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Beutegreifer willkommen heißen

Ob Nahrungsangebot, Wanderungsgebiete oder Schutz- und Versteckmöglichkeiten: Ohne Zweifel bieten die Alpen alle notwendigen Voraussetzungen, damit große Beutegreifer wie Bär, Luchs und Wolf wieder in überlebensfähigen Beständen heimisch werden können.

© Ralph Frank / WWF
© Ralph Frank / WWF

Am schnellsten kann sich der Wolf auf natürlichem Weg ausbreiten. Denn er bekommt fast jährlich im Rudel Nachwuchs und überwindet bei der Suche nach neuen Territorien innerhalb weniger Wochen problemlos Distanzen von einigen hundert Kilometern. Die wichtigsten Wolfsvorkommen liegen in den französischen und italienischen Alpen im Westen sowie in den Dinarischen Alpen im Osten.

 

Bären und Luchse hingegen besiedeln neue Regionen weitaus langsamer. Der WWF dokumentiert die natürliche Ausbreitung dieser Arten und regt Diskussionen an, sie über Bestandsstützungen und Auswilderungsmaßnahmen in geeigneten Gebieten schneller wieder heimisch werden zu lassen. 

 

Die Population der Luchse in den Alpen wird auf insgesamt 88 bis 141 Tiere geschätzt (Schweiz inklusive Liechtenstein 50 bis 82 Tiere, Frankreich 15 bis 20, Italien 10 bis 15, Slowenien fünf bis zehn und Österreich acht bis 14 Exemplare).

 

Bären leben in den Alpen nur noch wenige – in Norditalien gibt es in der Region Trentino 25 bis 30 Bären und wenige Einzeltiere um Friaul sowie im angrenzenden Slowenien. Der Bestand in Österreich ist mit nur noch zwei männlichen Bären fast erloschen, wenn nicht bald weibliche Tiere ausgewildert werden.

 

Mitte der 1990er Jahre waren in Österreich drei weibliche Bären ausgesetzt worden, die nachweislich mehr als 30 Jungtiere bekamen. Doch jährlich verschwanden einige Tiere. Keiner weiß, ob sie abwanderten, eines natürlichen Todes oder durch Wilderei starben.

 

Nach europäischem Recht sind Bär, Luchs und Wolf total geschützt – sie dürfen weder gefangen noch getötet werden. Unbestritten ist jedoch, dass das Zusammenleben mit ihnen auch Konflikte hervorrufen kann.

 

Mit dem Vorkommen der „großen Drei“ wird ein Schutz von Nutztieren notwendig. WWF-Projekte in der Schweiz und anderen Regionen mit Wolfs- und Bärenvorkommen zeigen, dass dies am besten durch Zäune oder Hütehunde gelingt. Der Verlust einzelner Tiere sollte die Besitzer vom Staat ersetzt werden.

 

Der WWF informiert außerdem in allen Alpenregionen, in denen Wölfe, Bären oder Luchse vorkommen, die Bevölkerung regelmäßig über den richtigen Umgang mit den Beutegreifern und wirbt um Sympathien für sie. Denn nur wenn die Menschen vor Ort die „Raubtiere“ akzeptieren, haben diese auch Chancen, bei uns wieder heimisch zu werden.

 

Für den Tourismus bietet die Rückkehr von Bär, Luchs und Wolf ein großes Vermarktungspotenzial für die Alpen als Wildnisregion. Andererseits müssen Urlauber dafür gewisse Verhaltensregeln akzeptieren. Doch was in Kanada oder den USA in Nationalparks längst Routine ist, sollte auch bei uns möglich sein.

 

Aus Sicht des WWF gehören Bär, Wolf und Luchs unbedingt in den größten Teil der Alpen zurück. Wir können nicht von armen Ländern fordern, mit deutlich konfliktreicheren Arten wir Tiger, Elefant oder Flusspferden zusammenzuleben, wenn wir es im reichen Mitteleuropa nicht schaffen, unseren Lebensraum mit großen heimischen Arten zu teilen.     

Volker Homes, WWF

 

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