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Stand: 23.05.2018

Thüringer Urwaldperlen – Wildnis pur

Naturschutzgebiet Marktal und Morast im Biosphärenreservat Thüringer Wald © Thomas Stephan / WWF
Naturschutzgebiet Marktal und Morast im Biosphärenreservat Thüringer Wald © Thomas Stephan / WWF

„Waldbaden“, so werden Naturspaziergänge heute in Japan genannt, ist – wissenschaftlich bewiesen – gesund! Ein ausgiebiges, ganz besonderes Waldbad können naturbegeisterte Wanderer in Zukunft in Thüringens „Urwäldern von Morgen“ nehmen und dabei nicht nur Körper, sondern auch Geist trainieren. Wie eine Kette reihen sich entlang der waldreichen Höhenzüge Thüringens 20 Waldwildnisgebiete, in denen die Säge ruht und Natur wieder Natur sein darf. Erlebbar werden diese so selten gewordene Wälder ab 2018 durch den Thüringer Urwaldpfad. Vom Menschen in Ruhe gelassene Wildnis wird hier spürbar, Naturschutz greifbar, Schönheit, Funktion und Mehrwert eines deutschen „Urwaldes von morgen“ erlebbar. Ein Gewinn für Mensch und Natur!

Aus Alt wird Neu: Totholz bietet Lebensraum und Nahrungsangebot © Thomas Stephan / WWF
Totholz bietet Lebensraum und Nahrungsangebot © Thomas Stephan / WWF

Die aus der Nutzung genommenen Wälder gehören fast vollständig dem Natura 2000-Netz an und weisen naturnahen, teils urwaldähnlichen Charakter auf. Entlang dem von WWF und Naturkundemuseum Erfurt entwickelten und vom Landesumweltministerium unterstützten Thüringer Urwaldpfades werden die Waldwildnisgebiete naturschutzfachlich betreut und erlebbar gemacht. Den Wanderer führt es dabei über moosbedeckten Waldboden, an von unzähligen Insekten und Pilzen besiedeltem Totholz vorbei, bis hin zu mal mehr, mal weniger wasserreichen Auen- und Feuchtwaldgebieten.

Bedrohte Tierarten

Fast unbemerkt begleiten die Besucher dabei ganz besondere Waldbewohner: sogenannte Urwaldrelikt-Arten. Urwaldrelikt-Arten sind sehr seltene, kleine und für die meisten Wanderer kaum sichtbare Käferarten wie Flachstirntastkäfer oder Schnellkäfer. Gegenüber Veränderungen reagieren sie extrem empfindlich, sie leben daher fast ausschließlich in naturnahen Wäldern und Urwäldern. Neben anderen Käfern, Insekten, Pilzen, Moose und Flechten, erfüllen die hochspezialisierten Holzzersetzer gleichzeitig eine bedeutsame ökologische Funktion für die Prozesse in „Urwäldern“. Ihr Vorkommen ist deshalb ein Beweis für besonders naturschutzfachlich wertvolle Flächen. In der Urwaldperle „Hohe Schrecke“ wurden beispielsweise über 400 holzbewohnende Käfer nachgewiesen, 15 von ihnen sind Urwaldreliktarten.

Das macht der WWF

Waldwildnis in Thüringen © Tobias Ernst / WWF
Waldwildnis in Thüringen © Tobias Ernst / WWF

Doch ob Tiere, Pflanzen oder Pilze – die für natürliche Wälder standortheimische biologische Vielfalt ist noch immer stark gefährdet. Bis zum Mittelalter war Mitteldeutschland noch zu großen Teilen von uralten Wäldern bedeckt. Nach und nach mussten sie großflächigen Siedlungen, Äckern und Weiden und später forstlich geprägten Wirtschaftswäldern weichen. Infolge intensiver Nutzung sowie durch Belastungen wie z.B. Immissionen, Zerschneidungen und Grundwasserabsenkungen wurden Thüringens Wälder zusätzlich in ihrer Artenzusammensetzung und Bestandsstruktur erheblich verändert. Naturnahe Wälder oder gar Urwälder gibt es heute nur mehr auf 1,9 Prozent der Fläche Deutschlands.


Der Thüringer Urwaldpfad des WWF in Kooperation mit dem Naturkundemuseum in Erfurt wird die Anstrengungen der Landesregierung unterstützen. Der Öffentlichkeit werden naturschutzfachliche Argumente präsentiert, um Akzeptanz für Wildnis im Allgemeinen und Urwald im Besonderen zu schaffen: Prozessschutz und Wildnis erlauben verschiedene Waldentwicklungsphasen, von der Aufbau- bis zur Zerfallsphase, schaffen damit ein Reichtum an Lebensräumen, fördern die biologische Vielfalt und verbessern die Regenerationsfähigkeit der Wälder. Nicht zuletzt bieten Urwälder von morgen eine wichtige Referenzfläche im ökologischen Monitoring im Vergleich zu künstlich geschaffenen Kulturlandschaften. Denn: Ob Klimawandel, Hochwasser oder Orkane – Das wilde Deutschland hält auch für den Menschen wertvolle Anpassungsstrategien bereit.

Das Projekt wird über die Förderinitiative Ländliche Entwicklung in Thüringen (FILET), Programm zur Förderung von Maßnahmen zur Entwicklung von Natur und Landschaft (ENL) gefördert. Die Fördermittel werden von der Thüringer Aufbaubank ausgereicht. Hier investieren Europa und der Freistaat Thüringen in die ländlichen Gebiete.

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Freistaat Thüringen
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