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Stand: 19.08.2019

Wunderbohne mit Nebenwirkungen

© WWF / EDEKA
© WWF / EDEKA

Soja ist ein hochwertiger Eiweißlieferant. Produkte wie Tofu oder Sojamilch erfreuen sich insbesondere bei Vegetariern und Veganern großer Beliebtheit. Eine weitaus größere Rolle spielt die wärmeliebende Pflanze jedoch in der Fütterung von Nutztieren. Für die Erzeugung von Fleisch-, Molkereiprodukten und Eiern hierzulande wird vor allem in Südamerika großflächig Soja angebaut – mit teils verheerenden Folgen für Mensch und Umwelt. Der WWF und EDEKA sowie Netto Marken-Discount (als Teil des EDEKA-Verbunds) unterstützen daher den Einsatz heimischer Eiweißfuttermittel oder von zertifiziert nachhaltigem Soja.

In Europa ist der Soja-Anbau noch in den Anfängen.  Das meiste wird importiert und der Bedarf ist enorm: Nach Angaben des Verbandes der Ölsaatenverarbeitenden Industrie Deutschland wurden bei uns im Jahr 2017 etwa 3,2Millionen Tonnen Soja in der Nutztierfütterung eingesetzt. Der überwiegende Anteil der nach Deutschland importierten Hülsenfrucht stammt aus großflächigen, industriell bewirtschafteten Monokulturen in Südamerika. Wälder und Savannen müssen ihnen entweder direkt weichen oder sie fallen anderen landwirtschaftlichen Nutzungen wie der Viehzucht zum Opfer, die durch den Soja-Anbau in vormals ungenutzte und artenreiche Gebiete verdrängt werden. Im Lebensraum einer Soja-Monokultur breiten sich Schädlinge und Krankheitserreger schnell aus, deren Bekämpfung immer höhere Dosen an Pestiziden erfordert. Hinzu kommt, dass der Anbau ohne oder in sehr engen Fruchtfolgen zu Bodenverschlechterung, Artenverarmung und Gewässerverschmutzung führt.

Soja © Agrarfoto
Soja © Agrarfoto

In den wichtigsten Anbauländern Brasilien, Argentinien und Paraguay stammen über 90 Prozent der Bohnen von gentechnisch veränderten Soja-Pflanzen. Sie sind gegen das Totalherbizid Glyphosat resistent, das oftmals per Flugzeug und sehr unkontrolliert auf die Pflanzen ausgebracht wird. Die Folgen sind insbesondere für die Artenvielfalt und für die Gesundheit der ArbeiterInnen und der ansässigen Bevölkerung verheerend. Ein großer Widerspruch ist außerdem, dass der Anbau von gentechnisch veränderten Pflanzen für die Nahrungsmittelproduktion in der EU und in Deutschland selbst weitestgehend verboten ist, die europäischen Nutztiere jedoch in der Regel mit GVO-Soja gefüttert werden und eine Kennzeichnungspflicht bislang nicht besteht. Gentechnisch veränderte Futtermittel landen somit direkt in europäischen Futtertrögen und die auf diese Weise produzierten Produkte auf unseren Tellern.


Im Rahmen der Partnerschaft mit EDEKA und Netto sieht der WWF Deutschland eine Chance, positive Veränderungen im deutschen Lebensmittelmarkt anzustoßen. Aus Sicht des WWF gilt: Je weniger Übersee-Soja Deutschland importiert und je mehr es durch heimische und nachhaltigere Alternativen ersetzt wird, desto besser, da sich damit der Druck auf die durch Sojaanbau gefährdeten Gebiete verringert.

Die Ziele von EDEKA

Ziel von WWF und EDEKA sowie Netto ist es, innerhalb des Eigenmarkensortiments beim Einsatz von Futtermitteln in der Schweine-, Rinder- und Geflügelernährung auf heimische Futtermittel oder auf nachhaltigeres, gentechnikfreies, zertifiziertes Soja umzustellen (RTRS+GVO frei, Soja nach „ProTerra“-Richtlinien, Donau Soja, Europe Soya). Weiterhin setzt sich EDEKA mit Nachdruck für den Erhalt des bisher Erreichten ein. Das bedeutet, dass Erfolge auch daran bemessen werden, ob sich Produkte, die aus einer nachhaltigeren Fütterung stammen, langfristig am Markt durchsetzen.

