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Stand: 11.04.2018

Heimat für Giganten: Zwischen Galapagos und Ecuador

Punta Vicente Roca (Galapagos Inseln) © Chris McCann / WWF US
Punta Vicente Roca (Galapagos Inseln) © Chris McCann / WWF US

Sie sind die Schatztruhe der Evolution: Die Galapagos-Inseln mit ihren Riesenschildkröten und den weltberühmten Darwin-Finken im östlichen tropischen Pazifik. Der Ozean zwischen den Inseln und der etwa 1000 Kilometer entfernten ecuadorianischen Küste ist zudem Lebensraum von besonders charismatischen Giganten. Hier lebt die weltweit größte bekannte Population von Mantarochen. Die Riesenmantas erreichen bis zu sieben Meter Spannweite. Auch die majestätischen Walhaie – sie sind mit bis zu zwölf Metern Körperlänge die größten Fische der Welt - und zahlreiche Wale, darunter Buckelwale, Pottwale und Brydewale, durchkämmen das Meer. Vor allem die lebhaften Buckelwale schwimmen oft in Küstennähe. Sie sind wahre Akrobaten und ihre Sprünge aus dem Wasser faszinierend anzusehen.

Gutmütige Riesen – Mantarochen in Ecuador

Mantarochen in Ecuador © James Morgan / WWF
Mantarochen in Ecuador © James Morgan / WWF

Kein Wunder, dass sich die Seefahrer früher Gruselgeschichten über sie erzählten. Riesenmantas schweben wie Fledermäuse lautlos und elegant durch das Meer. Ihre gigantischen Flossen lassen ihren Körper aussehen wie eine überdimensionale Decke. Daher auch der Name: Manta bedeutet auf Spanisch Decke. Im östlichen tropischen Pazifik rund um den Unterwasserberg "El Copé" vor der Küste Ecuadors und im Schutzgebiet "Cantagallo-Machalilla" im Umkreis der "Isla de la Plata" leben circa 2200 Mantarochen, so viele, wie in keinem anderen Gebiet der Welt. An den Unterwasserbergen steigen kalte Tiefenströmungen nach oben und treffen auf wärmeres Oberflächenwasser. Dadurch entsteht dort ein besonderer Nahrungsreichtum. Hier finden die Mantas genügend Plankton, Garnelen und kleine Fische. Jahr für Jahr kommen tausende Tauchtouristen an Ecuadors Küste, um die faszinierenden Mantarochen von Nahem zu sehen. Die freundlichen Riesen machen es den Tauchern leicht. Oft schwimmen sie knapp unter der Wasseroberfläche und sind schnell zu erkennen. Mantarochen sind furchtlos, auch vor Menschen haben sie keine Scheu. Sie haben wenige natürliche Feinde.

Der größte Feind: Mensch und Profit

Doch die Giganten des Pazifiks sind in Gefahr. Vor allem massiver Schiffsverkehr und die Fischerei sind ein wachsendes Problem: Wale, Haie und Riesenmantas landen immer wieder als trauriger Beifang in den Schleppnetzen der Fischereiflotten. Riesige Frachtschiffe durchqueren Tag und Nacht ihren Lebensraum, denn der Hafen von Ecuadors größter Stadt Guayaquil ist internationaler Umschlagplatz von Waren und Gütern. Dazu kommt der gut florierende Tauchtourismus in Ecuador. Übermütige Taucher berühren die Tiere und die Tauchboote fahren oft zu nah an sie heran. Immer wieder kollidieren Wale, Riesenmantas oder Walhaie mit den Schiffsschrauben, verletzen sich und verenden qualvoll.

Riesenmanta-Besenderung in Ecuador © Juan Reece / WWF Ecuador
Riesenmanta-Besenderung in Ecuador © Juan Reece / WWF Ecuador

Im Jahr 2017 haben Mitarbeiter des WWF zusammen mit ecuadorianischen Experten einige Mantas mit Sendern ausgestattet, um mehr über ihre Reviere und Bewegungsmuster zu lernen. Auffallend häufig schwimmen die Mantas genau in den Fahrtrouten der Frachtschiffe, die den großen Hafen von Guayaquil ansteuern. Praktisch alle Schiffe, die aus dem Golf von Guayaquil herauskommen oder hineinfahren, passieren also ihren Lebensraum.Oftmals fehlen in Ecuador konkrete Regeln für die schon bestehenden Schutzgebiete: Welche menschlichen Aktivitäten sollen dort erlaubt sein, welche nicht? Wie beeinflussen Tauchtourismus, Schiffsverkehr und Fischerei die Ökosysteme und damit die Nahrungskette der Giganten des Pazifik? Und schließlich wollen alle neu erstellten Schutzgebiete auch reguliert sein – denn kein Schutzgebiet der Welt kann den bedrohten Arten darin helfen, wenn es kein sinnvolles Management gibt. Gemeinsam mit dem ecuadorianischen Umweltministerium und unterstützt vom Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung treibt der WWF mit seinem Projekt “Gigantes del Pacifico“ genau diese Prozesse voran.

Das Projekt “Gigantes del Pacifico”

Dass der Schiffsverkehr eingeschränkt und der gesamte Lebensraum von Riesenmantas, Walen und Wahlhaien im östlichen tropischen Pazifik generelle Schutzzone wird, ist unwahrscheinlich. Der Hafen von Guayaquil ist für die Region zu wichtig. Der WWF versucht deshalb, zusammen mit den dortigen Behörden Meeresschutz und wirtschaftliche Interessen der Menschen rund um die Meeresschutzgebiete „Bajo del Copé“ und „Cantagallo-Machalilla“ besser auszubalancieren. Das Projekt „Gigantes del Pacifico“ – Giganten des Pazifiks - soll geschützte Meeresflächen vergrößern und sichere Korridore für Mantarochen und Walhaie identifizieren und erhalten. Zudem hilft der WWF, Tourguides und Tauchlehrer, sowie lokale Fischer aufzuklären. Nur so kann das Risiko für tödliche Kollisionen sinken. Denn nur wer viel über die sensiblen Ökosysteme weiß, kann vom Zauber der Meeresriesen gleichzeitig finanziell profitieren und ihren Lebensraum nachhaltig bewahren.

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