Die meisten Waldbrände sind menschgemacht – und setzen einen gefährlichen Kreislauf in Gang. Denn Brände und Klimakrise befeuern sich gegenseitig. Ein neuer WWF-Bericht analysiert den beunruhigenden Trend und seine Bedeutung für Mensch und Planet. Die Initiative #Together4Forests will die Entwaldung durch Rohstoffe für Europäische Waren verhindern.

Schon im April 2020 lag die Zahl der Brandmeldungen aus den Wäldern unserer Erde 13 Prozent über denen des Vorjahres. Dabei gab es bereits 2019 eine ungewöhnlich hohe Anzahl an Feuern und abgebrannter Fläche auf vielen Kontinenten. Nun scheint 2020 ein Jahr mit noch heftigeren Bränden zu werden. Die Feuer toben vom Amazonas bis zur Arktis. Das hat Folgen auch für uns Menschen.

WWF-Bericht: Verheerender Trend

Mehr Feueralarme, mehr Einsatzkräfte, mehr verbrannte Erde: Das zeigt eine neue Analyse des WWF zu den globalen Waldbränden. „Halten wir diesen Trend nicht auf, werden die artenreichsten Lebensräume unserer Erde immer weiter zerstört und mit ihnen Ökosysteme, von denen Millionen Menschen abhängig sind“, warnt Dr. Susanne Winter, Programmleiterin Wald beim WWF Deutschland. Die starken Brände verringern die biologische Vielfalt, bedrohen ganze Volkswirtschaften, Eigentum sowie Lebensgrundlagen und können schwere, langfristige Gesundheitsprobleme bereiten. Nicht zuletzt setzen die Waldbrände Milliarden Tonnen zusätzlicher Treibhausgase frei, die für den Klimawandel relevant sind.

Waldbrände und Erderwärmung: Ein Teufelskreis

Dürreperiode in Myanmar © Minzayar Oo / WWF USA
Dürreperiode in Myanmar © Minzayar Oo / WWF USA

Als eine der Hauptursachen für die schweren Waldbrände weltweit nennt der WWF-Bericht die Erderhitzung und damit einhergehendes heißeres und trockeneres Wetter. Die Waldbrände wiederum setzen CO2 frei, das in Vegetation und Böden gebunden ist. Jährlich verursachen Feuer in der Natur etwa fünf Milliarden Tonnen Kohlendioxid-Emissionen weltweit - mehr als elf Prozent der menschengemachten globalen Emissionen - und befeuern so die Klimakrise. „Waldbrände und Klimakrise schaukeln sich gegenseitig hoch. Die Erderhitzung führt zu heftigeren Feuern und die Waldbrände heizen die globale Erwärmung an“, so Susanne Winter.

Schwerer und länger auf Kosten des Klimas

Mit zunehmender Schwere schädigen die Waldbrände auch tiefere Bodenschichten und Moorböden und setzen seit Jahrhunderten oder sogar seit Jahrtausenden gebundenen Kohlenstoff frei. Wachsen die Wälder nach dem Abbrennen nach, sind sie lange kleiner und ihr Wuchsort trockener als zuvor. Über viele Jahrzehnte bis Jahrhunderte hinweg speichern sie weniger Kohlenstoff als vor der Zerstörung. Nicht selten brauchen die Wälder 200 bis 300 Jahre, um wieder ihre volle Speicherfähigkeit zu erreichen. Doch so viel Zeit lassen die Brände den Wäldern kaum noch. Im Amazonas dauert die jährliche Brandsaison heute etwa sechs Wochen länger als früher. Auch in Afrika und den meisten anderen Waldbrandgebieten der Erde hat sich die Feuersaison um 30 bis 50 Prozent dramatisch verlängert.

Dreiviertel der Brände sind menschgemacht

Nicht nur zunehmende Hitze und Trockenheit, sondern auch Extremwetter mit Gewittern und Blitzen lösen Waldbrände aus. Hauptproblem aber ist der Mensch. Laut WWF-Bericht sind mindestens 75 Prozent aller Brände in der Natur menschgemacht, vor allem durch Brandstiftung. „Die Brände im Amazonas und anderswo werden häufig gezielt gelegt, um Platz für großflächige industrielle Landwirtschaft zu schaffen. Und die Nachfrage aus der EU nach Rohstoffen aus diesen Gebieten trägt dazu bei“, sagt Susanne Winter.

#Together4Forests: Vorsorge ist besser als Feuerlöschen

Sumatra-Regenwald Indonesien © Neil Ever Osborne / WWF-US
Sumatra-Regenwald Indonesien © Neil Ever Osborne / WWF-US

Unter dem Namen #Together4Forests fordern gemeinsam mit dem WWF über 100 europäische NGOs dazu auf, dem Wald eine Stimme zu geben. Denn seit dem 11. September 2020 läuft eine Bürgerbefragung der Europäischen Union zu neuen Regelungen gegen die von Europa ausgehende weltweite Entwaldung. „Ich hoffe, dass möglichst viele EU-Bürger:innen mit uns auf ein möglichst strenges Gesetz drängen. Wir müssen Produkte, die den Verlust von Wald verursachen, verlässlich vom europäischen Markt fernhalten“, so WWF-Waldexpertin Dr. Susanne Winter. Die Konsultation kann unter unter wwwf.de/together4forests unterstützt werden. Wälder sind ein wichtiger Schutzschild gegen die Erderhitzung, Pandemien und den Verlust der biologischen Vielfalt. Den Raubbau an ihnen können wir gemeinsam verhindern helfen.

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