Seit Urzeiten schon wandern die Wildtierherden durch die Savannen Ostafrikas. Damit das auch in Zukunft möglich ist, entwickelt der WWF mit vielen Partnern ein Gesamtkonzept, das die Ökosysteme bewahren soll. Ein Netz aus Schutzgebieten und nachhaltig genutztem Naturraum – größer als Österreich und die Schweiz zusammen – soll die Naturschätze Ostafrikas langfristig sichern: Unganisha.

„Unganisha“ bedeutet in Swahili, der Sprache Kenias und Tansanias, so viel wie „gemeinsam“. Naturschützer, Regierungen und Menschen der Region ziehen an einem Strang. In der Naturregion liegen acht nationale Schutzgebiete, darunter der Serengeti- und der Kilimandscharo-Nationalpark. Hinzu kommen 43 Gemeinde-Schutzgebiete. Große zusammenhängende Ökosysteme gibt es hier ebenso noch wie beachtliche Populationen von Elefanten, Löwen und vieler weiterer bedrohter Arten.

Lage: Die Region Unganisha liegt im Osten Afrikas zwischen dem Victoriasee im Westen und dem Indischen Ozean im Osten in den beiden Ländern Kenia und Tansania.

Fläche: 134.000 Quadratkilometer – eine Fläche größer als Österreich und die Schweiz zusammen

Lebensraum: Savannen, Feuchtgebiete, Wälder und Gebirge

In Unganisha soll der Traum Wirklichkeit werden, dass Wildtiere auch in Zukunft in intakten Ökosystemen ihren Platz haben – und zugleich die dort seit Jahrhunderten ansässigen Menschen im Einklang mit der Natur leben können.

Eberhard Brandes, Geschäftsführender Vorstand WWF Deutschland

Ein Kreislauf des Lebens

Gnuwanderung in der Masai Mara in Kenia © Michael Poliza / WWF
Gnuwanderung in der Masai Mara in Kenia © Michael Poliza / WWF

In der Savanne Ostafrikas sind jedes Jahr 1,2 Millionen Gnus auf einem 500 Kilometer langen Rundkurs unterwegs – von der Serengeti im Süden zur Masai Mara im Norden und auf einer östlicheren Route zurück. Mit ihnen ziehen rund 400.000 Thomson-Gazellen und 250.000 Zebras. Sie alle wandern das ganze Jahr auf der Suche nach frischem Wasser und Gras durch die Savanne.

An ihre Hufe heften sich Fleischfresser wie Löwen, Geparden, Hyänen, Schakale und Geier. Beim Durchqueren der Flüsse warten Krokodile auf sie. Was für eine lebensgefährliche Strapaze für die rund zwei Millionen Huftiere – und doch ein einzigartiger Kreislauf des Lebens, der sich Jahr für Jahr wiederholt. Die Tiere folgen den Regenfällen und dem Wachstum des Grases, das sie ernährt. Doch ob die Tiere auch in Zukunft so wandern können, ist keineswegs sicher.

Artenvielfalt in Gefahr

Doch die Naturregion ist in Gefahr, denn immer mehr Menschen benötigen Land für Ackerbau und stetig wachsende Viehherden, Siedlungen und Infrastruktur. Wo vor wenigen Jahren noch Wildtiere frei durch die Savanne zogen, ist heute das Land von Zäunen, Straßen und bewässerten Maisfeldern durchzogen. Platz für Wildtiere ist hier keiner mehr, auch nicht für die traditionelle nomadische Viehhaltung der Massai.

Seit die uralten Wanderrouten der Tiere auf diese Weise blockiert werden, kommt es immer häufiger zu Konflikten mit Elefanten und anderen Wildtieren, die nun zwangsläufig durch die Felder und Dörfer ziehen müssen, um zu ihren angestammten Weidegründen zu kommen.

Das macht der WWF in Unganisha

Der WWF hat mit Unganisha eine große Initiative gestartet. Das Ziel: Die Naturregion als Einheit zu bewahren und dort zugleich eine naturverträgliche Entwicklung zu fördern. Unganisha soll die zu großen Teilen bereits geschützten Landschaften Mara-Serengeti, Amboseli-Kilimanjaro und Tsavo-Mkomazi miteinander verbinden.

Der WWF will einen umfassenden Masterplan für die Gesamtregion aufbauen. Der wiederum wird in sechs Teilregionen mit jeweils bis zu 100 vor Ort aktiven Organisationen und staatlichen Stellen umgesetzt. Dazu wird der WWF Projekt- und Koordinationsbüros aufbauen und alle Beteiligten zu einem großen Aktionsbündnis zusammenschließen. Zusammen – unganisha – für die Naturregion.

Ziele des WWF in Unganisha

  1. Die drei großen Schutzgebietskomplexe der Projektregion Mara-Serengeti, Amboseli-Kilimanjaro und Tsavo-Mkomazi in sich und untereinander mit funktionsfähigen Korridoren verbinden. Die prioritären Wildtierlebensräume der Region sichern und erhalten, wichtige Ökosystemfunktionen wie Wasserhaushalt und -Speicherfähigkeit, Erosionschutz, ökologische Vielfalt und Produktivität dauerhaft sichern.
  2. Die regionalen Bestände aller Schlüsselarten wie Elefant, Löwe, Gepard, Wildhund, Nashorn und große Weidegänger stabilisieren, die regionaltypischen, Schutzgebiets- und grenzüberschreitenden Tierwanderungen und ihre Routen sichern.
  3. Kommunen und Haushalte sollen in den prioritären Wildtierlebensräumen und Korridoren vom Schutz der Wildtiere, Lebensräume und natürlichen Ressourcen profitieren und zwar durch Benefit-Sharing-Mechanismen, Gemeindeschutzgebiete und nachhaltig wirtschaftende Unternehmen.
  4. Mensch-Wildtierkonflikte sollen in den prioritären Wildtierlebensräumen und Korridoren signifikant reduziert werden, und zwar durch sinnvolle Landnutzungsplanung und Mitigation; die Wilderei soll flächendeckend und grenzüberschreitend unter Kontrolle gebracht werden.

Gemeinsam mit Förderern und Unterstützern für Unganisha

Für die großflächige Umsetzung eines Schutzgebietsnetzwerks in Ostafrika ist der WWF auf Partner vor Ort angewiesen, wie die Ministerien Kenias und Tansanias und die lokale Bevölkerung. Aber auch Unterstützer aus dem Ausland sind notwendig, um das Projekt stemmen zu können, darunter die deutsche Bundesregierung, Forschungseinrichtungen und andere Naturschutzorganisationen.

Auch die deutsche, britische und französische Entwicklungshilfe hat der WWF jeweils wegen einer umfangreichen Beteiligung angefragt. Ebenso sollen Firmenkooperationen in Zukunft dauerhafte Anteile des Großprojekts finanzieren. Ganz wesentlich aber bleibt der Beitrag der vielen Unterstützer:innen des WWF weltweit.

Das gemeinsame Ziel von Unganisha lohnt jede Anstrengung: Unganisha hat das Potenzial, eine der wertvollsten und weltweit bedeutendsten Naturlandschaften Afrikas zu erhalten und gleichzeitig den Lebensunterhalt der lokalen Gemeinschaften zu sichern und wesentlich zu einem nachhaltigen regionalen Wirtschaftswachstum beizutragen.

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