 

Im Rahmen einer Fütterungsstudie erprobt EDEKA bis Sommer 2020 mit einem Hähnchen-Lieferanten die Verfütterung von heimischen Körnerleguminosen wie Erbsen, Ackerbohnen und Lupinen. Eine ähnliche Studie soll in Zusammenarbeit mit einem Ei-Produzenten entstehen. Darüber hinaus führen EDEKA und Netto Marken-Discountinsgesamt drei Startprojekte durch, die zeigen sollen, wie eine nachhaltige Fütterung in die Praxis umgesetzt werden kann. Ziel ist es, daraus Produkte ab 2019 bei EDEKA bzw. Netto zu verkaufen.  

 

Bei Milch, Milchgetränken, Sahneerzeugnissen, Jogurts und ähnlichem will EDEKA seine Eigenmarkenprodukte nach und nach auf nachhaltigeres, gentechnikfreies, zertifiziertes Soja (RTRS+GVO frei, Soja nach „ProTerra“-Richtlinien, Donausoja) in der Fütterung umstellen. Alternativ kann auf Fütterung von Soja und Sojabestandteilen verzichtet werden. Bis Mitte 2020 soll schrittweise eine Umstellung bis 85% erreicht werden. Das gleiche Ziel gilt mit anderem Zeithorizont auch für Käseprodukte: Bis Mitte 2020 soll ein Anteil von 50%, bis Mitte 2021 von 75% erreicht werden. Bei Fleisch- und Wurstwaren erarbeitet EDEKA unterstützt durch den WWF derzeit ein Konzept, wie eine schrittweise Umstellung auf nachhaltigere Fütterung erfolgen kann. Auf dieser Basis soll das Eigenmarken-Sortiment vollständig umgestellt werden.

 

Mehr dazu, wo EDEKA bei der Erreichung der Ziele steht, verrät der aktuelle Fortschrittsbericht.

EDEKA UND DER WWF

Interview mit Dr. Benno Fladvad, WWF-Referent für nachhaltige Nutztierfütterung und Soja

Im Rahmen der Partnerschaft beschäftigen sich WWF und EDEKA sowie Netto mit der nachhaltigeren Fütterung von konventionell gehaltenen Mastschweinen, Hühnern und Rindern. Warum?

Konventionell gehaltene Schweine, Hühner und Rinder bekommen in Deutschland in der Regel Sojaschrot als Eiweißlieferant. Das wird meist gewonnen aus Soja von Monokulturen in Südamerika – obendrein meist noch gentechnisch verändert. Dies führt dazu, dass der Druck auf wertvolle Ökosysteme wie Wälder und Savannenlandschaften wächst. Um Platz für den Sojaanbau zu schaffen, wird entweder direkt abgeholzt oder andere, deutlich nachhaltigere Formen der Landnutzung werden verdrängt. Verwendete Pestizide belasten Böden und Gewässer und gefährden die Gesundheit der Menschen. Uns besorgt auch der hohe Nährstoffeintrag in heimische Böden, der insbesondere durch die intensiven Tierhaltung und die massiven Verfütterung von Soja verursacht wird. Durch eine Verringerung des Eiweißgehaltes in der Fütterung lassen sich jedoch die Nährstoffanteile in der Gülle verringern, so dass einer Überdüngung auf diesem Wege entgegengewirkt werden kann. 

 

Wenn man also unsere Nutztiere umweltfreundlicher halten will, muss man an die Futtermittel ran?

So ist es. Im Futter für Schweine, Rinder und Geflügel sollte weniger Soja aus Übersee und deutlich mehr heimische Futtermittel wie Rapsschrot und vor allem Körnerleguminosen, also Hülsenfrüchtler wie Erbsen, Ackerbohnen und Lupinen landen. Diese lockern die Fruchtfolge auf und verbessern die Bodengesundheit. Außerdem gibt es selbst in der auf Effizienz getrimmten Mästung verschiedene Möglichkeiten, den Soja-Anteil in der Fütterung zu reduzieren. Allerdings ist das Wissen dazu kaum verbreitet. Wir haben daher zusammen mit erfahrenen Wissenschaftlern neue Fütterungsstrategien getestet, mit denen man Schweine in konventioneller Haltung mit deutlich weniger Sojaschrot in der Futtermischung zügig und ohne Qualitätsverlust auf Gewicht bringen kann.


