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Stand: 02.02.2018

Der Palmöl-Check 2017: Ein bisschen Klasse und viel träge Masse

Die Bewertung der Einkaufspolitik deutscher Käufer und Verarbeiter von Palmöl © WWF
Der Palmöl-Check 2017: Die Bewertung der Einkaufspolitik deutscher Käufer und Verarbeiter von Palmöl © WWF

Alle Jahre wieder will der WWF wissen, welche deutschen Firmen zertifiziertes Palmöl nutzen und welche den Verbraucher im Dunkeln stehen lassen. Die Ergebnisse: leider nur durchwachsen.

 

Egal ob Pizza, Margarine, Waschmittel, Tierfutter oder Lippenstift – in fast jedem zweiten Produkt aus dem Supermarktregal steckt Palmöl oder Palmkernöl, das vor allem auf Plantagen in den tropischen Regenwaldregionen Südost-Asiens angebaut wird. Deswegen fragt der WWF in den „Palmöl Scorecards“ seit 2009 alle zwei Jahre bei Unternehmen deren Palmöl-Einkaufspolitik ab.

Einige Vorreiter

Insbesondere im Rückblick auf die Ergebnisse der Befragungen seit 2009 zeigt sich, dass es einige Vorreiter gibt, die sich intensiv mit dem Palmöl in ihrer Lieferkette auseinandersetzen und sich für Verbesserungen einsetzen. Darunter auch die Mitglieder des Forums Nachhaltiges Palmöl (FONAP). Sie nutzen bereits zu 100 Prozent zertifiziertes Palmöl und fordern Zusatzkriterien bei ihren Lieferanten ein, wie beispielsweise ein klares Umwandlungsverbot von Torfböden und den Verzicht auf hochgefährliche Pestizide

 

44 Prozent der befragten Unternehmen geben an, zertifiziertes Palmöl vollständig oder zumindest teilweise einzusetzen. Wo Unternehmen auf zertifiziertes Palmöl setzen, ist es in der Regel nach dem RSPO-Standard zertifiziert, den der WWF als Einstieg einstuft.

 

88 der befragten Unternehmen setzen zu 100 Prozent zertifizierte Ware ein – 2015 traf das nur auf 29 Unternehmen zu. Auch der Anteil an reinem, zertifiziertem Palmöl (SG-Qualität) wächst. 25 Unternehmen beziehen ausschließlich segregiertes oder IP-Palmöl - vor zwei Jahren traf das auf lediglich neun Unternehmen zu.

Auch bio und fair ist möglich

Einige wenige Unternehmen nutzen Bio-Palmöl und gehen damit einen großen Schritt voran. Die Bio-Produktion setzt nämlich ausschließlich organische Dünger ein und verzichtet gänzlich auf Pestizide. Einige Vorreiter setzen zusätzlich zu Bio noch auf eine „Fair for Life“-Zertifizierung, um auch gute soziale Bedingungen – insbesondere für Kleinbauern – zu schaffen.

Palmölfrüchte © James Morgan / WWF
Palmölfrüchte © James Morgan / WWF

Träge Masse

Andererseits fällt die seit Jahren anhaltend groß bleibende, „träge Masse“ auf. 46 Prozent der befragten deutschen Händler und Produzenten verweigern - zum Teil seit Jahren – eine transparente Auskunft über ihren Umgang mit Palmöl. Bei aller Kritik an Zertifizierungssystemen wie dem RSPO: Nichts tun, ist keine Lösung!

 

Um diese Unternehmen zu erreichen, sind Appelle und der Druck der Zivilgesellschaft anscheinend nicht genug. Hier muss die Politik eingreifen und alle Palmöl-Importe an die Einhaltung von ökologischen und sozialen Kriterien knüpfen.

Kaum Transparenz bei der Futterindustrie

Erneut und schon gewohnt schlecht schneidet die Futtermittelbranche ab. Nur wenige wissen, dass acht Prozent des importierten Palmöls an Geflügel, Schweine und Rinder verfüttert werden. Das macht es den Herstellern anscheinend leicht, sich beim Thema Palmöl aus der Verantwortung zu stehlen. Der WWF fordert, dass Nutztiere bevorzugt vor allem heimische Eiweißpflanzen wie Lupinen oder Ackerbohnen als Futter bekommen. Wo weiter Soja oder Palmöl im Trog landet, muss dieses wenigstens ökologische und soziale Mindestkriterien erfüllen.

Mangelhaft: Unterstützung für Kleinbauern

Mittlerweile haben fortschrittliche, konventionelle Palmöl-Produzenten ihre Plantagen nach Zusatzkriterien, zum Beispiel über POIG oder RSPO NEXT, verifizieren lassen – und finden dafür keine Käufer! Kein deutsches Unternehmen ist Mitglied bei POIG und nur vier der über 200 befragten Unternehmen beziehen Palmöl, das nachweislich nach Zusatzkriterien verifiziert ist. Vorreiter sind die Bio-Käufer. Aber auch der konventionelle Markt muss mehr tun. Denn immer noch fallen Millionen Hektar Wald dem Palmöl-Anbau zum Opfer.

 

Auch Kleinbauern werden kaum unterstützt. Nur vier der befragten Unternehmen haben 2016 Zertifikate von unabhängigen Kleinbauern erworben. Dabei benötigen diese am meisten Unterstützung, um sich ökologisch und sozial zu verbessern. Die mit einer Zertifizierung einhergehenden Schulungen vermitteln wichtiges Wissen und die Einnahmen durch den Verkauf der Zertifikate stellen eine zusätzliche Einnahmequelle dar.

Der WWF fordert von Unternehmen:

  • sofort mit der Umstellung auf 100 Prozent zertifiziertes, segregiertes Palmöl zu beginnen.
  • nur noch von Lieferanten zu kaufen, die weiterführende Kriterien von POIG oder FONAP erfüllen.
  • auch bei Palmkernöl und Derivaten nur zertifizierte Ware einzusetzen, wo immer möglich ebenfalls segregiert.
  • wo eine physische Umstellung noch nicht möglich ist, sofort den gesamten Einkauf von Palmöl mit Zertifikaten abzudecken. Dabei sollten bevorzugt Kleinbauern unterstützt werden, die häufig nicht direkt an physische Lieferketten angeschlossen sind.
  • die Unterstützung von Kleinbauern beim nachhaltigeren Anbau durch den Kauf von Zertifikaten oder durch Unterstützung in Projekten vor Ort.
  • aktiv als Mitglied bei der Ausrichtung von Zertifizierungssystemen mitzuarbeiten und als Käufer auch konstruktive Kritik zu äußern. Ein Weg kann auch das Engagement in Initiativen wie POIG oder FONAP sein.
  • im Hinblick auf die Nutzung von Palmöl, Transparenz zu beweisen, diese entsprechend zu kommunizieren und Produkte zu kennzeichnen, so dass Konsumenten bewusstere Kaufentscheidungen treffen können.
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