und Viehhaltung zu schaffen. Gleichzeitig hat es aber zum Ziel, die Exportmengen an Fleisch und Soja deutlich zu steigern.

 

Im Vertrag gibt es zwar ein Kapitel zum Thema Nachhaltigkeit - dies ist aber komplett zahnlos. Denn der Streitschlichtungsmechanismus in diesem Kapitel des Vertrages führt nicht etwa zu Wirtschafts- oder anderen Sanktionen. Stattdessen würde nach erfolglosen Konsultationen ein Experten-Ausschuss eingesetzt, der die Vorwürfe untersucht. Die Empfehlungen dieser Fachleute sind laut dem Nachhaltigkeitskapitel des Abkommens aber unverbindlich.

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