Was sind Geisternetze und welche Probleme generieren Geisternetze

Geisternetzbergung Prezero Kran mit Netz © Andrea Stolte / WWF
Geisternetzbergung Prezero Kran mit Netz © Andrea Stolte / WWF

Als Geisternetze werden herrenlose Fischernetze bezeichnet. Sie geistern durchs Meer und werden dort zur Gefahr für Meeresbewohner, weil sie unendlich weiter fischen. Neben Fischen werden Geisternetze auch für Robben, Wale, Meeresschildkröten und Tauchvögel zur Falle, wenn diese den Fischen nachjagen, die an Wracks oder kleinen „Plastikinseln“ Schutz suchen. Tauchvögel und Meeressäuger verheddern sich in den Netzen oder gelangen darunter und finden nicht mehr an die Oberfläche zum Atmen.

Oder sie liegen am Meeresgrund und lösen sich langsam in winzige Plastikfasern auf und tragen so zur Mikroplastik-Belastung der Meere bei. Die Gründe für Verluste sind vielfältig, Stürme, Eisgang, Bootsunfälle oder auch illegale Entsorgung. Egal warum, eine Schwierigkeit haben alle Gründe gemein: das Finden dieser Netze ohne exakte Positionsangabe im Meer ist kaum möglich.

Die Vermüllung der Meere mit Plastik ist ein gewaltiges Problem. Die genauen Mengen, wie viele Netze jedes Jahr in die Meere gelangen, sind nicht bekannt. Etwa 10 Prozent des an europäische Strände gespülten Meeresplastiks besteht aus Geisternetzen und verlorenem Fischereigerät (FAO 2009). Weltweite Studien finden laut der Plastikdatenbank des Alfred-Wegener Instituts in der Wassersäule der Ozeane etwa ein Viertel Plastik und Netze aus der Fischerei (litterbase.org). An der Oberfläche im Pazifischen „Müllstrudel“ ist es sogar fast die Hälfte (The Ocean Cleanup 2018). Man geht davon aus, dass allein in der Ostsee jedes Jahr zwischen 5.000 und 10.000 Netzteile verloren gehen (WWF Polen 2011).

Technik hilft: Geisternetze aufspüren mit Schallbildern des Meeresbodens und der Geistertaucher-App

Um die Suche nach Geisternetzen effizienter zu gestalten, arbeitet der WWF seit 2018 mit dem Sonarexperten Crayton Fenn zusammen, der verlorene Fischereigeräte für in den USA sucht und birgt. Durch die umfangreiche Schulung ist die Suche mit dem Sonargerät zur erfolgreichsten Methode geworden, Geisternetze zu entdecken. Mit dem Sonar lassen sich bis zu 100m breite Streifen abscannen, was es ermöglicht, größere Flächen nach Geisternetzen abzusuchen. Seit 2019 konnte der WWF durch die Sonartechnik 20 Tonnen Geisternetze bergen und der Entsorgung zuführen.

Da die Daten vom Meeresboden mit Schallwellen erzeugt werden, ist geringe Sichtweite kein Problem. Die Stellen, an denen ein Verdachtsobjekt auf den Sonarbildern identifiziert wurde, können nun mit Hilfe der Geistertaucher App Taucher:innen eingesehen werden. Erstmals können sich damit Taucher:innen an der Vorbereitung der Bergungsaktionen beteiligen, indem sie die Situation unter Wasser dokumentieren und verifizieren, ob es sich wirklich um ein Geisternetz handelt. 

Unser Ziel ist die verstetigte Bergung von unseren Funden durch staatliche Institutionen. Denn zum einen ist die Bergung von Geisternetzen schwierig und gefährlich. Zum anderen ist dies eine gesellschaftspolitische Aufgabe die nicht auf den Schultern von Freiwilligen und NGOs bleiben darf und soll. Einige staatliche Programme stehen schon in unseren Projektgebieten, so wie das Landesprojekt in Mecklenburg Vorpommern aber auch durch die Fischereiaufsicht organisierte Such- und Bergungsaktionen in Estland. Bei Allen Aktionen gilt jedoch, je besser, exakter Positionen vorbereitet sind desto effizienter und günstiger kann geborgen werden.

EURENI Projekt

BMU Logo © BMU

Seit Januar 2021 fördert Bundesumweltministerium mit der Europäischen Umweltschutzinitiative (EURopean ENvironment Initiative – EURENI) unser Projekt zum innereuropäischen Wissenstransfer und Austausch rund um die Sonartechnik und Geistetaucher App. Somit testen wir zum ersten Mal die Sonarmethode und Einbindung von Tauchern zur Suche nach Geisternetzen in Polen, Estland und Frankreich. Hierbei arbeiten wir eng mit unseren Partnern dem WWF Polen, KEST (Keep Estonian Seas Tidy) und WWF Frankreich zusammen um die jeweiligen regionalen Besonderheiten und Notwendigkeiten für Technik und zivilgesellschaftlichen Austausch kennenzulernen und anzuwenden.

In jedem Partnerland werden 5 Sonartage und 2 Verifikationstauchgangstage mit regionalen Tauchen an den erfolgsversprechndsten Positionen durchgeführt um zum einen unser Wissen um Geisternetzepositionen in europäischen Meeren zu vergrößern und zum Anderen um Lösungen auch an staatliche Organe zu kommunizieren.

So können Sie den WWF im Kampf gegen Geisternetze unterstützen