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Das kann kein Meer mehr schlucken: Unsere Ozeane versinken im Plastikmüll.

Etwa 70 Prozent der Erdoberfläche sind von Wasser bedeckt. Doch heute schwimmen in jedem Quadratkilometer der Meere hunderttausende Teile Plastikmüll. Seevögel verenden qualvoll an Handyteilen in ihrem Magen, Schildkröten halten Plastiktüten für Quallen und Fische verwechseln winzige Plastikteilchen mit Plankton.

Plastikmüll im Meer © Gavin Parsons Marine Photobank
Plastikmüll im Meer © Gavin Parsons Marine Photobank

Strände unbewohnter Inseln versinken geradezu im Müll. Und auch direkt vor unserer Haustür, in der Nordsee beispielsweise, sind Plastikabfälle eine allgegenwärtige Gefahr für Fische, Vögel und Meeressäuger. Nicht zuletzt können kleine Plastikpartikel, sogenanntes Mikroplastik und umweltschädliche Stoffe, die im Plastik enthalten sind oder daran angereichert werde, über die Fische auch in die menschliche Nahrungskette gelangen. Doch wie kommt der ganze Müll ins Meer?

Plastik gehört nicht in die Umwelt

Infografik Plastikmüll (Klick für PDF-Download)

Drei Viertel des Mülls im Meer besteht aus Plastik. Dieses Plastik ist ein ständig wachsendes Problem, kostet jedes Jahr zehntausende Tiere das Leben und kann auch uns Menschen gefährden. Denn bis zur völligen Zersetzung von Plastik können 350 bis 400 Jahre vergehen. Bis dahin zerfällt es lediglich in immer kleinere Partikel. Diese kleinen, festen und wasserunlöslichen Plastikpartikel unter 5mm Größe werden Mikroplastik genannt. Wenn wir heute barfuß einen Strand entlang laufen, haben wir neben den Sandkörnern meist auch viele feine Mikroplastikpartikel unter den Füßen. Von den jährlich 78 Millionen Tonnen der weltweit gebrauchten Plastikverpackungen gelangen 32 Prozent unkontrolliert in die Umwelt, wie zum Beispiel in die Meere. Zudem gelangen auch Mikroplastikpartikel in Gewässer und die Ozeane. Im Meer sind gerade diese kleinen Partikel ein großes Problem, da sie von den Meerestieren mit Nahrung, zum Beispiel Plankton verwechselt werden. So konnten in Muscheln, die Planktonfiltrierer sind, diese kleinen Plastikpartikel nachgewiesen werden.

Mikroplastikpartikel gelangen problemlos in die Körper von Meerestieren und können durch deren Verzehr auch in den menschlichen Organismus aufgenommen werden. Welche Auswirkungen das haben kann, ist noch nicht erforscht. Doch eines ist sicher: Plastik enthält oft auch Giftstoffe wie Weichmacher und Flammschutzmittel, die den Meeresbewohnern schaden und durch die Nahrungskette auch den Menschen erreichen können.

Plastik enthält nicht nur selbst Giftstoffe, sondern wirkt beim Schwimmen durchs Meer wie ein Gift-Magnet: Untersuchungen haben gezeigt, dass eine Anreicherung von Umweltgiften in Plastikpartikeln stattfinden kann. Fische, Garnelen und Krebse nehmen diese auf und lagern sie in ihren Körpern an.


Mikroplastik gelangt aus verschiedenen Quellen in die Umwelt und in Gewässer. So werden kleine Plastikpartikel einigen Kosmetikprodukten beigemengt. Solche bereits in kleiner Form produzierten Mikroplastikpartikel werden als primäres Mikroplastik bezeichnet. Mikroplastik gelangt aber auch beim Waschen von Kunststofftextilien oder durch den Autoreifenabrieb in das Abwasser und so teilweise auch in die Flüsse und Meere. Dieses und das durch die Zerkleinerung von größeren Plastikteilen entstandene Mikroplastik wird sekundäres Mikroplastik genannt. Der Abrieb von Autoreifen wird derzeit als die größte Quelle des Eintrags von Mikroplastik bewertet. Aber auch der Zerfall von größeren im Meer schwimmenden Plastikteilen ist eine wichtige Eintragsquelle in die Meere.

