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Stand: 04.10.2018

Wie wirkt Waldzertifizierung nach dem Forest Stewardship Council (FSC) in Nordwestrussland?

Waldzertifizierungen nach dem Forest Stewardship Council (FSC) sind freiwillig. Die Zertifizierung folgt einem zuvor festgelegten, weltweiten Nachhaltigkeitsstandard. Der Standard wurde entwickelt, um eine verantwortungsvollere und nachhaltigere Waldwirtschaft zu fördern. Trotz der entfalteten Zugkraft der FSC-Zertifizierung in der borealen Zone gibt es dort nur eine geringe Anzahl wissenschaftlicher Studien, die die Wirksamkeit der Zertifizierung auf das Ökosystem Wald untersuchen. In der vorgestellten Studie wurde ein ökosystembasierter und partizipatorischer Forschungsansatz verwendet. Die Studie fand in der Region Arkhangelsk, Nordwestrussland, statt und zeigt den theoretischen Einfluss der Prinzipien, Kriterien und Indikatoren des russischen FSC Standards auf. Dabei galt das Augenmerk insbesondere der Erhaltung der ökologischen Funktionstüchtigkeit des Waldökosystems. Neben räumlichen Analysen und einem Feldbesuch fanden Workshops mit Waldexperten und anderen Akteuren statt. Das Wissen zum FSC-Standard und seiner potentiellen Wirkungen in der Region sowie zur ersten Bewertung des Zustands der Wälder wurde auf diese Weise zusammengetragen.

Gerodeter Wald in der Region Arkhangelsk © WWF
Gerodeter Wald in der Region Arkhangelsk

Das Ergebnis ist, dass FSC das Waldmanagement potentiell beeinflussen und verbessern könnte. Dies gilt z.B. für die Bereiche Monitoring und Evaluierung, die Entwicklung von institutionellen Kapazitäten und der Wissensvermittlung zu den Auswirkungen der Nutzung auf die Wälder. Theoretisch hat FSC ein gewisses Potenzial, die menschgemachten negativen Einflüsse auf das Ökosystem zu reduzieren wie zum Beispiel: großräumige Entwaldung, Verschlechterung der Waldqualität, Holzeinschlag in Wäldern mit hohem Schutzwert, die Größe von Kahlschlägen, Höhe der erlaubten jährlichen Nutzungsmengen, Baumschäden durch Bewirtschaftung oder Veränderungen des Wasserhaushaltes. Allerdings zeigt sich, dass die Reduktion menschgemachter Waldbrände, der einzige Faktor ist, der vom russischen Standard klar und wirksam adressiert wird. In dem Artikel wird gezeigt, dass der Standard die Erhaltung der Biodiversität viel stärker gewährleisten könnte, wenn die ökologischen Schlüsselprobleme klarer benannt und direkter adressiert werden würden. Die Ursache der meisten ökologischen Probleme stellten die sehr großen Kahlschläge (bis zu 50 ha) dar, vor allem auch in den letzten Primärwäldern (die im Jahr 2000 und 2016 von Wissenschaftlern als sogenannte Intakte Waldlandschaften kartiert worden waren). Der russische FSC-Standard begünstigt die ökologisch nicht nachhaltige Wirtschaftsweise zwar nicht direkt, die 50-ha-Kahlschläge stehen aber auch nicht im Widerspruch zu einer Zertifizierung und werden damit toleriert. Zweifel an einer global einheitlichen FSC-Praxis und ihre Glaubwürdigkeit werden dadurch genährt.

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