Möglich ist dies durch eine optimierte, mehrphasige Fütterung, die die Zufuhr von Eiweiß besser an die Nährstoffbedarfe der Schweine anpasst. Das spart Sojaschrot ein. Zusätzlich haben wir alternative Futtermittel wie Rapsschrot und Erbsen, Ackerbohnen und Lupinen zugemischt. Auch bei Hühnern lässt sich das Sojaschrot in der Futtermischung deutlich reduzieren. Bei Rindern kann man es sogar komplett weglassen. 

 

Was folgt nun aus den gewonnenen Erkenntnissen?

Wir arbeiten intensiv daran, dass die strategische Zusammenarbeit mit EDEKA sowie Netto-Marken-Discount dazu beiträgt, die nachhaltigeren Futtermittel möglichst bald flächendeckend in Deutschland zu etablieren. Dafür ist jedoch sehr viel Überzeugungsarbeit nötig, auf sämtlichen Ebenen der Lieferkette. Die aus den Studien gewonnen Erkenntnisse helfen uns dabei, unsere Ziele fachlich zu untermauern.


Damit sich beispielsweise das Konzept der Mehrphasenfütterung mit weniger Sojaschrot oder nachhaltigeres Soja durchsetzt, müssen sich Landwirte, Fleisch- und Wurstproduzenten sowie die Lebensmittelhändler gemeinsam auf dieses Ziel verständigen. Wir brauchen aber nicht nur Absichtserklärungen, sondern auch konkrete Programme, die zeigen, dass eine nachhaltigere Fütterung möglich ist. Daran arbeiten wir mit EDEKA und haben bereits einige kleinere Erfolge vorzuweisen. Außerdem müssen wir dafür sorgen, dass auch die politischen Rahmenbedingungen für die vermehrte Verwendung von heimischen Futtermitteln stimmen. Dazu nehmen wir an dem ursprünglich vom WWF gegründeten Dialogforum für Nachhaltige Eiweißfuttermittel teil, das seit diesem Jahr von der Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung organisiert wird.

 

In Regalen der Lebensmittelhändler befinden sich immer mehr Produkte, die das Siegel „ohne Gentechnik“ tragen. Hat das auch etwas mit der Fütterung zu tun?

Ja, das hat es. Gentechnikfreies Soja gewinnt vor allem bei der Herstellung von Eiern, Geflügel und bei Molkereiprodukten an Bedeutung. Wir unterstützen diesen Prozess, da eine gentechnikfreie Fütterung ein wichtiger und erster Schritt in Richtung einer nachhaltigeren Fütterung sein kann. Allerdings sind eine gentechnikfreie Fütterung und  eine nachhaltigere Fütterung zwei verschiedene Sachen. Zwar können beim Anbau der nicht gentechnisch veränderten Sojasamen Glyphosat und auch andere Pestizide nicht mehr direkt auf die Soja-Pflanzen ausgebracht werden, jedoch ist dabei nicht auszuschließen,  ob für die Flächengewinnung kleinbäuerliche Gemeinden vertrieben oder illegal Regenwald abgeholzt wurde. Bei den von uns empfohlenen Mindeststandards für nachhaltigeres Soja können wir dies hingegen eher ausschließen.

 

Umstellung der Futtermittel ist gut für die Umwelt, aber was ist mit neuen Initiativen wie Tierwohl, die auch eine tiergerechtere und nachhaltigere Fleischerzeugung zum Ziel haben?

Insgesamt ist Bewegung in den Markt für konventionelle tierische Produkte gekommen, was wir sehr begrüßen. Vor allem das Siegel des Deutschen Tierschutzbundes in der Premiumstufe und das schon länger existierende Neuland-Siegel bewerten wir positiv. Neben den hohen Ansprüchen an eine tiergerechte Haltung, die zum Teil über den sehr unspezifischen Kriterien für EU-Bio liegen, spielt auch die Fütterung dabei eine Rolle. Beim Siegel des Deutschen Tierschutzbundes gehen die Anforderungen jedoch nicht über Gentechnik-Freiheit hinaus. Da liegen das Neuland-Siegel und auch die vertraglich vereinbarten Ziele von EDEKA und der WWF darüber.

Kontakt WWF Unternehmen

Patricia Graf

PANDA Fördergesellschaft für Umwelt mbH

Tel.: +49 (0) 40 530 200-357

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Kontakt WWF Presse

Sylvia Ratzlaff

Pressesprecherin, Berlin

Tel.: +49 (0) 30 311 777-458

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Kontakt EDEKA

EDEKA Logo

 

Andrea Ebert

Tel.: +49 (0) 40 6377-2182
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