Tod im Sixpack

Immer häufiger findet man Kunststoffteile im Magen von Seevögeln. © Claire Fackler, NOAA / Marine Photobank
Immer häufiger findet man Kunststoffteile im Magen von Seevögeln. © Claire Fackler, NOAA / Marine Photobank

Der Müll in unseren Ozeanen besteht aus Plastiktüten, PET-Flaschen, Feuerzeugen, Zahnbürsten, Zigarettenkippen, Einmalrasierern und ähnlichem mehr. Leider werden die bunten Plastikteile viel zu oft mit Nahrung verwechselt. Es wurde auch herausgefunden, dass Plastikteile einen Geruch absondern, der von Vögeln als Geruch von Nahrung wahrgenommen wird. So findet man immer häufiger Kadaver von Seevögeln mit Kunststoffteilen im Magen. Die Tiere ersticken, erleiden tödliche Verstopfungen oder verhungern bei vollem Bauch. Der Mageninhalt von toten Eissturmvögeln ist inzwischen ein anerkannter Nachweis für die Verschmutzung unserer Meere. Denn Eissturmvögel sind Hochseevögel - was sie fressen, stammt aus dem Meer. Bei einer Untersuchung fanden Wissenschaftler bei 93 Prozent der Eissturmvögel Plastikteile im Magen. Im Durchschnitt waren es 27 Partikel pro Vogel. Es wird geschätzt, dass bis 2050 fast jeder Meeresvogel Plastikteile im Magen haben wird, wenn die Entwicklung so weitergeht.

Doch nicht nur Seevögel sind betroffen, sondern auch Meeressäuger und Fische. Die Lederschildkröte beispielsweise frisst hauptsächlich Quallen. Immer öfter verwechselt sie jedoch im Wasser treibende Plastiktüten mit ihrer Lieblingsmahlzeit. Und häufig werden auch Wale gefunden, deren Mägen mit Plastik gefüllt sind.

Das Verwechseln mit Nahrung ist nicht das einzige Problem, das der Zivilisationsmüll in unseren Gewässern bedeutet. Häufig verfangen sich Tiere im Müll und verenden dann qualvoll.

 

Auch herrenlose Fischernetze, sogenannte Geisternetze, werden immer öfter zur tödlichen Falle für viele Meeresbewohner. Geisternetze können sozusagen unendlich weiter fischen. Sie verfangen sich auch häufig in Korallenriffen und sind dort nicht nur eine Gefahr für Fische und Meeressäuger, sondern schaden außerdem der Riffstruktur.

Auch Tourismus und Schifffahrt betroffen

Neben den Umweltschäden leiden auch bestimmte Branchen der Wirtschaft unter dem Plastikmüll. Für viele Strandbadeorte gehört das allmorgendliche Wegräumen von Plastikmüll mittlerweile zum festen Ritual. Allein für den asiatisch-pazifischen Raum entstehen der Tourismusbranche jährlich Kosten von 622 Millionen Dollar. Auch die Schifffahrt ist betroffen, wenn sich Netze in Schrauben verfangen oder Plastikmüll in Ansaugstutzen gerät. Der gesamtwirtschaftliche Schaden durch Plastikmüll in den Meeren wird weltweit auf etwa 13 Milliarden Euro jährlich geschätzt. Wirtschaftliche Kosten, die aber nicht durch die Verursacher getragen werden.

Die Ursachen und Lösungsansätze

Seehund © Mellumrat/Horstkotte (www.mellumrat.de)
Seehund © Mellumrat/Horstkotte (www.mellumrat.de)

Neben Plastik aus der Schifffahrt oder Fischerei wird hauptsächlich Plastik von Land aus über Flüsse in die Meere eingetragen. Dies passiert in den Ländern, in denen die Sammlung von Abfällen nicht richtig funktioniert. Einen Schwerpunkt bilden dabei die Länder Südostasiens. Auch wenn es gut ist, wenn Fischer mitgefangenen Plastikmüll an Land zurückbringen oder Müll am Strand eingesammelt wird: Am wichtigsten ist es, Plastikverpackungen zu vermeiden oder erst gar nicht in die Umwelt gelangen zu lassen. Dazu muss aber die Abfallwirtschaft in den betreffenden Ländern deutlich besser funktionieren.


Oft aber fehlt das Geld, um den Müll einzusammeln, zu sortieren und dann entsprechend weiter zu behandeln, wie zum Beispiel durch Recycling. In Deutschland zahlen Unternehmen, die verpackte Ware verkaufen, eine Lizenzabgabe auf Verpackungen. Damit werden bei uns die Sammel- und Recyclingsysteme finanziert. In den meisten anderen Ländern ist dies aber noch nicht der Fall. Darum ist es jetzt wichtig, dass auch in anderen Ländern Unternehmen der betroffenen Branchen, wie z.B. der Konsumgüterindustrie, sich an den Entsorgungskosten ihrer Verpackungen beteiligen. Gleichzeitig müssen über internationale Vereinbarungen und nationale Gesetze in den jeweiligen Ländern gesetzliche Rahmen für eine funktionierende Kreislaufwirtschaft geschaffen werden.

