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Stand: 19.11.2019

Amazonas-Regenwald schwindet schneller als bisher

Es sind erschreckende Zahlen, die das Brasilianische Weltrauminstitut (INPE) gestern, am 18.11.2019, veröffentlicht hat. Die Abholzung des größten Regenwaldes der Erde, des Amazonas, ist demnach dramatisch angestiegen. In nur 12 Monaten, von Juli 2018 bis Juli 2019 wurden insgesamt 9.762 Quadratkilometer des wertvollen Waldes gerodet.

Die Entwaldungszahlen des Amazonas sind dramatisch @ Greg Armfield /WWF UK
Die Entwaldungszahlen des Amazonas sind dramatisch @ Greg Armfield /WWF UK

Das sind 30 Prozent mehr als im Vorjahr! Der enorme Anstieg der Zerstörung ist kein Zufall und könnte letztlich das Aus für weite Teile des Amazonas-Regenwaldes bedeuten.

Regierung befürwortet Regenwald-Zerstörung

In manchen Regionen des Amazonas herrscht wahre Goldgräberstimmung“, warnt Roberto Maldonado, Brasilien-Referent beim WWF Deutschland. „Die aktuelle brasilianische Regierung unter Präsident Bolsonaro stachelt die Ausbeutung der  Regenwälder regelrecht an. Immer wieder kommen klare Signale, dass illegale Rodung und Landraub straffrei bleiben. Das ist bewusste Aufmunterungspolitik.“ Betroffen sind auch Schutzgebiete und indigene Territorien. Illegaler Holzeinschlag und die Suche nach Gold greifen teils gewalttätig Raum. Verzweifelt versuchen die Menschen, die in den Wäldern leben, ihre Heimat mit Kontrollposten aus den eigenen Reihen zu schützen. Doch hinter der Entwaldung steckt oft organisierte Kriminalität.  

Selbst Umweltbehörden sind nicht sicher

Der Amazonas wird vielen Seiten bedroht @ WWF Brasil
Der Amazonas wird vielen Seiten bedroht @ WWF Brasil

Drohende Disziplinarverfahren sollen Beamte einschüchtern. Budgets werden gekürzt, Führungspositionen nicht wieder besetzt: Brasilien schwächt seine Umweltbehörden erheblich und nimmt internationale Gelder zur Bekämpfung der Regenwaldabholzung nicht mehr an. Darüber hinaus wollen Großgrundbesitzer und Teile der brasilianischen Regierung das Soja-Moratorium beenden, welches seit 2006 den Entwaldungsanteil für den Anbau von Soja im Brasilianischen Amazonasregenwald von 30 auf weniger als zwei Prozent verringert hat. „Die Haltung der Regierung Bolsonaro wirft Brasilien im Umweltschutz um Jahrzehnte zurück“, urteilt Roberto Maldonado.

Rückschritt im Umweltschutz

Die aktuell veröffentlichten Zahlen zeigen die größte Entwaldung des Amazonas-Regenwaldes seit 2008. Damals waren 12.000 Quadratkilometer Regenwald zerstört worden. Doch die damalige Regierung erkannte die Krise und ruderte unter anderem mit der Einrichtung neuer, großer Schutzgebiete zurück. „Nun ist das Gegenteil der Fall. Das ist nicht nur für den Artenschutz dramatisch: Mit der zunehmenden Entwaldung wächst die Gefahr, dass der gesamte Amazonas-Regenwald kollabiert“, so Roberto Maldonado vom WWF Deutschland. 

Enorme Gefahr für das Weltklima: Amazonas vor dem Aus

Etwa die Hälfte der reichen Regenfälle im Amazonas werden von den riesigen Waldflächen durch Verdunstung selbst produziert. Schwinden diese Flächen, werden auch die Regenfälle weniger, wodurch wiederum mehr Wald stirbt. Ein Teufelskreis, der irgendwann nicht mehr aufzuhalten ist. Forscher sehen diesen Kipp-Punkt, also den Moment, in dem das Ökosystem kippt, bereits unmittelbar bevorstehen. Der Amazonas-Regenwald ist nicht nur Heimat von etwa drei Millionen Tier- und Pflanzenarten und Lebensgrundlage vieler Menschen. Er ist auch ein gigantischer Kohlenstoff-Speicher und seine Zerstörung würde sich auf die ganze Welt auswirken. „Wenn der Kipp-Punkt am Amazonas eintritt, können wir das 1,5 Grad-Ziel des Pariser Klimaabkommens vergessen und die Klimakrise nicht mehr verhindern“, verdeutlicht Maldonado.

Auch die deutsche Politik und Wirtschaft tragen Verantwortung

Brasilien liefert Rohstoffe in die ganze Welt und ist auch für Deutschland wichtiger Handelspartner. Doch die wenigsten Unternehmen kennen ihre Lieferketten gut genug, um auszuschließen, dass für ihre Produkte Regenwald zerstört wird. Und auch in internationalen Handelsabkommen fehlt es häufig an verlässlichen Umwelt- und Sozialstandards. So wie im aktuell verhandelten Freihandelsabkommen zwischen der EU und den Mercosur-Staaten, zu denen auch Brasilien gehört. 

   
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