895.000 Pangoline wurden in den vergangenen zwei Jahrzehnten aus Asien und Afrika geschmuggelt und international gehandelt – so die konservative Schätzung einer aktuellen TRAFFIC-Studie. Eine erschreckende Zahl. Auf den Philippinen hat die Wilderei die Tiere an den Rand der Ausrottung gebracht, 2019 wurde die dort beheimatete Art Manis culionensis von der IUCN als vom Aussterben bedroht eingestuft – genauso wie zwei weitere der insgesamt acht Arten, die bereits seit 2014 entsprechend gelistet sind. Zwar ist der internationale Handel mit Schuppentieren seit 2017 verboten, doch Wilderei und der illegale Handel gehen weiter.

Der Pangolin hat es in diesem Jahr schon oft in die Medien geschafft. Zu Beginn der Corona-Pandemie wurde vermutet, dass das Virus von ihm auf den Menschen übergegangen sei. Aktuelle Forschungen und Erbgut-Anlaysen des Virus zeigen jedoch, dass es vermutlich Fledermäuse waren, von denen die Corona-Pandemie ausging. Welchen Ursprung das Virus am Ende auch immer hat – es sind illegale und schlecht regulierte Wildtiermärkte und der Raubbau an der Natur, die auch künftig dazu führen können, dass Krankheitserreger von Wildtieren auf den Menschen überspringen. Nicht nur deshalb müssen wir gegen den illegalen und schlecht regulierten Wildtierhandel vorgehen und die Risiken des Handels insgesamt für die Gesundheit reduzieren.

Alle Pangolin-Arten bedroht

Malayisches Pangolin © naturepl.com / Roland Seitre / WWF
Malayisches Pangolin © naturepl.com / Roland Seitre / WWF

Es gibt acht Schuppentierarten: vier in Asien und vier in Afrika. In beiden Regionen werden sie traditionell genutzt, aber zunehmend überschneiden sich die beiden Märkte, so ein aktueller Bericht des UNODC (United Nations Office on Drugs and Crime). Heute wird die Nachfrage nach Schuppentieren in Asien vor allem durch Schuppentiere aus Afrika gedeckt.

In beiden Regionen werden Pangoline wegen ihres Fleisches und ihrer Schuppen getötet. In der Traditionellen Chinesischen Medizin wird den Schuppen nachgesagt, dass sie die Blutzirkulation fördern, das Fleisch gilt als Delikatesse. Auch in Afrika werden die Tiere in der Medizin verwendet. In Nigeria zum Beispiel werden Schuppenteile zur Behandlung einer Vielzahl von physischen und psychischen Leiden eingesetzt.

Man geht davon aus, dass die Bestände aller acht Schuppentierarten stark zurück gegangen sind. Da keine genauen Bestandszahlen vorliegen, ist es schwer zu bestimmen, wie sehr sich der illegale Handel mit den Tieren auf die Population auswirkt. Doch die schiere Zahl der beschlagnahmten Tiere deutet darauf hin, dass sie nicht nachhaltig entnommen werden. Auch eine Befragung des UNODC, die 2018 in Uganda und Kamerun unter Jägern durchgeführt wurde, zeigt: Schuppentiere sind immer schwerer zu finden.

Chinesisches Verbot weitgehend unwirksam

Anfang Juni gab es dann vermeintlich positive Neuigkeiten aus China: Die Regierung hat Schuppentiere in der Traditionellen Chinesischen Medizin (TCM) verboten und alle Schuppentierarten unter Schutz gestellt. Eine Nachricht, die weltweit für Schlagzeilen sorgte. Und doch eine Nachricht, die schon wieder relativiert werden muss. Zwar wurden die Tiere aus dem beschreibenden Hauptteil der aktuellen Ausgabe des Chinesischen Arzneibuchs, ein Nachschlagewerk für TCM-Praktizierende, gestrichen, jedoch bleiben Schuppentierschuppen zugelassener Bestandteil verschiedener patentierter Medikamente der TCM, die im Anhang des Buchs gelistet werden.

Zahlen der Beschlagnahmungen steigt weiter

Beschlagnahmte Pangolin-Schuppen © Andy Isaacson / WWF-US
Beschlagnahmte Pangolin-Schuppen © Andy Isaacson / WWF-US

Sowohl die aktuelle TRAFFIC-Studie „Endangered by Trade. The ongoing illegal Pangolin Trade in the Philipipines“, als auch der Wildlife Crime Report 2020 des UNODC kommen zu erschreckenden Ergebnissen: Die Zahl der beschlagnahmten Pangoline stieg seit 2014 um das Zehnfache. Der Handel mit den streng geschützten Tieren geht weiter.

Auch in den Philippinen sind die Zahlen alarmierend: In den vergangenen Jahren stiegen die Beschlagnahmungen dort um das Neunfache an. Waren es von 2000 bis 2017 noch 740 Tiere, die dort beschlagnahmt wurden, waren es allein im Zeitraum 2018 bis 2019 bereits 6.894 Tiere – ein immenser Anstieg. Auch 2020 wurden vier neue Beschlagnahmungsfälle bekannt.

Bessere Mechanismen zum Schutz der Tiere

Trotz der Gesetze in den Philippinen und anderen Ländern in Afrika und Asien sowie der internationalen Handelsbestimmungen, die den internationalen kommerziellen Handel mit allen acht Pangolinarten verbieten, gehen Wilderei und der illegale Handel mit ihnen weiter.

Um die Tiere besser zu schützen, müssen Maßnahmen entlang der gesamten Handelskette verbessert werden. Wilderei muss verhindert, Schmuggel konsequent unterbunden und die Nachfrage nach Pangolinprodukten reduziert werden.