Das macht der WWF zum Thema Plastik

Plastikmüll an deutschen Küsten

Auch deutsche Inseln leiden unter dem Müllproblem. Auf Mellum nahe Wilhelmshaven findet sich jede Menge angeschwemmter Abfall am Strand. Die Nordseeinsel ist nicht bewohnt und es gibt hier keine Touristen. Auf Mellum wird weder Müll verursacht noch entsorgt. Deshalb sind die Insel und ihr Strand heute ein eindeutiger Indikator für die Verschmutzung der Nordsee – ein Indikator, der schon mal auf 100 Metern Strand über 700 Teile Müll aufweist. Dieser Müll wird regelmäßig ehrenamtlich von der Naturschutz- und Forschungsgemeinschaft Mellumrat e.V. eingesammelt.

 

Das Treibgut am Mellumer Strand besteht zu etwa 80 Prozent aus Plastik und anderen Kunststoffen. Hier finden sich Dosen, Plastikbecher, Styropor und beispielsweise Luftballonschnüre, die immer wieder Seevögel strangulieren. Auf der Insel brüten auch regelmäßig Löffler. Ihre Nester bestehen nicht aus natürlichen Materialien, sondern aus Plastiktüten. So klein die Insel Mellum ist, sie zeigt das Ausmaß des Müllproblems in unseren Meeren.

Auch wenn in Deutschland keine großen Mengen Plastikmüll über die Flüsse ins Meer geraten, sollten wir selbst unseren Beitrag gegen die Verpackungsflut leisten. Denn laut den letzten Zahlen des Umweltbundesamtes nimmt die Menge der in Deutschland anfallenden Verpackungen stetig weiter zu. Ursache dafür sind unter anderem Verpackungen für sofort verzehrte Lebensmitte wie Coffee-to-go Becher, die Umstellung auf kleinere Verpackungseinheiten und verpackte Waren, die durch den zunehmenden Online-Handel verschickt werden. Auch wenn die meisten Abfälle in Deutschland durch ein funktionierendes System eingesammelt und weiter verarbeitet werden, werden durch die Herstellung von Verpackungen Energie und Rohstoffe verbraucht.

Strände müssen regelmäßig gesäubert werden. © Marcin Gwizdon/Marine Photobank
Strände müssen regelmäßig gesäubert werden. © Marcin Gwizdon/Marine Photobank

Das kann man selbst tun:

  • Vermeiden
    Sie Plastikverpackungen, Plastiktüten und Wegwerfartikel. Trennen Sie den Müll richtig, denn dieses erleichtert Sortierung und Recycling. Es gibt mittlerweile auch Läden, die Ware verpackungsfrei anbieten.
  • Verzichten
    Sie auf Kosmetika mit Mikroplastikpartikeln. (Weitere Informationen)
  • Beteiligen Sie sich an Müllsammelaktionen ihrer Gemeinde
    In vielen Orten und Städten gibt es Aufrufe, sich an der Beseitigung von Müll aus der Landschaft zu beteiligen. So kann auch der störende Plastikmüll aus der Umwelt entfernt werden.

Wir müssen handeln

Der Müll in den Meeren ist ein globales Problem und wir müssen jetzt handeln, um es zu lösen. Doch ohne einen strengen Maßnahmenkatalog wird es nicht gehen. Deshalb ist neben Wirtschaft, Industrie und Bürgern auch die Politik gefragt - um neue Richtlinien und Anreize zu schaffen, aber auch die Einhaltung bereits bestehender Gesetze konsequenter zu verfolgen. Es bedarf regionaler und globaler Anstrengungen, um die Verschmutzung unserer Meere zu verringern. Dafür ist auch eine ständige, aktive Zusammenarbeit der zuständigen Behörden weltweit nötig.

1. Plastikabfall vermeiden oder zumindest recyceln

© Gavin Parsons / www.gavinparsons.co.uk / Marine Photobank
© Gavin Parsons / www.gavinparsons.co.uk / Marine Photobank

Jeder einzelne Verbraucher kann seinen Teil zur Rettung unserer Meere beitragen, zum Beispiel, indem er Plastikverpackungen weit möglichst vermeidet, Plastiktüten gar nicht oder zumindest mehrfach nutzt und Nachfüllpackungen verwendet, die weniger zusätzliche Umverpackung als das Original haben.

 

Damit aber nicht nur umweltbewusste Verbraucher ihren Teil zum Schutz unserer Meere beitragen, bedarf es politischer Maßnahmen, die den Gebrauch von Einweg-Plastikprodukten eindämmen - etwa Steuern auf Plastiktüten oder Beteiligung der verantwortlichen Unternehmen an den Entsorgungskosten. Natürlich ist auch die Industrie gefragt, zu allererst die Verpackungsindustrie. Aber nicht nur Verpackungen, auch die Produkte selbst sollten auf die Notwendigkeit von Kunststoffbestandteilen überprüft werden, sowie auf ihre Recycelbarkeit. Wir brauchen strengere Vorschriften für ein umweltverträgliches Produkt- und Verpackungsdesign. Giftige Plastikzusätze, die sich in der Nahrungskette anreichern können, müssen ganz verboten werden. In Produkten, die in unser Abwasser gelangen, wie zum Beispiel Kosmetik, haben Mikroplastikpartikel nichts zu suchen. Auch für die Wiederverwertung und das Recycling von Kunststoffprodukten muss es in Zukunft mehr Anreize und Reglementierungen geben.

2. Forschung, Beobachtung und Aufklärungskampagnen

Viele Dinge, wie zum Beispiel die Eintragspfade von Mikroplastik in die Gewässer, sind noch nicht genau erforscht. Deshalb ist hier weitere Forschung notwendig. Andererseits sind viele Ursachen des Eintrags von Plastikmüll in die Meere bekannt. Deshalb darf der Forschungsbedarf nicht als Argument benutzt werden, um mit konkreten Maßnahmen zur Reduzierung des Eintrags von Müll in die Meere zu warten. Um zu prüfen, wie wirksam die eingeleiteten Maßnahmen sind, fordert der WWF ein weltweites und möglichst flächendeckendes Umweltmonitoring. Mögliche Folgen der Plastikpartikel in der Nahrungskette müssen ebenfalls ausführlich untersucht werden. Aber auch das Bewusstsein der Öffentlichkeit muss sich ändern. Der WWF setzt sich für eine weitreichende Aufklärungsarbeit ein, zum Beispiel durch pädagogische Programme.

3. Schiffsmüll darf nicht mehr im Meer landen

© Karl Heinz Boenke / WWF
© Karl Heinz Boenke / WWF

Hierfür ist einerseits die konsequente Durchsetzung bereits bestehender, internationaler Verpflichtungen notwendig, andererseits eine Verbesserung der Rechtsprechung. Der WWF und andere Umweltverbände fordern, dass künftig gar kein Schiffsmüll mehr auf dem Wasser entsorgt werden darf. Momentan betrifft das Verbot vielerorts nur den Plastikmüll. Illegale Schiffsmüllentsorgungen müssen viel stärker geahndet werden. Außerdem sollten Schiffe ihren Müll so einfach wie möglich an Land entsorgen können, damit sie gar nicht in Versuchung kommen, ihn illegal ins Meer zu kippen. Der WWF fordert hierfür die Bereitstellung von Müllsammelstellen für die Seeschifffahrt. Es bedarf auch höherer Strafen für verlorene oder im Meer entsorgte Netze.

4. Strategien und Initiativen zur Bergung des Meeresmülls

Der WWF fordert eine international koordinierte Strategie zur Bergung von Müll aus dem Meer. Eine Möglichkeit sind sogenannte „Fishing for litter“–Initiativen, welche die Fischindustrie in das Säubern unserer Meere einbeziehen. Fischer sollen die Ausrüstung und eine Belohnung dafür erhalten, Meeresmüll an Land zu bringen, damit sie einerseits aus Versehen „gefischten“ Müll nicht wieder ins Meer werfen und andererseits bewusst treibenden Abfall einsammeln.

 

Es gibt bereits professionelle Versuche, die Müllteppiche im Meer abzutragen. Die Gefahr dabei ist, dass in den Sammelnetzen wiederum Fische und andere Meeresbewohner verenden. Außerdem verschmutzen die dafür eingesetzten Schiffe durch ihren CO2-Ausstoß ihrerseits die Umwelt, ganz abgesehen von den enormen Kosten, die eine flächendeckende Müllbergung verursachen würde. Doch es gibt Forschungsprojekte, welche die Machbarkeit derartiger Bergungen untersuchen, ihre Vor- und Nachteile abwägen, sowie neue Technologien dafür entwickeln.

 

Das Wegfischen von Müll sollte irgendwann überflüssig werden. Das geht aber nur, wenn durch Vermeidung von Verpackungen und die Verbesserung der Abfallwirtschaft der Müll erst gar nicht in Flüsse und Meere gerät. Jedes Jahr landen etwa 4,8 – 12,7 Millionen Tonnen Plastik Müll in unseren Meeren, und die Ursachen dafür müssen dringend besser und konsequenter bekämpft werden. Denn trotz zahlreicher internationaler, regionaler und nationaler Anstrengungen ist es bisher noch nicht gelungen, das Müllproblem einzudämmen.

 

Von Stephanie Probst

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